Ex-SBB-Abteilungsleiter Ueli T. (53) aus dem Aargau zu seinem Betrug in Millionenhöhe
«Ja, ich bin geständig, es tut mir sehr leid»

Die Bundesanwaltschaft wirft Ueli T. (53) Betrug und Geldwäscherei vor. Der Ex-SBB-Mitarbeiter aus dem Aargau soll seit 2007 9 Millionen Franken veruntreut haben. Er wurde im November 2024 in Olten SO verhaftet. Jetzt konnte Blick mit ihm sprechen.
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Ueli T. möchte anonym bleiben – doch er spricht offen mit Blick.
Foto: Ralph Donghi

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Er steht daheim in einer Hausecke, hat die Kapuze seines blauen Pullis hochgezogen und hält seinen Kopf gesenkt. Ueli T.* (53) ist es richtig peinlich. Er möchte auf keinen Fall erkannt werden. Denn: Laut Recherchen von Blick ist der Aargauer der ehemalige SBB-Mitarbeiter, der 9 Millionen Franken abgezwackt haben soll! Die Bundesanwaltschaft führt eine Strafuntersuchung.

«Ja, ich bin geständig», sagt Ueli T. im Gespräch mit Blick. Und: «Es ist eine schlimme Sache. Es tut mir sehr leid. Wenn ich könnte, würde ich alles rückgängig machen. Aber leider, leider geht das nicht.»

30 Jahre lang für die SBB gearbeitet

Dann erzählt Ueli T., dass er 30 Jahre lang für die SBB gearbeitet habe. Doch dann passiert es: «Ich hatte einen finanziellen Engpass und deshalb so Sachen gemacht», sagt er. Warum er Geldsorgen hatte und was er genau tat, möchte er nicht erklären. Doch die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts schreibt in einem Beschluss vom letzten November, der letzten Mittwoch veröffentlicht wurde, dass die Delikte 2007 anfingen und bis zur Festnahme des Beschuldigten im November 2024 dauerten – ein Zeitraum von 17 Jahren.

An die Verhaftung erinnert sich Ueli T. gut. «Sie war am 20. November 2024, früh am Morgen», sagt er. Die Bundespolizei habe ihn vor einem SBB-Gebäude in Olten SO festgenommen. «Ein Teil der Mitarbeiter wird schon etwas gesehen haben. Es war auf einem Parkplatz. Mir wurden Handschellen angelegt.» Es sei für ihn «ein Schock» gewesen. «Man weiss gar nicht, was man machen soll.» Er spricht bei seiner damaligen Gefühlslage von «völlig überfahren, überfordert».

SBB zeigten ihn an

Ueli T. kam in U-Haft. Es fanden Hausdurchsuchungen statt, wie er sagt. Bargeld sei bei ihm «gar keines» sichergestellt worden. «Auf Bankkonten hatte es sicher noch etwas Geld», ergänzt er. Dass er allenfalls irgendwo noch viel Geld gebunkert habe, nennt er «wilde Spekulationen und Gerüchte». Es seien Leute, die ihm zusätzlich «schaden oder etwas Böses wollen». Er sei sowieso verraten worden, sagt Ueli T. Von wem, das möchte er nicht sagen.

Sicher ist: Die SBB hatten gut zwei Monate vor seiner Verhaftung eine Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft eingereicht. «Mir wurde am Tag der Verhaftung gekündigt», sagt Ueli T. Nach zwei Monaten hatte er «das meiste zugegeben», wie er sagt – und kam frei. «Ohne Auflagen.» Wie es nun mit ihm weitergeht, weiss er nicht. «Ich bin nicht vorbestraft», sagt er. Er habe keine Ahnung, was für eine Strafe ihn erwarte.

Schaden von rund 9 Millionen Franken

Doch es könnte eine längere Gefängnisstrafe auf Ueli T. zukommen. Denn: Der ehemalige SBB-Abteilungsleiter soll durch ungetreue Amtsführung und weitere Delikte einen Schaden von rund 9 Millionen Franken verursacht haben – auch das geht aus dem Beschluss des Bundesstrafgerichts hervor. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Betrug, Urkundenfälschung, Geldwäscherei und Widerhandlung gegen das Waffengesetz vor.

Seine Masche: Zusammen mit weiteren Personen und Firmen soll er für die Begleichung von Rechnungen gesorgt haben, für die nie eine Leistung erbracht wurde. Teilweise soll er die Rechnungen selbst erstellt haben, schreibt das Bundesstrafgericht. Im konkreten Beschluss wies die Kammer eine Beschwerde gegen die Beschlagnahme eines Privatfahrzeugs ab. Dieses soll mit Geldern bezahlt worden sein, die aus seinen deliktischen Machenschaften stammen.

Nicht alle halten noch zu ihm

Ueli T. möchte nicht über weitere, allenfalls involvierte Personen oder Firmen reden. Er sagt nur: «Es wurden keine weiteren Mitarbeiter der SBB verhaftet.» Für sie und seine Ex-Arbeitgeberin tut es ihm besonders leid. «Ich habe ein schlechtes Gefühl gegenüber den Leuten, mit denen ich zusammengearbeitet habe», sagt er. Er habe immer gerne dort gearbeitet und sei heute noch mit ehemaligen Arbeitskollegen in Kontakt. Auch seine Freunde würden weiter zu ihm stehen. «Sie sehen mich als Menschen.» Auch wenn er «einen völligen Blödsinn gemacht» habe.

Gebrochen habe dafür seine Frau mit ihm – und seine Kinder im Teenageralter. Ueli T. hält jedoch fest: «Es war nicht sie, die mich verraten hatte.»

* Name geändert 

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