«Das ist eine Sauerei!»
Krebs-Patient Benjamin H. (56) lag im Koma – die Swiss wollte trotzdem Geld

Benjamin H. (56) steht voll im Leben, liebt das Reisen. Bis ein Tumor ihn fast tötet. Eine geplante Reise nach Ägypten wird zum finanziellen Verhägnis: Trotz schwerer Krankheit weigert sich die Airline Swiss, den Flug zu erstatten.
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Benjamin H. musste letzten Herbst wegen eines Tumors am Darm notoperiert werden.
Foto: Helena Graf

Darum gehts

  • Benjamin H. kämpft gegen Krebs und finanzielle Streitigkeiten mit Swiss
  • Swiss verweigerte Rückerstattung, zeigt nun doch Kulanz nach Kritik
  • Flugtickets kosteten insgesamt 1345 Franken für drei Personen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Helena GrafReporterin

Benjamin H.* (56) sollte eigentlich am Strand liegen. Die Sonne auf der Haut spüren, dem Roten Meer lauschen. Winterferien in Ägypten. Stattdessen liegt H. im vierten Stock des Kantonsspitals Baden AG. Die zahlreichen Schläuche an seinem Körper verwickeln sich bei jeder Bewegung. Das Licht ist grell. Die Medikamente stark. «Ich fühle mich benommen und vergesse vieles», sagt der 56-Jährige.

Benjamin H. leidet an Krebs. Die Diagnose kam überraschend. Und durchkreuzte seine Ägypten-Pläne. Nun streitet er mit der Swiss um die Rückerstattung seines Flugs.

Koma nach OP

Die Reise hatte er Ende August 2025 gebucht. Wenige Wochen später spürt er erste Symptome. «Ich hatte Bauchkrämpfe und konnte nicht auf die Toilette», erinnert er sich.

Der Arzt schickt ihn in die Röhre. Auf den Bildern entdeckt er einen Tumor – faustgross. Benjamin H. beginnt mit der Chemotherapie. «Ich habe es erstaunlich gut überstanden», erzählt er. «So gut, dass ich dachte, ich könnte im Februar in die Ferien fliegen.»

Doch Ende Oktober bricht er zusammen. Sein Bruder ruft die Ambulanz. Die Mediziner müssen Benjamin H. zweimal reanimieren. Notoperation. Der Krebs hat sich durch den Darm gefressen. 30 Zentimeter Darmschlauch müssen die Ärzte entfernen. H. liegt im Koma. Überlebenschancen: sehr gering.

Streit mit der Swiss

«Ich hatte schreckliche Albträume», sagt er, «von Schiessereien und toten Kindern.» Seine Verwandten habe er gesehen, in weissen Gewändern. «Dann wachte ich auf.»

22 Tage war er im Koma gelegen. An die Zeit danach kann er sich kaum erinnern. Nur an die Rückenschmerzen. Die Krankheit bringt nicht nur körperliches Leid – sondern auch finanziellen Ärger.

Ende November erinnert sich H. an die geplante Ägypten-Reise. Er meldet sich beim Hotel und lässt die Buchung stornieren. «Das war kein Problem, da war ich froh», sagt er. Auch der Swiss schreibt er ein E-Mail, erklärt die Situation, schickt Bilder aus dem Spital und den Arztbericht.

Benjamin H. lag 22 Tage im Koma. Dieses Foto schickte er der Swiss.
Foto: zVg

Tagelang bleibt eine Antwort aus. Dann ein Mail vom Kundenservice: «Swiss bietet keine vollständigen Rückerstattungen aus medizinischen Gründen an. Es werden nur die Steuern für nicht genutzte Tickets zurückerstattet.»

«Das ist eine Sauerei!»

Benjamin H. erschrickt: «Ich dachte, bei einer derart schweren Erkrankung würde die Swiss ein bisschen Kulanz zeigen.» 1345 Franken hatten die Flugtickets für ihn, seine Freundin und deren Sohn gekostet. «Die Swiss hätte drei Monate Zeit gehabt, die Tickets an jemanden zu verkaufen, der sie effektiv nutzen kann!», sagt der 56-Jährige. 

Besonders ärgerlich: Als Benjamin H. die Reise buchte, hatte er noch eine Reiseversicherung. Doch diese lief ab, während er im Koma lag. «Ich weiss, das ist mein Fehler», so H. «Ich würde akzeptieren, wenn ich Umtriebskosten zahlen müsste. Aber den vollen Ticketpreis – das ist eine Sauerei!»

Gegenüber Blick teilt die Swiss mit, im Fall von Benjamin H. sei alles korrekt abgelaufen: «Die individuellen Beweggründe für eine Stornierung durch unsere Kunden haben keinen Einfluss auf die Erstattbarkeit eines Tickets.»

Swiss will Tickets doch noch erstatten

Bei der Buchung könnten Kunden zwischen verschiedenen Ticketoptionen wählen. Je nach Kategorie bekommt man bei einer Stornierung mehr oder weniger Geld zurück. «Wir zeigen die Möglichkeiten zur Erstattung ganz zuoberst und transparent auf», so die Swiss.

Nichtsdestotrotz will die Swiss die Tickets nun doch erstatten. «Sein Schicksalsschlag macht uns sehr betroffen, und wir wollen ihm in dieser schwierigen Zeit entgegenkommen», schreibt die Airline. Benjamin H. kann also aufatmen – wohl auch dank Blick.

Medizinisch bleibt die Situation anspruchsvoll: Benjamin H. soll bald in ein Pflegeheim verlegt werden, braucht Betreuung rund um die Uhr. Unter anderem wegen seines künstlichen Darmausgangs. Doch er hat Hoffnung: «Im April werde ich wieder operiert, und der Darm wird rekonstruiert.»

Danach muss er sich ins Leben zurückkämpfen. Mit etwas Glück und harter Arbeit kann er seinen Alltag wieder selbst bewältigen. Und vielleicht bald doch noch am Strand liegen, die Sonne auf der Haut spüren und dem Meer lauschen.

* Name geändert 

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