Darum gehts
- Ein Deutscher sammelt skurrile Schweizer Gemeindewappen auf Instagram.
- Besonders beliebt: Der «Volleyball-Marder» aus Gossau ZH, ein roter Fischotter.
- Mit 5 kuriosen Wappen sorgt der Creator für viele Lacher online.
Denken Ausländer an die Schweiz, denken sie meist in erster Linie an Berge und Seen. Doch zwischen all den Vorzeige-Postkartenmotiven gibt es auch etwas, das Ausländer mit Blick auf die Schweiz zum Schmunzeln bringt: die teils herrlich skurrilen Schweizer Gemeindewappen.
Der deutsche Flemming Witt hat sich nun die Mühe gemacht, die fünf kuriosesten Exemplare auf Instagram zu sammeln – und sorgt damit für jede Menge Lacher.
Der «Volleyball-Marder»
Den Anfang macht das Gemeindewappen von Gossau ZH. «Wir starten mit diesem Volleyball-Marder. Wie willst du mit diesen kleinen Pfoten den Ball vernünftig schmettern?», fragt sich Witt in einem Video auf Instagram.
Tatsächlich handelt es sich bei dem vermeintlichen «Volleyball-Marder» um einen roten Fischotter. So beschreibt die offizielle Wappenkunde das Gemeindewappen als «in Gold ein steigender roter Fischotter und ein schwarzes, mit einem silbernen Ball belegtes Schildhaupt». Der Otter stammt aus dem historischen Wappen des Ortsteils Ottikon und wurde bewusst als zentrales Motiv gewählt, weil sich dieses Symbol als einziges der früheren Gossauer Wachten direkt auf die Gemeinde zurückführen lässt.
Einhörner auf Drogen
Der nächste Kandidat kommt aus Hünenberg ZG. Auch dieses Wappen trägt ein tierisches Motiv. «Wir haben hier offensichtlich zwei voll arme Einhörner, die mit Pferdeberuhigungsmittel vollgepumpt sind», witzelt Witt.
In Wahrheit stammen die silbernen Einhörner aus dem Wappen der Herren von Hünenberg, die bereits 1173 urkundlich erwähnt wurden. Im Mittelalter galten Einhörner als Symbole für Keuschheit und Unbesiegbarkeit – Eigenschaften, mit denen sich der Adel gerne schmückte. Deshalb fanden sie ihren Weg ins Wappen und später auch ins Gemeindewappen.
Ein «einsamer Ruderer»?
Weiter geht es mit Oberägeri ZG. Besonders ins Auge fallen Witt die beiden Männer im Boot. «Freunde, die zusammen Boot fahren, finde ich nicht albern. Was ich jedoch albern finde, ist, dass in der Nachbargemeinde Unterägeri der Kerl alleine rudern muss», scherzt er.
Hinter den Figuren stehen die Apostel Petrus und Paulus, Schutzpatrone der Oberägerer Pfarrkirche. Bereits im Mittelalter taucht Petrus auf einem Pfarreisiegel auf, später beide gemeinsam auf Gemeindesiegeln. Das heutige Wappen entstand im 19. Jahrhundert.
Das Pendant in Unterägeri zeigt dagegen einen blau gekleideten Steuermann ohne konkrete Identität – ein Motiv aus dem 18. Jahrhundert, das im 20. Jahrhundert seine heutige Form erhielt.
Trauriger Flussgott
Zum Schluss sind noch zwei Wappen aus dem Kanton Graubünden in dem Ranking vertreten. Den Anfang macht Samedan GR: «Schaut euch diesen traurigen, nackten Kerl mit seiner Schaufel an. Warum ist er traurig? Wahrscheinlich, weil ihm sein Wasserkrug umgefallen ist», vermutet der Deutsche.
Über das Wappen von Samedan rätselte in der Vergangenheit bereits so mancher. Das Lokalblatt «La Padella» widmete dem Motiv sogar einen Artikel. Das Wappen zeigt einen goldenen Wassermann mit Ruder und Wassergefäss auf schwarzem Grund. Immer wieder wurde die Figur mit dem Meeresgott Neptun in Verbindung gebracht. Historisch dürfte das Motiv jedoch eher auf ältere Flussdarstellungen zurückgehen. Der Samedaner Wassermann steht deshalb vermutlich für den Inn und die Verbindung der Gemeinde zum Wasser.
«Klosterser Wildmännli»
In Klosters GR wird es zum Schluss noch rätselhafter. «Das mit Abstand absurdeste Wappen der Schweiz kann kein anderes sein als das wild gewordene Maskottchen von Karls Erdbeerhof. Nehmt euch in Acht, Leute!»
In Wirklichkeit hat Klosters natürlich kein «Erdbeerhof-Maskottchen» im Wappen. Dahinter steckt vielmehr das «Klosterser Wildmännli» – eine Sagengestalt eines halb menschlichen Wald- und Bergbewohners. Die «Wildmännli» gelten als naturverbunden, scheu und aussergewöhnlich kräftig und werden in der lokalen Überlieferung auch als geschickte Sennen und Hirten beschrieben.