«Die Gemeinde drohte mir, vor Gericht zu gehen»
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Werner Meier (88):«Die Gemeinde drohte mir, vor Gericht zu gehen»

Er malte ein Smiley aufs Amts-Formular, dann eskalierte es
Ei, ei, ei – dieses Hühnerhaus brachte Werner Meier (88) nur Ärger!

Werner Meier (88) wollte in Zeiningen AG ein kleines Hühnerparadies schaffen. Doch Bürokratie und ein Marder machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Jetzt schaut er im Blick-Gespräch trotz allem nach vorn.
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Werner Meier aus Zeiningen AG vor seinem Hühnerhaus hinter seiner Firma.
Foto: Ralph Donghi

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Werner Meier (88) streitet mit Zeiningen AG über sein Hühnerhäuschen
  • Gemeinde verhängt Busse von 500 Franken wegen fehlendem Baugesuch
  • Meiers 21 Hühner wurden alle durch Marderangriffe getötet
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Ralph DonghiReporter News

Das kleine Hühnerhäuschen hinter der Firma von Werner Meier (88) in Zeiningen AG ist vier Quadratmeter gross. Doch der Streit, der darüber zwischen ihm und der Gemeinde entfacht ist, geht auf keine Kuhhaut: «Das grenzt an einen Kindergarten, was hier abgeht», sagt er zu Blick.

Doch der Reihe nach. Werner Meier ist, seit er ein Bub ist, ein Tierfreund. Er wächst auf einem Hof auf und nach vielen Berufsstationen gründet er schliesslich 1973 eine eigene Firma für Heimtierbedarf mit heutigem Sitz in Zeiningen. Dort arbeitet er trotz seines hohen Alters noch jeden Tag. «Ich werde nie pensioniert sein», sagt er.

Einziger Nachbar habe nichts dagegen gehabt

2022 tut er sich den kleinen Stall zu. Hinter seinem riesigen Firmengebäude, da er ja tagsüber sowieso in der Bude ist. «Also habe ich dort meinen einzigen Nachbarn gefragt, ob er etwas dagegen habe. Er sagte nein.»

Daraufhin legt Meier sofort los. Er stellt das Häuschen hin, macht ein Gehege und kauft sich Hühner. «Das alles habe ich mir für zirka 2500 Franken geleistet», sagt er. Sein ganzer Stolz: die farbigen, deutschen Zwerghühner. Er sagt: «Nicht einmal Picasso hätte sie so schön malen können.»

Doch Meier macht einen entscheidenden Fehler: «Es hat sich ergeben, dass ich vergessen hatte, ein Baugesuch einzugeben.» Denn: Ab einer gewissen Baugrösse müssen alle Bürgerinnen und Bürger das Vorhaben bei der Gemeinde eingeben. Nur: Es geht «fast drei Jahre», bis jemand das Malheur von Meier bei der Gemeinde verrät.

«Ich dachte: Das gibt es doch nicht!»

«Der Amtsschimmel fing letztes Jahr an zu wiehern», sagt Meier. «Ich dachte: Das gibt es doch nicht! Mir lagen plötzlich vier Seiten vor.» Fürs Hühnerhäuschen habe er ausfüllen müssen, wie gross es ist, wie viele Wohnungen pro Etage es hat oder wie viele Parkplätze für Anwohner und Besucher es gibt. «Diese Angaben habe ich dann ein wenig verweigert, was dann Streit gab. Denn ich habe auch ein Smiley aufs Baugesuch gemacht, das nicht ein Einzelformular war, sondern eigentlich für Häuser bestimmt ist.»

Aber die Gemeinde bleibt cool. Sie gibt Meier nachträglich die Baubewilligung. Nur: «Ich musste dafür 500 Franken bezahlen», sagt der 88-Jährige. Dies habe er auch getan. Doch dem nicht genug: «Ich kriegte auch noch eine Busse von 500 Franken.» Diese wollte Meier zuerst nicht bezahlen. «Mir wurde schliesslich eine Betreibung angedroht und der Gemeindepräsident sagte, dass der Fall halt vor Gericht landen würde.»

Busse diese Woche bezahlt

Jetzt hat Meier genug gekämpft. «Ich habe die Busse diese Woche bezahlt», sagt er. 

Auf Anfrage von Blick sagt Gemeindepräsident Andreas Geiss: «Ich verstehe persönlich den Ärger von Herrn Meier absolut.» Doch leider sei es Herrn Meier passiert, dass bemerkt wurde, dass das benötigte Baugesuch für den erstellten Hühnerstall fehlt. «Den Regeln entsprechend ist für diese Baute ein Baugesuch nötig, und an die Regeln müssen wir uns alle gleichermassen halten», sagt Geiss. «Deshalb war die Gebühr fürs Baugesuch und die Busse unumgänglich.» Es herrsche diesbezüglich eine Gleichberechtigung in der Gemeinde «und die müssen wir als Behörde einhalten, um niemanden zu benachteiligen oder zu bevorzugen».

Für Meier gibt es also kein Happy End. Es kam sogar noch dicker für ihn: «Die 21 Hühner, die ich hatte, wurden inzwischen alle von einem Marder gerissen. Ich musste jedes Mal weinen, wenn ich ein Huhn weniger hatte.» Der Marder habe Löcher bis ins Gehege gegraben und sei dann so reingekommen. Die Löcher hat der Unternehmer derweil so dicht gemacht, dass er sich demnächst wieder neue Hühner kaufen will.

Schlussendlich nimmt Werner Meier den ganzen Knatsch trotz allem mit Humor, lässt sich aber einen weiteren Seitenhieb gegenüber der Gemeinde nicht entgehen: «Der Marder kommt übrigens zu Fuss und braucht keinen Parkplatz.»

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