Darum gehts
- Jungbanker Mirco N. veruntreute 16'000 Franken aus der Kasse des Weihnachtslaufs
- Er finanzierte Drogenkonsum und Schulden, beging 31 illegale Geldtransaktionen
- Verurteilt zu 8000 Franken Geldstrafe auf Bewährung, 1940 Franken Busse
Der Griff in die Kasse war zu verlockend: Jungbanker Mirco N.* (21) war seit 2023 Kassier des Weihnachtslaufs in Gossau SG. Sein Arbeitgeber, die Regionalbank Acrevis, ist Hauptsponsor des Sportanlasses und stellt traditionsgemäss den Kassier. Doch was weder die Acrevis noch die Verantwortlichen des Gossauer Volkslaufs wussten: Mirco N. wurde im Frühjahr 2025 straffällig – und begann, sich aus der Kasse zu bedienen!
31 Mal bediente er sich am Konto des Weihnachtslaufs
Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen schreibt im mittlerweile rechtskräftigen Entscheid: «Der Beschuldigte tätigte in seiner Funktion als Kassier des Vereins Gossauer Weihnachtslauf im Zeitraum vom 06.01.2025 bis zum 20.02.2025 unrechtmässig folgende Barabhebungen und Überweisungen vom ihm anvertrauten Vereinskonto.»
Dann folgt eine Liste von Banküberweisungen und Bargeldbezügen – meist auf das Privatkonto des jungen Bankers. Insgesamt geht es um über 16'531 Franken, die der Kassier abgezweigt haben soll. Und nicht nur das: Auch die Einnahmen eines Panflötenkonzerts in Gossau von 440 Franken verschwanden in seiner Tasche.
31 Mal vergriff er sich am ihm anvertrauten Vereinskonto. Er brauchte das Geld gemäss Staatsanwaltschaft «um sich seinen Betäubungsmittelkonsum zu finanzieren und Schulden zu tilgen». Der junge Mann ging dabei nicht sonderlich vorsichtig vor. Er überwies das Geld auf sein Privatkonto, teilweise sandte er Tranchen von bis zu 2000 Franken direkt an eine Gläubigerin.
Warum tut ein junger Mann so etwas? Im Strafbefehl findet sich eine mögliche Erklärung: Dem jungen Mann wird über das Bedienen am Vereinskonto hinaus noch Kokainkonsum, Schnapsdiebstahl und Verstoss gegen ein Hausverbot angelastet.
Hohe Busse für Lehrabgänger
Die Liste der Verfehlungen von Mirco N. ist lang: Mehrfache qualifizierte Veruntreuung, einfacher Diebstahl, mehrfache geringfügige Vermögensdelikte, mehrfacher Hausfriedensbruch und mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes.
Für Mirco N. hat das nun Folgen: Er erhält eine bedingte Geldstrafe von 8000 Franken, die Probezeit beträgt zwei Jahre. Der Mann, der seine Lehre erst vor ein paar Jahren abschloss, muss trotzdem viel Geld in die Hand nehmen.
Die Staatsanwaltschaft brummt ihm eine Busse in der Höhe von 1940 Franken auf. Die Schlussrechnung, die er direkt zu bezahlen hat, inklusive Auslagen für Staatsanwaltschaft und Polizei, beläuft sich auf 3040 Franken. Nicht wenig für einen 20-Jährigen.
«Wir bedauern den Vorfall» – Das sagen Verein und Acrevis
Gegenüber Blick wollte sich Mirco N. nicht zum Strafbefehl äussern. Beim Vorstand des Weihnachtslaufs in Gossau gibt man sich ebenso wortkarg. Der Vereinspräsident schreibt auf Anfrage von Blick: «Der Sachverhalt wurde aufgearbeitet, der entstandene Schaden vollständig beglichen, und der Verein ist schadlos gestellt. Weitere Auskünfte kann ich dazu nicht erteilen.»
Auch die Ostschweizer Acrevis-Bank gibt sich eher schmallippig. Auf Anfrage von Blick heisst es von Stefan Hauser, Leiter Content Marketing und Mitglied des Führungskaders: «Der genannte Mitarbeitende arbeitet nicht mehr bei Acrevis. Wir bedauern den Vorfall. Zum vorliegenden Sachverhalt können wir uns aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht weiter äussern.»
* Name geändert