Zwei Glarner Skigebiete streiten sich um 12 Millionen
Geldregen für Elm? Konkurrent Braunwald will auch!

Die Skigebiete Elm und Braunwald liebäugeln mit einem grossen Finanz-Topf. Der Inhalt: 12,5 Millionen. Während Elm das Geld dringend braucht, verweigert der Landrat grünes Licht. Jetzt muss Regierungsrätin Lienhard innert zwei Wochen eine Lösung liefern.
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Dank 130 neuen Schneekanonen und Lanzen will Elm GL schneesicher sein.
Foto: SAMUEL TRUEMPY

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Das Skigebiet Elm in Glarus benötigt 12,5 Millionen CHF für Schneekanonen
  • Regierungsrätin änderte Finanzierungsregeln, Landrat lehnt risikoreiche Auszahlung ab
  • 22 Millionen CHF Gesamtkosten, Baustart geplant für 23. März 2026
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Pascal ScheiberReporter Gesellschaft

12,5 Millionen Franken will der Kanton Glarus für den Tourismus verteilen. Die Skigebiete Elm und Braunwald hoffen auf eine Finanzspritze. Ihre Einnahmen sinken, ihre Kosten steigen – und: Sie beide wollen investieren.

Doch: Elm soll nach Wunsch der Glarner Regierung einen Grossteil des Geldtopfs bekommen. In Zahlen: 10 von 12,5 Millionen. Seit zehn Jahren träumen sie von einer neuen Beschneiungsanlage, reichten dafür einen Antrag für die Finanzspritze ein. Nur so kann es etwa die Hälfte der Gesamtkosten in Höhe von 22 Millionen Franken decken. Weitere 2,5 Millionen sollen über ein Darlehen ins Skigebiet fliessen.

Anders Konkurrent Braunwald: Zwar kämpft auch dieses Skigebiet mit immer weniger Schnee. Eine Finanzspritze beantragten sie aber noch nicht direkt. Denn: Ihre Projekte stecken noch in den Startlöchern, weil sie den Entscheid über die Erschliessung des Dorfes abwarten mussten. Und dieser kam erst vergangenes Jahr. Das Geld hätten sie dann aber doch auch gerne, um eben solche Projekte realisieren zu können.

Baustart Mitte März

Nur drängt in Elm die Zeit: Am 23. März 2026 sollte der Bau der neuen Beschneiungsanlage mit 130 Schneekanonen starten. Die rechtskräftige Baubewilligung liegt vor. Bis Mitte März muss der Glarner Landrat entscheiden. Sonst steht das Ende des Skigebiets an.

Noch am Montag drohten die Elmer, den Skibetrieb «dauerhaft» schliessen zu müssen. Wenn innert Monatsfrist nicht Millionen fliessen, stehe Elm am Abgrund. Sie könnten keine Schneekanonen bauen und nächstes Jahr nicht öffnen, hiess es. «Es ist fünf vor zwölf – wir brauchen dringend einen Entscheid», sagte Stefan Elmer, Geschäftsführer der Sportbahnen Elm, zu Blick.

Mit der Investition in eine neue Beschneiungsanlage will Elm «nachhaltig schneesicher» werden. Denn: 80 Prozent des Umsatzes erwirtschaften die Sportbahnen Elm mit dem Wintergeschäft. «Wenn wir es nicht beschneien können, fehlt unsere Lebensversicherung», warnt Geschäftsführer Stefan Elmer. Jobs, Geschäfte und Infrastruktur hängen ab Dezember davon ab. 

Konkurrent präsentiert bald eigenes Projekt

Nur: «Wenn die Finanzierung bis dann nicht stehen, müssen wir abbrechen», sagt der Bahnen-Chef aus Elm. Stefan Elmer mahnt: «Einen Winter ohne künstliche Beschneiung überstehen wir nicht!»

Das Geld selbst aufbringen kann er nicht und muss er auch nicht. Der Glarner Geldtopf – der etwa die Hälfte der Gesamtkosten deckt – liegt für Elm in Griffnähe.

Nur: Konkurrent Braunwald liebäugelt ebenfalls mit dem Geldtopf, das weiss der ganze Kanton. Unabhängig vom Ausgang der Debatte um Elm ist klar: Braunwald will gleichberechtigt behandelt werden. Hinter vorgehaltener Hand ist von einem «voreiligen Tempo» des Regierungsrats die Rede, was auch vom Elmer Bauplan abhängig ist. Schliesslich soll es Mitte März losgehen.

In einem Monat will Braunwald ein eigenes Projekt präsentieren. Genauere Details sind noch nicht klar. Klar ist: Solange der Geldtopf offen ist, erheben auch die Braunwalder Anspruch darauf.

Denn: 2018 stimmte die Glarner Stimmbevölkerung einem Rahmenkredit von 12,5 Millionen Franken für touristische Infrastruktur im Kanton zu. Für Elm und Braunwald wäre das eine willkommene Unterstützung. Der Kredit gilt bis 2028.

Riskante Kehrtwende

Der Regierungsrat versicherte 2018: Die Gelder des Kredits flössen nicht direkt zu den Sportbahnen, sondern über eine staatlich kontrollierte Zwischengesellschaft. Eine Sicherheitsgarantie soll das sein. Diese Gesellschaft hätte den Bau der Kanonen finanziert, besitzt und den Sportbahnen vermietet. Damit wäre die Verantwortung beim Staat geblieben und nicht an die privaten Investoren übergegangen. 

Doch der Glarner Regierungsrat änderte diese Spielregeln Anfang Jahr. Den Entscheid der Landgemeinde von 2018 wollte Regierungsrätin Marianne Lienhard umgehen. Heute will sie das Geld direkt den Sportbahnen Elm auszahlen – ohne Garantie. Zu «riskant» wäre die «alte» Lösung gewesen, erklärte Lienhard. Hinzu kommt: Das Elmer Kanonen-Projekt kostet heute mehr als erwartet. Diese Kosten müsste ein Darlehen abfedern.

Aufgrund dieser Kehrtwende forderte die zuständige Finanzaufsichtskommission, dass die Vorlage an der Landsgemeinde Anfang Mai behandelt werden müsste. Gestern Mittwoch, einen Monat vor dem Baustart, diskutierte der Landrat über die Vorlage und das Vorgehen der Regierung. Man wolle Elm zwar nicht «im Regen stehenlassen». Aber: Geld ohne Bedingungen ins Elmer Sernftal zu schicken, sei schlicht «zu riskant» und wäre ein «grosser Fehler», entgegneten die Landräte und schickten das Vorgehen zurück an die Regierung – um fünf vor zwölf.

Somit dreht die Elmer Finanzspritze eine weitere Runde. «Noch ist das Glas halbvoll», beschwichtigt Chef Stefan Elmer. Ihre Lebensversicherung hängt jetzt vom Willen der Politikerinnen und Politiker ab. In zwei Wochen wird der Entscheid erwartet.

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