«Als die Feuerwehr mit dem Wasser kam, war ich beruhigter»
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Anwohner erlebt Brand hautnah:«Als die Feuerwehr mit dem Wasser kam, war ich beruhigter»

«Sie war eine liebe Person»
Frau (†63) stirbt bei Wohnungsbrand in Gossau SG – Nachbarn trauern

In einem Wohnblock mit 36 Alterswohnungen brach in der Nacht auf Sonntag ein Feuer aus. In der Wohnung mit dem Brandherd fand die Feuerwehr eine Frauenleiche. Beim Quartierverein ist man schockiert.
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Ursula M. starb bei dem Brand.
Foto: Facebook

Darum gehts

  • In einem zwölfstöckigen Wohnhaus mit Alterswohnungen in Gossau SG brach Feuer aus
  • Die Einsatzkräfte fanden in der Wohnung mit dem Brandherd eine leblose Person
  • 25 Personen wurden evakuiert und für die Nacht in einer Turnhalle untergebracht
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Grosseinsatz in Gossau SG: Am Samstagabend brach in einer Wohnung im sechsten Stockwerk eines zwölfstöckigen Hochhauses an der Witenwisstrasse ein Feuer aus. Das Gebäude mit 36 Alterswohnungen wurde evakuiert, wie ein Polizeisprecher gegenüber Blick bestätigte.

Brand in Wohnblock in Gossau SG
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Alterswohnungen evakuiert:Brand in Wohnblock in Gossau SG

In der Brandwohnung stiessen die Einsatzkräfte auf eine leblose Person, wie die Polizei später in der Nacht in einer Mitteilung schreibt. Bei der verstorbenen Person handelt es sich um die Schweizerin Ursula M. (†63). Die Todesursache wird untersucht.

25 Personen aus Gebäude evakuiert

Blick sprach mit mehreren Bewohnerinnen des Gebäudes, die Ursula M.* kannten. «Sie war eine ruhige, unauffällige Frau. Eine liebe Person», sagt eine Anwohnerin. «Sie war sehr nett und invalid, aber ich weiss nicht, was sie hatte», erzählte eine andere Person, die das Opfer kannte. Sie vermutet, dass in der Wohnung etwas zu brennen begann, nachdem M. eingeschlafen war.

Beim Eintreffen der Einsatzkräfte kam gemäss Polizei dicker Rauch aus den Fenstern der Wohnung. 25 Personen mussten aus dem Haus evakuiert und in einer nahegelegenen Turnhalle provisorisch untergebracht werden. Das betroffene Gebäude ist vorwiegend von älteren oder betagten Personen bewohnt – zum Zeitpunkt des Einsatzes waren nach Angaben eines Polizeisprechers allerdings nicht alle Wohnungen belegt.

Brandursache unklar

Die Feuerwehr konnte den Brand löschen. Mit einem Hubretter wurden die Einsatzkräfte der Feuerwehr in den sechsten Stock gefahren, von wo sie den Vollbrand in der Wohnung bekämpfen konnten. Neben der Brandwohnung wurden auch die Wohnungen unterhalb und oberhalb in Mitleidenschaft gezogen. Insgesamt sind nun drei Wohnungen unbewohnbar.

Die Todesursache der 63-jährigen Verstorbenen ist unklar und wird untersucht. Ebenfalls unklar sind die Brandursache und der entstandene Sachschaden. Dieser dürfte mehrere Hunderttausend Franken betragen. Die betroffene Wohnung wurde komplett zerstört. Unter Leitung der Staatsanwaltschaft hat die Kantonspolizei St. Gallen die entsprechenden Ermittlungen aufgenommen.

Ein Leserreporter hat dem Blick in der Nacht geschrieben, dass das Feuer von einem Küchenbrand ausgegangen sei. Bestätigt ist das bislang nicht.

Im Einsatz stand ein Grossaufgebot von Feuerwehren, Rettungsdienst und Polizei. Die Feuerwehr war mit knapp 100 Angehörigen und mehreren Fahrzeugen ausgerückt. Die verschiedenen Arbeiten dauerten bis in die frühen Morgenstunden.

Nachbar: «Es war ein Riesenaufmarsch»

Fredi Noser (73) wohnt im Nachbarhaus. Er hat den Brand und den Einsatz miterlebt. Er berichtet von Lärm und den vielen Rettungskräften rund um das betroffene Gebäude. «Ich war auf dem Balkon, es hat nach Rauch gestunken», sagt er im Gespräch mit Blick.

Zeitweise sei ihm etwas mulmig zumute gewesen. «Es war ein Riesenaufmarsch an Feuerwehr, Polizei und Sanität.» Als die Feuerwehr schliesslich die Leiter ausgefahren habe, habe er sich wieder sicher gefühlt. Um zwei Uhr in der Früh sei Ruhe eingekehrt.

Quartiervereinspräsident ist geschockt

Frank Ebnöther (48) ist Präsident des Quartiervereins Hirschberg in Gossau SG. Er will die Betroffenen bestmöglich unterstützen.

«Es ist sehr aufwühlend», sagt er zu Blick. Er macht sich Gedanken über die Bewohnerinnen und Bewohner. «Haben sie alles? Braucht es Essen oder Kleidung?» Auch über die verstorbene Person macht er sich Gedanken. Wer es ist, wusste er zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht.

In seiner Amtszeit sei so etwas definitiv noch nicht passiert, fügt Ebnöther hinzu. Seit bald 50 Jahren lebt er in dem Quartier. «Wir haben schon einiges erlebt – so etwas Grosses hatten wir aber noch nie. Es ist sehr emotional.»

«Es ist schon sehr aufwühlend»
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Quartiervereinspräsident:«Es ist schon sehr aufwühlend»

«Das ist wirklich ein trauriger Tag»

Der Wohnblock an der Witenwissstrasse in Gossau gehört der Max Pfister Baubüro AG aus St. Gallen. Geschäftsführer Andreas Pfister (45) gibt sich gegenüber Blick geschockt: «Das ist ein trauriger Tag, wirklich. In einer unserer Liegenschaften ist jemand gestorben. Das bedrückt uns, wir sind ein Familienunternehmen, wir sind nah bei den Mietern. Das ist wirklich ein trauriger Tag.»

Die ganze Geschäftsleitung sei am Sonntagmorgen vor Ort gewesen. «Am Nachmittag waren zwei Mitarbeiter vor Ort, die von Wohnung zu Wohnung gingen und fragten, ob die Mieterinnen und Mieter noch etwas brauchen.» Dabei wurde auch die Frage nach einer Ersatzunterkunft geklärt, sagt Pfister:
«Wir stellen dann entweder ein Hotelzimmer oder eine Wohnung zur Verfügung. In dieser Sache sind wir auch mit dem Quartierverein in Kontakt.»

* Name bekannt

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