Otto G. (†82) stirbt bei Brand in Ittigen BE – mutmasslicher Brandstifter in U-Haft
Nachbarn sind wütend: «Er hat etwas Illegales gebastelt»

Am Samstagmorgen stand eine Wohnung schlagartig in Brand – im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses an der Papiermühlestrasse in Ittigen BE. Ein Nachbar aus dem vierten Stock starb im Treppenhaus. Die Polizei verhaftete offenbar den Sohn einer Mieterin.
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Verkohlte Wohungstür: Hier brannte die Wohnung im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses in Ittigen BE.
Foto: Beat Michel

Darum gehts

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Beat MichelReporter

Das Treppenhaus des Mehrfamilienhauses stinkt noch immer nach verbranntem Plastik. Eine Reinigungsfirma wischt an der Papiermühlestrasse in Ittigen BE die letzten Reste vom Löschwasser weg. Im dritten Stock ist die Wohnungstür vom Feuer verkohlt. Hier brannte am Samstagmorgen früh eine Wohnung. Im Treppenhaus starb der Rentner Otto G.* (†82) auf der Flucht vor dem Feuer. Die Polizei verhaftete den mutmasslichen Brandstifter. Die Nachbarn haben einen speziellen Verdacht. 

Im vierstöckigen Haus sieht man ansonsten fast keine Spuren des Brandes mehr. Vor der Haustüre steht ein kleiner Blumenstrauss, daneben liegt ein Kärtchen. Eine Familie spricht den Angehörigen und den Bewohnern ihr Mitgefühl aus und wünscht, dass sie bald wieder ruhig schlafen können.

Zwei Explosionen

Mehrere Bewohner sprachen mit Blick, aber möchten anonym bleiben. Eine Frau sagte, dass sie bei den Ersten war, die das Haus beim Brand verlassen haben. «Ich hörte zuerst eine sehr laute Explosion, ein paar Minuten später noch eine kleinere. Es war um 5.30 Uhr am Samstag.»

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Otto G. (†82), Nachbar von oberhalb der Brandwohnung, starb im Treppenhaus, als er das Haus verlassen wollte.
Foto: zVg

Die Frau hat zuerst gedacht, jemand habe Feuerwerk abgebrannt. Doch dann klingelte jemand bei ihr. «Ich öffnete nicht, ich hatte Angst. Doch dann bin ich hinausgegangen. Ich traf eine Nachbarin, wir sahen Rauch. Wir riefen gleich die Feuerwehr an und versuchten, die Nachbarn zu warnen.»

Wie die Polizei berichtet, stirbt ein 82-jähriger Schweizer beim Brand. Drei Personen wurden mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Spital gebracht. Die Brandwohnung sei unbewohnbar. Gemäss aktuellem Kenntnisstand steht Brandstiftung im Vordergrund. Die Polizei konnte noch am Samstag einen mutmasslichen Täter anhalten und festnehmen. Er befindet sich in Untersuchungshaft.

Anwohner trauern um beliebten Nachbarn

Die Nachbarn sind erschüttert. Der Verstorbene war beliebt. Er wohnte im vierten und obersten Stock. Gemäss Berichten stürzte er im Treppenhaus beim Verlassen des Hauses und starb an einer Rauchvergiftung.

«Er war mein bester Kumpel», sagt ein Pensionär im Haus. «Ich bin noch unter Schock.» Auch eine weitere Nachbarin ist traurig: «Ich kenne ihn seit 30 Jahren. Er war immer nett zu uns. Wir trauern, auch wenn wir ihn nicht näher kannten.»

Die Mieterin der Brandwohnung ist weniger beliebt. In der Anwohnerschaft sagt man: «Es ist eine komische Person. Sie wirkt ablehnend und unsicher, manchmal leicht aggressiv.» Ihr Sohn sei es, den die Polizei verhaftet habe. Die Frau habe im Keller geschlafen, weil es in der Wohnung zu heiss gewesen sei. Was der Sohn in der Wohnung gemacht hat, weiss niemand.

Sohn wohnt eigentlich nicht hier

«Offiziell wohnt er nicht hier, aber ich habe ihn ein paar Mal gesehen», heisst es. Speziell auch am Brandsamstag. Die Leute sagen: «Er ging aus dem Haus. Als die Polizei und Feuerwehr kamen, rannte er davon.» Die Mutter habe man später auf der Gemeindeverwaltung von Ittigen gesehen, aber nicht mehr im Haus.

Die Anwohner diskutieren jetzt, wie der junge Mann mutmasslich den Brand auslöste. Warum gab es Explosionen? Warum wurde er nicht verletzt? «Er hat etwas Illegales gebastelt», vermutet jemand. Ein Polizist habe etwas angetönt.

Das Mehrfamilienhaus ist zweiteilig, gebrannt hatte es im linken Teil, aber die sieben Wohnungen im rechten Teil sind wegen des Rauchs eher schlimmer betroffen. Auch Otto G. starb im rechten Teil. Alle Wohnungen hier sind mit Russ verseucht und werden noch immer gereinigt. Während die Bewohner im linken Teil gleich nach einem Tag wieder einziehen konnten, leben die vom rechten Gebäudeteil noch im Hotel.

Die Kantonspolizei hat die Untersuchungen an die regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland übergeben.

* Name bekannt 

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