No-Shows, schlechtes Benehmen und Vandalismus
Jetzt wehren sich die Schweizer Hüttenwarte

Schweizer Berghütten kämpfen gegen No-Shows. Gäste reservieren, erscheinen aber nicht. In der Etzlihütte macht Hüttenwart Res Streiff Ernst: 60 Franken Stornogebühr pro Nacht. Reservieren soll verbindlich sein – sonst wird’s teuer.
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Wer nicht zu seiner Reservierung in der Fridolinshütte erscheint, muss mit einer No-Show-Rechnung von 40 Franken rechnen.
Foto: SAC-CAS

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Berghütten in der Schweiz kämpfen mit No-Shows und Vandalismus
  • Etzlihütte UR verlangt 60 CHF Stornogebühr pro Person und Nacht
  • Hörnlihütte VS fordert 50 CHF Anzahlung und kritisiert unrealistische Erwartungen
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Daniel MacherRedaktor News

Bisher kannte man das Problem vor allem aus der Gastronomie: sogenannte No-Shows. Damit sind Gäste gemeint, die einen Tisch reservieren, aber ohne abzusagen einfach nicht erscheinen. Oder sie sagen erst kurz vor dem vereinbarten Termin ab – was für die Restaurantbetreiber kaum besser ist. Einen Tisch so kurzfristig neu zu vergeben, ist schwierig, besonders bei grösseren Gruppen. Zudem sind Einkauf und Planung meist bereits erfolgt.

Mittlerweile betrifft das Problem auch Berghütten. In der Etzlihütte UR in den Urner Alpen stehen Rita und Res Streiff oft vergeblich am Fenster: Gruppen haben reserviert, Menüs sind geplant – doch niemand erscheint. «Zehn Prozent unseres Einkommens stammen aus No-Show-Gebühren», sagt Res Streiff in der SRF-Dokuserie «Winterhüttengeschichten»

Kulanz bei Nebel

Als Reaktion verrechnet Hüttenwart Res Streiff eine No-Show- bzw. Stornogebühr von 60 Franken pro Person und Nacht, wenn weniger als 48 Stunden vorher abgesagt wird oder gar keine Absage erfolgt. Gleichzeitig zeigt er sich kulant, wenn jemand wegen Nebel umkehren muss oder die Buchung auf einen späteren Termin verschiebt – dann wird auf die Gebühr verzichtet. Die Botschaft ist klar: Reservationen sind verbindlich – und wer sie ignoriert, zahlt.

Diese Hüttenwarte schlagen zurück

Ähnliche Klagen kommen aus vielen Hütten: Gäste ignorieren Regeln, hinterlassen Abfall oder nutzen die Hütten als Social-Media-Kulisse. Vandalismus in Winterräumen, zerstörtes Mobiliar oder Einbrüche verschärfen die Situation.

Viele Hüttenwarte berichten inzwischen von Frust, Burn-out-Gefahr und der Frage, wie lange sie sich das noch leisten können. Doch die Hüttenwarte schlagen zurück – jede Hütte auf ihre Art:

Fridolinshütte GL – Bei No-Show gibts die Rechnung

Ganz so gravierend wie in der Etzlihütte sei die Situation in der Fridolinshütte zwar nicht, sagt Hüttenwartin Lisa Hösli zu Blick. «Aber wenn Gäste nicht erscheinen, stelle ich ihnen eine Rechnung.» Pro Person und Nacht verlangt Hösli in solchen Fällen 40 Franken. Beschwerden habe es darüber bislang keine gegeben. Die meisten Gäste zeigten Verständnis. «Bei grösseren Gruppen bleiben ja nicht nur die Betten leer. Uns entgehen Einnahmen, und auch das bereits eingeplante Essen müssen wir anderweitig verwerten.»

Dass Hütten bei Nichterscheinen Gebühren verlangen dürfen, ist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) geregelt. Dennoch sieht Hösli darin ein Problem: «Ich würde mir wünschen, dass mehr Hütten diese Gebühr konsequent erheben. Sonst steht man schnell allein da – und die Gäste sagen: ‹Bei der anderen Hütte musste ich das auch nicht bezahlen.›» Eine einheitliche Regelung wäre ihrer Ansicht nach deshalb womöglich sinnvoll.

Hörnlihütte VS – Komfort nur für Respektvolle

Auf der Hörnlihütte über Zermatt, einem Privatbetrieb, reagiert das Team mit klaren Spielregeln. Wer hier übernachten will, leistet bereits heute eine Anzahlung von 50 Franken. Gleichzeitig macht Hüttenwartin Edith Lehner öffentlich Druck: Sie prangert Respektlosigkeit, Verschmutzung und unrealistische Erwartungen an – etwa, dass auf 3260 Metern ein Hotelstandard mit À-la-carte-Menü, täglichem Bettwäschewechsel und Wellness zu erwarten sei. Indem sie Missstände klar benennt, will sie Gästen vor Augen führen, wie viel Arbeit hinter einem Hüttenbetrieb steckt, und dass eine Berghütte kein Berghotel ist.

Carschinahütte GR – Gitter und klare Grenzen

Nach Einbrüchen und Sachbeschädigungen haben Betreiber in einzelnen Hütten baulich nachgerüstet. In der Carschinahütte ist im Winter nur noch ein klar definierter Bereich zugänglich; der Rest der Hütte ist mit einem Metallgitter abgeriegelt. Kücheninventar, Gas und empfindliche Infrastruktur wurden gesichert, während im Winterraum weiterhin Holzofen, Betten, Tisch und Geschirr zur Verfügung stehen. Seither berichten die Hüttenwarte von deutlich weniger Problemen – auch wenn liegengelassener Abfall ein Ärgernis bleibt.

Das sagt der SAC

Der Schweizer Alpen-Club (SAC) weiss von dem Problem. Genau deswegen dürfen Hüttenteams No-Show-Gebühren verlangen. Und nicht nur das. «In der Vergangenheit gab es verschiedene Kommunikationsmassnahmen, um Berggängerinnen und Berggänger für das Thema Hüttenleben, inklusive Hüttenreservation, zu sensibilisieren», sagt SAC-Sprecher Remo Schläpfer zu Blick. Diesen Sommer wird es eine Kampagne dazu geben. «Davon abgesehen empfehlen wir, wenn die geplante Bergtour näher rückt, telefonischen Kontakt mit dem Hüttenteam aufzunehmen und eine mögliche Unsicherheit in der Wahrnehmung der Reservation, beispielsweise aus meteorologischen Gründen, zu besprechen. Meist findet man so eine Lösung.»


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