Darum gehts
- Mont-Blanc-Tour überlaufen, Zugangsbeschränkungen ab Frühling 2027 gefordert
- Nicht alle Schweizer Gebiete planen Massnahmen gegen Überlastung
- Alpstein: Seit 2025 Ranger und Abfallsäckli, positives Feedback vom Kanton
Eine Nachricht von der Schweizer Grenze sorgt für Schlagzeilen: Die Mont-Blanc-Tour ist wegen ihrer enormen Beliebtheit zunehmend überlaufen. Rund 80'000 Menschen wandern jedes Jahr die fast 170 Kilometer lange Rundstrecke durch Frankreich, Italien und die Schweiz. Wegen der Belastung für Natur und Einheimische fordert der Gemeindepräsident von Saint-Gervais-les-Bains (F), das sich entlang der Route befindet, ab nächstem Frühling eine Reservationspflicht in Hütten, Sanktionen und Kontrollen.
Wenn Frankreich harte Regeln einführt, ist die Frage naheliegend: Zieht die Schweiz nach? Auf Schweizer Seite ist bisher nichts Vergleichbares geplant. Doch auch hierzulande sorgen grosse Besucherströme an beliebten Ausflugszielen und Wanderwegen immer wieder für rote Köpfe.
Ein Beispiel ist der Oeschinensee im Berner Oberland. Dort ist eine Reservation für die Bergfahrt zum See bereits Pflicht. Vom 20. Juni bis 20. September können Wanderer und Besucher nur mit einem fix gebuchten Ticket in das Gebiet gelangen.
Die Gemeinde Lauterbrunnen BE kämpft ebenfalls mit Überlastung am weltberühmten Staubbach-Wasserfall. Laut dem Gemeindepräsidenten könnte eine Bezahlschranke vor dem Fall künftig für Entlastung sorgen, berichtet die Plattform J. Dafür soll zunächst ein 60 Meter langes Schutznetz installiert werden. Sobald dies installiert ist, könnte die Gemeinde theoretisch Eintritt verlangen.
Neben dem Eintritt gibt es weitere Ideen zur Regulation: Die bestehende Felsgalerie könnte bis zum Wasserfall verlängert und ein Rundgang durch das Bergmassiv geschaffen werden. Auch der Verkehr soll mit einem Ausbau der Kantonsstrasse und einem geplanten unterirdischen Parkhaus entlastet werden.
«Das kommt für uns nicht infrage»
Die 5-Seen-Wanderung am Pizol ist ein weiterer Hotspot, der immer beliebter wird. Auf mögliche Massnahmen angesprochen, erklärt Johanna Burgener, Leiterin Marketing am Pizol, dass sich jedoch nicht nur diese Wanderung grosser Beliebtheit erfreut. Aus diesem Grund würden sich die Besucherströme im Gebiet gut verteilen. Zudem reguliere die Infrastruktur (Anzahl Parkplätze, Frequenz mit der Bahn) gut. «Die Beliebtheit der 5-Seen-Wanderung ist uns natürlich bewusst und wir behalten das Verhalten im Auge, zum Beispiel mit Rangern aus der Gemeinde für die Sauberkeit», präzisiert Burgener. Auch die Sicherheit beim Wanderweg werde stets überwacht. Obergrenzen kommen für das Gebiet aktuell nicht infrage.
Ähnlich tönt es beim Wandergebiet Stoos im Kanton Schwyz. Dort ist vor allem die Fronalpstock-Gratwanderung an Spitzentagen gut besucht. Eine Reservationspflicht oder Zutrittsbeschränkungen halten die Betreiber jedoch nicht für nötig. «Unsere Gäste sollen entscheiden dürfen, welche Wege sie wann besuchen möchten. Für Gäste, die es eher ruhiger möchten, gibt es auf dem Stoos alternative Angebote zum am Spitzentagen gut besuchten Gratwanderweg», erklärt Rahel Stocker, Leitering Marketing beim Stoos, auf Blick-Anfrage.
Parkleitsystem geplant
Im Alpstein-Gebirge im Kanton Appenzell Innerrhoden ist der aktuelle Andrang an beliebten Orten wie dem Seealpsee oder dem Restaurant Äscher vergleichbar mit früheren Sommern. Jedoch stellt das Gebiet vor allem die Verschiebung der Aktivitäten in die Abendstunden fest, was dieses Jahr besonders hervorsticht. Wie der Kanton auf Blick-Anfrage erklärt, erhalte man häufig positives Feedback, was die Ranger und verfügbaren Abfallsäckli im Gebiet betrifft. Sowohl die Ranger als auch die Möglichkeiten zur Abfallentsorgung wurden 2025 als Teil eines umfassenden Massnahmenpakets eingeführt.
Die konkreten Massnahmen für 2025 waren 1. die Einführung von Rangern zur Information und Sensibilisierung der Gäste, 2. das Verteilen von Abfallsäckli und 3. die Weiterführung des Meldesystems, bei welchem die Einheimischen und Gäste ihre Anliegen melden können.
Für das Frühjahr 2027 sind zudem Massnahmen beim Parkieren geplant. Konkret wird ein Parkleit- und Reservationssystem ins Auge gefasst. «Sowohl die Gesetzgebung zur touristischen Parkierung (Parkgebühren) als auch zum Campen mit Zelten und Wohnmobilen werden gerade durch das Justiz-, Polizei- und Militärdepartement ausgearbeitet», heisst es.
«Können nicht ausschliessen, dass punktuelle Massnahmen zunehmen»
Der Schweizer Alpenclub SAC setzt sich grundsätzlich für einen freien Zugang zu den Bergen ein, heisst es auf Anfrage. Doch die Organisation ist sich bewusst, dass die Nachfrage nach Bergerlebnissen in den vergangenen Jahren zugenommen hat. «Im Bereich der Hüttenübernachtungen ist es unser Ziel, die Auslastung zwischen Wochenenden und Wochentagen spürbar zu glätten. Mögliche Lösungsvorschläge werden im kommenden Jahr ausgearbeitet.»
Remo Schläpfer, Bereichsleiter Kommunikation beim SAC, erklärt: «Wir schliessen nicht aus, dass punktuelle Lenkungsmassnahmen an besonders stark frequentierten Orten künftig zunehmen – wie es beispielsweise beim Oeschinensee mit dem Online-Reservationssystem der Gondelbahn bereits der Fall ist.» Solche Massnahmen würden in der Regel jedoch einzelne Hotspots betreffen und vor allem solche, die für eine breite Masse zugänglich sind.
Hinzu kommt: In den Hütten besteht durch die Anzahl Schlafplätze bereits eine natürliche Kapazitätsgrenze, so Schläpfer. «Eine Übernachtung in unseren Hütten ist nur mit gültiger Reservation möglich.»