Darum gehts
- Polizisten in Liechtenstein jagen Kind auf E-Scooter, worauf dieses stürzt
- Kind mutmasslich durch Fenster ergriffen und neben Auto entlanggeschleift
- Staatsanwaltschaft beantragt Vorerhebungen gegen zwei Polizisten
Videos von Anwohnern zeigen brutale Szenen: Ein 12-jähriges Kind wird Ende Juni von einem Polizeiauto durch ein Familienquartier im Liechtensteiner Dorf Mauren gejagt. Der Lärm der Polizeisirenen erfüllt das sonst ruhige Gebiet, einige Anwohner zücken ihre Smartphones und dokumentieren das fragwürdige Vorgehen zweier fürstlicher Polizisten.
Nachdem der BMW X3 der Landespolizei Fürstentum Liechtenstein gemäss Anwohnern nicht nur einmal quer durch Felder und über für Autos gesperrte Spazierwege bretterte, brachten die beiden Polizisten ihr Auto ganz nah an den minderjährigen E-Scooter-Fahrer und ihn damit zu Fall.
Später wurde bekannt, dass der Bub mit seinen 12 Jahren noch zwei Lenzen zu jung für den Scooter war. Weil er sich der Kontrolle entzogen hatte, stellten ihm die Polizisten nach. Aber die Art und Weise der Verfolgung sorgte für Unverständnis.
Vorermittlungen laufen
Relativ schnell nach dem Vorfall verwies die Landespolizei für weitere Auskünfte an die Staatsanwaltschaft des Fürstentums Liechtenstein. Diese meldete sich nun auf eine Blick-Anfrage von vor sechs Tagen. Sprecherin Brigitte Kaiser schreibt: «Die liechtensteinische Staatsanwaltschaft hat beim Untersuchungsrichter gegen die beiden Polizisten die Durchführung von Vorerhebungen beantragt.»
Dabei handelt es sich um erste Ermittlungen, die später entweder zur Einstellung des Falls oder aber zur Eröffnung eines Strafverfahrens führen werden. Weiter schreibt Kaiser: «Da der Verdacht einer strafbaren Handlung gegen Polizisten im Raum steht, wird der Sachverhalt durch den Untersuchungsrichter erhoben und nicht durch die Polizei.»
Erst wenn feststehe, was genau geschehen sei, werde eine rechtliche Beurteilung des Handelns erfolgen. Auch die Staatsanwaltschaft geht nicht auf den ausführlichen Fragenkatalog von Blick ein, sondern meldet: «Da der Sachverhalt Gegenstand der Erhebungen ist, können Ihre Fragen nicht beantwortet werden.»
Wurde das Kind vom Polizeiauto mitgeschleift?
Auf Videos, die Blick vorliegen, ist zu sehen, wie das Kind stürzt und womöglich noch mehrere Meter vom Patrouillenfahrzeug mitgeschleift wird. Die Mutmassung vieler Anwohner im Quartier vor knapp einer Woche: Das Kind wurde wohl von einem der beiden Polizisten durch das geöffnete Fenster hindurch während der Fahrt gepackt, zu Fall gebracht und neben dem Auto hergeschleift.
Eines der Videos zeigt eindeutig, wie die Beine des Buben in unmittelbarer Nähe zu den Reifen des gut 2 Tonnen schweren Autos ungefähr 5 Meter weit geschleift werden, oder der Junge unkontrolliert neben dem Fahrzeug stürzt. Nach dem Umfallen zeigt ein weiteres Video, wie der Bub vor Schmerzen schreit.
Die Landespolizei des Fürstentums Liechtenstein schwieg sich nach einer ersten knappen Mitteilung gegenüber den Medien aus. Fragen zur Art und Weise, wie man den Buben gestoppt hatte, Fragen zur dienstlichen Erfahrung der beiden Polizisten sowie Fragen zum Offroad-Verhalten der Gesetzeshüter – nichts davon wurde beantwortet. Nur einmal äusserte sich die Pressestelle kurz und bündig gegenüber Blick und erklärte, dass einer der Polizisten nach dem Fall des Buben hinter dem Patrouillenfahrzeug «Erste Hilfe leistete».