Darum gehts
- Leichenteile in Stein AG gefunden
- Blick-Reporterin sprach mit Alif T. (43)
- Später stellte sich heraus: Er ist der Tatverdächtige
Was für eine unheimliche Begegnung zwischen Blick-Reporterin Karin Frautschi und dem mutmasslichen Killer von Stein AG: Einen Tag, bevor Alif T.* (43) wegen der brutalen Tötung von Emmanuel T.* (†33) in Stein AG verhaftet wurde, hatte sie mit dem Tatverdächtigen noch ein längeres Interview geführt. Vor der betroffenen Asylunterkunft.
Es war eine Schreckensmeldung: Am Rheinufer in Stein wurden am 25. Oktober Leichenteile gefunden – Überreste in einzelnen Säcken. Vom Täter fehlte am Anfang noch jede Spur. Schnell kam der Verdacht auf: Bei der Leiche handelt es sich um den aus Burundi stammenden Emmanuel T., der in der nahen Asylunterkunft wohnte.
«Sicher eine Stunde lang mit ihm geredet»
Am 26. Oktober machten sich etliche Medienschaffende auf den Weg zum Leichenfundort und zur Asylunterkunft, um zu recherchieren. So auch Karin Frautschi.
Am Freitag teilte die Aargauer Staatsanwaltschaft dann mit, dass der tatverdächtige 43-jährige Mann aus Bangladesch «mit dem Opfer ein Zimmer in der Asylunterkunft teilte». Damit wurde klar: Beim Tatverdächtigen handelt es sich um Alif T. «Ich hatte nach dem Mittag sicher eine Stunde lang mit ihm geredet», so die Blick-Reporterin.
Alif T. war am Montag plötzlich aus der Asylunterkunft gekommen. «Er war sehr offen und sprach mit den Journalisten vor Ort, in gebrochenem Deutsch, teils auf Englisch», sagt Frautschi.
Er erzählte viel
Der 43-Jährige habe dann gleich «von sich aus» erzählt, dass sein Zimmermitbewohner Emmanuel T. vermisst werde. «Er schilderte, dass er ihn am Freitagabend gegen 22 Uhr zum letzten Mal im gemeinsamen Zimmer gesehen habe», so Frautschi weiter. Ob dort auch die grausige Tat geschah, ist noch unklar.
Alif T. berichtete, dass die Polizei das gemeinsame Zimmer durchsucht und dabei auch sein Handy mitgenommen habe. Alif T. zeigte sich zuversichtlich, dass er es bald wieder zurückerhalten werde.
«Er wirkte gefasst und besorgt»
Frautschi sagt: «Er wirkte gefasst und besorgt um seinen vermissten Mitbewohner.» Auf die Frage, ob er glaube, dass es sich bei der aufgefundenen Leiche um seinen Mitbewohner handeln könnte, «gab er an, nicht zu wissen, wo Emmanuel ist und was los ist. Es schien so, als würde er nicht ganz verstehen, worum es geht.»
Später sei ein anderer Bewohner der Asylunterkunft herausgekommen. Faustin (36), ein Freund des damals Vermissten. Er hatte am frühen Sonntagmorgen den Sack mit dem abgetrennten Bein gefunden. Reporterin Frautschi: «Als er auf Französisch sagte, dass er glaube, dass Emmanuel der Tote ist, stand Zimmernachbar Alif T. daneben und brach in Tränen aus.» Er habe geschockt reagiert und immer wieder gesagt: «Was? Emmanuel ist tot?» Er habe ziemlich mitgenommen gewirkt.
Alif T. soll nur gut über das Opfer gesprochen haben
Faustin habe weiter gesagt, dass es sich beim gefundenen Leichenteil um das ganze Bein gehandelt habe und dass es sauber abgetrennt war. Frautschi: «Der mittlerweile Verhaftete stand währenddessen teilnahmslos daneben.» Alif T. habe blaue Jeans getragen, Flip-Flops und ein Tanktop, trotz der Kälte. Er sei dann kurz in die Asylunterkunft gegangen, um sich etwas wärmer anzuziehen.
«Er trug nun ein kariertes Langarmshirt und ein dunkles Gilet darüber», erinnert sich Frautschi. Und vor allem: «Die Journalisten vor Ort wunderten sich über die Aufschrift und das Logo, das links über der Brust sein Gilet zierte. Darauf stand auf Deutsch das Wort ‹Metzger›.»
Dreist auch: Alif T. ging extra noch in die Asylunterkunft, um den richtigen Namen des Verstorbenen auf einen Zettel zu schreiben und den Journalisten zu geben. Er sprach nur gut über Emmanuel T.
Alif T. sitzt nun in Haft
Ob der Tatverdächtige tatsächlich etwas mit einer Metzgerei zu tun hatte oder ob er das Gilet als Asylbewerber geschenkt bekommen hatte, ist unklar. Offen ist auch, ob ein allfälliges Tatwerkzeug gefunden wurde.
Die Staatsanwaltschaft sagt, dass «bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Hinweise auf ein politisch oder religiös motiviertes Tötungsdelikt» bestehen. Und: «Im Verlauf der Ermittlungen zeigte der Tatverdächtige psychische Auffälligkeiten. Ob und inwiefern diese im Zusammenhang mit der Tat stehen, ist Gegenstand weiterer Abklärungen.» Für den Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Später wurde die Asylunterkunft vorübergehend geräumt – für die Ermittler der Kantonspolizei Aargau und der Aargauer Staatsanwaltschaft. Sie haben Spuren gefunden, die Alif T. zum Tatverdächtigen machen.
* Namen geändert