Abtreibung wegen Down-Syndrom
US-Influencer kassiert Shitstorm – «Es war schockierend»

Der US-amerikanische Youtuber und Influencer Jesse Ridgway und seine Frau Ashley erleben derzeit die Hasswelle im Netz. Das Paar entschied sich, eine Schwangerschaft nach einer Down-Syndrom-Diagnose abzubrechen.
Kommentieren
1/5
Voller Freude berichtete das Paar von der Schwangerschaft.
Foto: Instagram

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Jesse Ridgway bricht Schwangerschaft nach Down-Syndrom-Diagnose ab, Netz reagiert heftig
  • Über 17 Millionen Aufrufe und 15'000 Kommentare auf X, teils Hass
  • 67 Prozent der Frauen in USA brechen Schwangerschaft bei Diagnose ab
RMS_Portrait_AUTOR_519.JPG
Johannes HilligRedaktor News

Jesse Ridgway erreicht auf Youtube über 4,3 Millionen Abonnenten. Ende Mai liess er die Kamera laufen, als er und Ehefrau Ashley die Ergebnisse einer Fruchtwasseruntersuchung erhielten. Die Schock-Diagnose: Ihr ungeborenes Baby hat Trisomie 21 – das Down-Syndrom.

Am 1. Juni folgte der medizinische Eingriff. Zwei Tage später machte der Youtuber den Schwangerschaftsabbruch öffentlich. «Es war eine extrem traumatische Erfahrung für uns beide, besonders für Ashley», erklärte Ridgway auf Instagram und X. 

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

«Du hast ein Baby getötet»

Nach der Veröffentlichung explodierte das Netz. Neben Zuspruch schlug dem Paar eine brutale Flut an Beschimpfungen und Drohungen entgegen. «Du bist ein Monster», lautet ein Kommentar. Jemand anderes schreibt: «Du hast ein Baby getötet, ein gesundes Baby, für deine Bequemlichkeit.»

Das sind noch die eher harmlosen Kommentare. Allein den Post auf X haben inzwischen über 17 Millionen Aufrufe und fast 15'000 Kommentare.

Gezielte Förderung und Unterstützung

«Es war schockierend, wie viel Hass uns entgegengeschlagen ist», sagt Ridgway der «Los Angeles Times».

Der Youtuber wehrt sich gegen die Angriffe und listet die harten medizinischen Fakten auf. Viele betroffene Kinder leiden unter schweren Herzfehlern, Seh- und Hörproblemen oder einem schwachen Immunsystem. Ridgway stellt klar: «Das Down-Syndrom ist aus gesundheitlicher Sicht objektiv betrachtet extrem schwierig.»

Die Schweizer Stiftung MyHandicap betont, dass Menschen mit Down-Syndrom heute selbstbestimmter denn je leben können – dank gezielter Förderung und Unterstützung. Frühförderung, Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie helfen, motorische Fähigkeiten und Kommunikation zu stärken. 

«Hoffen, dass unser offener Umgang Mut macht»

Dass ihr Fall für so viel Wirbel sorgt, liegt für den Web-Star auf der Hand: Es sei ein absolutes Tabu. «Das passiert jeden Tag, und trotzdem wird nicht darüber gesprochen.» Trotz des heftigen Gegenwinds bereut er den Schritt an die Öffentlichkeit nicht: «Wir hoffen, dass unser offener Umgang anderen Paaren Mut macht, über solch schwierige Entscheidungen zu sprechen – ohne Scham.»

Das Paar ist mit dieser schweren Entscheidung nicht allein. In den USA brechen rund 67 Prozent der Frauen nach einer Down-Syndrom-Diagnose die Schwangerschaft ab.

Auch in der Schweiz steigen insgesamt die Zahlen der Schwangerschaftsabbrüche. 2024 gab es 12’434 Schwangerschaftsabbrüche, im Jahr davor waren es 12’208. Die Zahl steigt seit 2017 an, damals lag sie bei 10’037. Das Bevölkerungswachstum ist nicht der Haupttreiber. Das zeigt die Schwangerschaftsabbruch-Rate. 2024 kamen auf 1000 Frauen im gebärfähigen Alter 7,3 Abbrüche, 2017 waren es 6,2. Die Zürcher Gynäkologin Choon-Kang Walther verriet vergangenes Jahr den Grund: Pillenmüdigkeit. «Viele Frauen wollen keine Hormone mehr einnehmen.»

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen