Aargauerin Emma G. (26) hatte schon drei Abtreibungen
«Ich bin nicht stolz darauf, würde es aber wieder tun»

Emma G. (26) spricht nach drei ungewollten Schwangerschaften offen über ihre Erfahrungen mit Abtreibungen. Sie fordert mehr Empathie für Frauen in ähnlichen Situation – und freut sich über eine politische Entwicklung, die Abbrüche vereinfachen soll.
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Die Aargauerin Emma G. hatte dreimal Pech beim Verhüten.
Foto: zVg

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Beim Verhüten hat Emma G.* (26) schon drei Mal Pech gehabt. Die Folge: ungewollte Schwangerschaften im Alter von 18, 20 und 24 Jahren.

Einmal vergisst sie die Pille für einen einzigen Tag, ein anderes Mal reisst das Kondom und ein weiteres Mal vertraut sie zu stark auf Kalender und Körpertemperatur.

Für die Aargauerin steht jeweils fest: Sie will das Kind nicht. Sie sagt: «Ich habe mich einfach noch nicht als Mama gesehen. Heute bin ich 26 und habe schon drei Abtreibungen hinter mir. Ich bin nicht stolz darauf, würde es rückblickend aber wieder tun!» Mit Blick hat sie über ihre Entscheidungen und ihre Gefühle gesprochen.

Pille vergessen

Bei der ersten ungewollten Schwangerschaft im Jahr 2018 sei sie «frische 18 Jahre alt» gewesen, so Emma G. «Ich hatte die Pille einen Tag vergessen und dachte mir so: Na ja, da passiert schon nichts.» Einen Tag vor Silvester 2018 erfährt sie dann, dass sie in der 5. Woche schwanger ist. Emma G.: «Es war ein Riesenschock! Vor allem, weil ich mich noch nicht als Mami gesehen habe.»

Sie informiert sich über Abtreibungen – nur: Im Netz warten zahlreiche Horrorgeschichten und viele Kommentare, die Scham und Schuldgefühle auslösen. «Deswegen konnte ich damals mit niemandem sprechen, fühlte mich dadurch auch sehr einsam», sagt Emma G. Den Weg zur Gynäkologin muss sie alleine gehen.

Kondom reisst

Ihre erste Abtreibung läuft medikamentös ab. Bereut habe sie diese nie, so Emma G. Auch nicht, als sie zwei Jahre später wieder schwanger ist – weil das Kondom reisst. Sie entscheidet sich erneut für eine Abtreibung. «Ich hatte da sogar noch die Pille danach genommen, aber da ich fast gleichzeitig meinen Eisprung hatte, hat diese nicht gewirkt.»

Dass sie zum zweiten Mal schwanger ist, erfährt sie hier erst in der achten Woche. Dieses Mal ist es zu spät, um erneut per Medikament abzutreiben – es folgt eine Ausschabung im Dämmerschlaf.

Die dritte Abtreibung

2024 wird Emma G. ein drittes Mal ungewollt schwanger. Die Aargauerin verhütet zu diesem Zeitpunkt auf natürliche Weise: Sie orientiert sich am Kalender und ihrer Basaltemperatur. «Diese Schwangerschaft war mit meinem aktuellen Partner», sagt Emma G. «Wir waren aber beide noch nicht für ein Kind bereit.» In der 6. Schwangerschaftswoche erfolgt die dritte Abtreibung – dieses Mal wieder medikamentös.

Emma G. erklärt: «Ich weiss, es ist viel. Es scheiterte aber nicht an der Dummheit, ich hatte einfach mit den Verhütungsmitteln Pech.» Die Abbrüche habe sie auch nie bereut. «Ich wusste ganz genau, was ich will und was nicht.»

«Werde als Mörderin betitelt»

Was Emma G. stattdessen zu schaffen macht: dass das Thema weiterhin so ein Tabu ist. Auch in den acht Jahren seit ihrer ersten Abtreibung habe sich kaum etwas an der Einstellung der Gesellschaft verändert. «Entscheiden sich Frauen für eine Abtreibung, sehen sie sich noch heute mit negativen Gefühlen, einer Vorverurteilung und kaum Empathie für ihre Situation konfrontiert», so die 26-Jährige. «Dabei kommen Abtreibungen jeden Tag vor.»

Was sie regelmässig erlebe: «Spreche ich offen über das Thema Abtreibungen und meine eigenen Erfahrungen, werde ich schnell als Mörderin betitelt», so Emma G. Das zeigen auch Kommentare auf ihren Social-Media-Kanälen, wo sie ihre Erlebnisse in mehreren Beiträgen schildert.

Emma G.s Wunsch: «Dass die Gesellschaft mehr Verständnis für die Situation einer betroffenen Frau oder für ihre Entscheidung zeigt.»

Krankenkassen zahlen

Eine positive Entwicklung für die 26-Jährige: dass die Krankenkassen die Kosten für Abtreibungen ab dem 1. Januar 2027 übernehmen. In der Schweiz liegen diese laut der Dachorganisation Sexuelle Gesundheit Schweiz zwischen 500 und 3000 Franken. Emma G.: «Ich musste alle drei Abtreibungen selbst bezahlen, zum Glück hatte ich das Geld.» Nur: «Nicht jede Frau hat diese Möglichkeit. Deshalb finde ich: Wenn eine Frau gerade kein Kind will, sollte es nicht am fehlenden Geld scheitern.»

Emma G. weiss, dass wohl kaum ein anderes Thema gesellschaftspolitisch so brisant ist wie Abtreibungen. Per Gesetz können Frauen in der Schweiz bis zur 12 Woche selbst über einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. Doch weiterhin prallen hier gegenläufige Überzeugungen aufeinander. Die Diskussion dreht sich um den Schutz des ungeborenen Lebens und die Selbstbestimmung der Frau. Für Emma G. steht die Gewichtung dabei fest: «Mein Körper, meine Entscheidung.»

* Name geändert 

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