Nach Studie mit 125'000 Teilnehmenden
Forscher raten von Aspirin gegen Darmkrebs ab

Eine Studie mit 125'000 Teilnehmern zeigt: Aspirin verhindert Darmkrebs nicht sicher, erhöht aber Blutungsrisiken. Chinesische Forschende raten von weit verbreiteter Nutzung ab. Experten empfehlen gesunde Lebensweise zur Prävention.
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Die Einnahme von Aspirin wurde in den vergangenen Jahren in Zusammenhang mit Krebsprävention gebracht.
Foto: Shutterstock

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Studie: Aspirin senkt langfristig kein Darmkrebsrisiko, erhöht aber Blutungsgefahr
  • 125'000 Patientendaten aus 10 Studien analysiert, kein signifikanter Schutzeffekt
  • In der Schweiz jährlich 4600 neue Darmkrebsfälle, vor allem ab 50 Jahren
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Keystone-SDADie Schweizer Nachrichtenagentur

Täglich Aspirin nehmen und damit das Risiko für Darmkrebs verringern? Chinesische Forschende sprechen sich im Fachjournal «Cochrane Database of Systematic Reviews» klar dagegen aus – nachdem sie systematisch Patientendaten aus klinischen Studien ausgewertet haben.

Das Team ging der Frage nach eigenen Angaben genauer nach, weil in den vergangenen Jahren der Einsatz von Schmerzmitteln – genauer gesagt NSAR (nicht steroidale Antirheumatika) wie Aspirin oder Ibuprofen – zur Senkung des Darmkrebsrisikos vermehrt diskutiert oder sogar empfohlen wurde. Da die Mittel entzündungshemmend wirken und Entzündungen auch bei der Entwicklung von Tumoren eine Rolle spielen sollen, entstand die Hoffnung, man könne durch eine regelmässige Einnahme das Darmkrebsrisiko senken. In den USA war dies zeitweise sogar offiziell empfohlen.

Der nun veröffentlichten Analyse zufolge gibt es dafür jedoch keine ausreichenden Belege – anders als für die mit der Einnahme verbundenen Risiken. Innerhalb einer Zeitspanne von 5 bis 15 Jahren nach Beginn der regelmässigen Einnahme habe Aspirin mutmasslich keinen Einfluss auf die Zahl neuer Darmkrebsfälle, schreiben das Forschungsteam. Möglicherweise gebe es eine gewisse Schutzwirkung nach einer Dauer von 15 Jahren, allerdings sei dieses Ergebnis nicht eindeutig und daher mit Vorsicht zu geniessen. Dabei könnten jedoch auch andere Faktoren neben dem Aspirin eine Rolle spielen.

Zehntausende Patientendaten ausgewertet

Um den Nutzen und die Risiken von Aspirin zu verstehen, werteten die Forscherinnen und Forscher Daten von insgesamt rund 125'000 Menschen mit einem durchschnittlichen Krebsrisiko aus, die aus zehn klinischen Studien hauptsächlich aus Europa und Nordamerika stammen. In sieben der Studien wurde eine tägliche Einnahme von Aspirin in niedriger Dosis (75 bis 100 Milligramm pro Tag) betrachtet, in dreien höhere Dosierungen. Entsprechende Studien, in denen Probanden andere vergleichbare Schmerzmittel einnahmen, fand die Gruppe nicht, weshalb sie nur Aussagen über Aspirin trifft.

Die Forschenden analysierten, wie häufig bei Teilnehmenden, die täglich Aspirin einnahmen, Darmkrebs auftrat und verglichen dies mit dem Anteil der Betroffenen in Kontrollgruppen, die kein Aspirin oder ein Placebo einnahmen.

Unklarer Nutzen – unmittelbares Risiko

Die federführende Studienautorin Zhaolun Cai von der Sichuan University in China erklärt: «Obwohl die Vorstellung, dass Aspirin langfristig Darmkrebs vorbeugen könnte, faszinierend ist, zeigt unsere Analyse, dass dieser Nutzen nicht garantiert und mit unmittelbaren Risiken verbunden ist.»

Die Auswertung des Teams zeigte nämlich deutlich, dass das regelmässige Einnehmen von Aspirin unter anderem das Risiko für Blutungen in oder um das Gehirn und das Schlaganfallrisiko erhöht. Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen sind demnach besonders gefährdet.

Kein Allgemeinrezept

Es gelte daher, Nutzen und Risiken sorgfältig abzuwägen und sich ärztlich beraten zu lassen, betonen die Forschenden. Der ebenfalls beteiligte Autor Dan Cao erklärt, es gebe keine für alle geltende Empfehlung. «Die weit verbreitete Verwendung von Aspirin in der Allgemeinbevölkerung wird durch die vorliegenden Erkenntnisse einfach nicht gestützt.»

Michael Hoffmeister vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) – selbst nicht an der Studie beteiligt – ist von den Ergebnissen der Analyse nicht überrascht. Zuletzt habe es vermehrt Studien mit diesem Tenor gegeben, auch in den USA sei die offizielle Leitlinie bereits vor einigen Jahren entsprechend geändert worden, die zuvor Aspirin zur Darmkrebsvorbeugung empfohlen hatte.

Bei Aspirin sei bekannt, dass es einen verzögerten Effekt habe. «Das heisst, um einen Effekt zu sehen, muss man es mindestens fünf Jahre nehmen und dann zeigt sich der Effekt erst in den folgenden Jahren.» Das gelte auch für die Risiken, so steige auch das Blutungsrisiko erst mit längerer Einnahme.

Jährlich 4600 Diagnosen in der Schweiz

In der Schweiz erkranken nach Angaben der Krebsliga jedes Jahr 4600 Menschen neu an Dickdarm- oder Enddarmkrebs. Am häufigsten seien die Altersgruppe der über Fünfzigjährigen betroffen und Männer etwas häufiger als Frauen, heisst es auf der Webseite der Krebsliga. Zur Früherkennung werde empfohlen, sich ab 50 Jahren regelmässig zu untersuchen.

Experte Hoffmeister betont: «Darmkrebs hat Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen, körperliche Inaktivität, Ernährung und Alkoholkonsum. Wenn man sich in diesen Lebensbereichen gesund verhält, kann man sehr viel dafür tun, sein Darmkrebsrisiko zu verringern.»

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