Sohn zu Reichsbürger entführt
«Ich darf seit drei Jahren nicht mehr die Mama von Noa sein»

Zunächst fehlt jede Spur von ihm – dann taucht Noa (5) aus dem Kanton Solothurn in Deutschland auf. Mutter Sofia G. entführte ihn laut Anklage im Herbst 2021 dorthin. Die beiden kamen beim bekannten Reichsbürger Maximilian Eder unter. Jetzt steht die Mutter vor Gericht.
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Mutter Sofia G.* (43) aus dem Kanton Solothurn entführte Sohn Noa* (damals 5) im Herbst 2021 zum deutschen Reichsbürger-Guru Maximilian Eder.
Foto: RMS
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Qendresa LlugiqiReporterin News

Vom Staatsdiener zum Staatsfeind Deutschlands: Lange machte Maximilian Eder erfolgreich Karriere in der Bundeswehr, wurde gar Panzergrenadier-Oberst und sollte Deutschland und seine Mitmenschen beschützen. Doch irgendwann kam der Bruch – und Eder soll versucht haben, als Putschist Deutschland ins Chaos zu stürzen. Eder gilt als führendes Mitglied der mutmasslich terroristischen Vereinigung Patriotische Union, die im Jahr 2021 gegründet wurde und anscheinend vorhatte, mit Waffengewalt einen Putsch anzuzetteln. Eder soll versucht haben, dafür Waffen zu besorgen.

Doch die Gruppe flog auf, es folgten Razzien und Verhaftungen. Auch bei Eder klickten die Handschellen, Anfang Dezember 2022 wurde er nach einem EU-Haftbefehl in Perugia (Italien) geschnappt und nach Deutschland überführt. Seit April stehen Eder und seine mutmasslichen Mitverschwörer in einem Monster-Prozess vor Gericht.

Entführte und gefolterte Kinder

Doch auch sonst ist Eder eine äusserst umstrittene Figur und es gibt Verbindungen in die Schweiz! Der Mann mit langen, weissen Haaren und stahlblauen Augen samt Brille hat sich einen Namen als Reichsbürger-Guru gemacht. Reichsbürger lehnen den deutschen Staat ab, stehen oft in Verbindung mit Rechtsextremismus oder Antisemitismus. Oder sie vertreten wie Eder krude Verschwörungstheorien – insbesondere im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch an Kindern. So berichtete der «Tages-Anzeiger» darüber, wie Eder bei einem Auftritt im deutschen Baden-Baden im Mai 2022 behauptete, in der Schweiz würden Kinder über ein Tunnelsystem entführt und dann gefoltert.

In dieser Rede sprach Eder davon, dass er «zwei Familien» aus der Schweiz beschützen müsse. Mit einem dieser Fälle muss sich jetzt am Dienstag und Mittwoch das Richteramt Dorneck-Thierstein SO beschäftigen.

Massive Kindeswohl-Gefährdung

Ein Blick in die Anklageschrift zeigt: Rund ein Jahr vor Eders Verhaftung entführte die Schweizerin Sofia G.* (heute 43) ihren Sohn Noa* (damals 5) während den Herbstferien – und zog ausgerechnet für rund einen Monat beim Reichsbürger-Guru ein. Gemeinsam wohnten sie in einem Haus im bayerischen Eppenschlag, nahe der Grenze zu Tschechien, wo Eder seit seiner Pensionierung lebte.

Wie es Noa bei Eder in dieser Zeit erging, lässt die Anklageschrift offen. Festgehalten ist jedoch: «Die hygienischen Verhältnisse waren besorgniserregend.» Weiter heisst es, dass die Situation am Aufenthaltsort dem Kindeswohl massiv widersprach. So durfte Noa weder in den Kindergarten gehen, noch die erforderliche Logopädie-Therapie besuchen.

Auch zwei Gehilfinnen angeklagt

Laut Anklageschrift ging Mutter Sofia G. davon aus, dass ihr Sohn sexuell missbraucht wurde. Ausgerechnet Eder sollte ihr dabei behilflich sein, diesen Verdacht zu verifizieren. Hierzu heisst es in der Anklageschrift, dieser Umstand «war dem Kindeswohl in extremer Weise abträglich».

Vor Gericht muss sich Sofia G. nun erstinstanzlich insbesondere wegen Entführung und Entziehen von Minderjährigen verantworten. Konkret wirft ihr die Staatsanwaltschaft vor, ihr Kind gegen den Willen des Vaters – der das Sorgerecht hatte – nach Deutschland entführt zu haben. Noa konnte am 16. November 2021 befreit und seinem Vater zurückgebracht werden.

Im Zusammenhang mit der mutmasslichen Entführung klagt die Staatsanwaltschaft zudem zwei weitere Frauen wegen Gehilfenschaft an. Sie sollen Sofia G. mit Eder bekannt gemacht haben. Blick ist beim Prozess vor Ort und berichtet live.

* Namen geändert

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