Opfer schildert Horror-Übergriff durch Ex-SVP-Politiker
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«Hätte sterben können»:Opfer schildert Horror-Übergriff durch Ex-SVP-Politiker

Missbrauchs-Skandal um Ex-Grossrat
Behörden verschanzen sich hinter Paragrafen – ein Schutzschild?

Der Fall Patrick F. (57) erschüttert. Der Aargauer Ex-SVP-Grossrat soll zwei Frauen und eine 15-Jährige wehrlos gemacht und vergewaltigt haben. Der Umgang der Aargauer Behörden mit den Opfern verursacht heftige Kritik. Blick fragte bei den verantwortlichen Stellen nach.
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Die Vorwürfe gegen den ehemaligen SVP-Grossrat des Kantons Aargau wiegen schwer. Er soll Frauen betäubt und vergewaltigt haben.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ex-Grossrat Patrick F. aus Untersiggenthal wegen Sexualverbrechen angeklagt.
  • 254 Videos dokumentieren mutmassliche Taten, darunter Vergewaltigungen und versuchte Morde.
  • Anklageerhebung dauerte fast drei Jahre, Behörden stehen in der Kritik.

Grauenhaftes Sexualverbrechen, heftige Reaktion: Der Fall um den Aargauer Ex-Grossrat Patrick F.* aus Untersiggenthal AG zieht grosse Kreise. Am Montag hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 57-Jährigen erhoben. Er soll seine Haushälterin Iwona L.*, deren damals minderjährige Tochter Paula L.* sowie eine weitere Frau mit K.o.-Tropfen wehrlos gemacht und anschliessend vergewaltigt haben. Dabei habe er Filme und Bilder erstellt, so die Staatsanwaltschaft. Neben mehrfacher Vergewaltigung, sexuellen Handlungen mit Kindern und Pornografie wirft die Behörde Patrick F. mehrfachen versuchten Mord vor. 

So widerlich der Fall, so emotional die Reaktionen. «Es ist beschämend für unser Land! Es ist beschämend für die Institutionen!», sagt SP-Nationalrätin Tamara Funiciello (36). Der Aargauer Mitte-Grossrat Harry Lütolf (56) sagt: «Wenn Kinder betroffen sind, koche ich innerlich, da brennen bei mir die Sicherungen durch.»

Dabei wird auch Kritik an den Aargauer Behörden laut: Als Iwona L. nach der Festnahme von Patrick F. im September 2023 den Fall der Gemeinde Untersiggenthal meldet, reagiert diese schnell. Aber die Gemeinde setzt den Fokus gemäss der Berichterstattung des «Tages-Anzeigers» nicht auf die Opferhilfe – sondern auf die Migrationsfrage. Der Gemeindeangestellte habe beim Aargauer Migrationsamt nachgefragt, ob die Aufenthaltsbewilligung von Iwona L. «überhaupt rechtmässig» sei. Und er erwähnt, dass Iwona L. Sozialhilfe beantrage. 

Schnelle Behörden

Das Migrationsamt beauftragt die Kantonspolizei, gegen Iwona L. wegen Täuschung der Behörden zu ermitteln, schreibt die Zeitung weiter. Später setzt das Migrationsamt der Haushälterin eine Ausreisefrist von 60 Tagen. Das Migrationsamt vermerkt, dass Iwona und Paula L. mutmasslich Opfer von Sexualstraftaten geworden seien. Aber: Um einen «schwerwiegenden persönlichen Härtefall» handle es sich trotz dieser Anschuldigungen nicht. 

Blick wollte von den Behörden wissen, ob hierbei richtig gehandelt wurde. Doch die Behörden blocken ab, verstecken sich hinter Reglementen und verweisen auf Datenschutz, Amtsgeheimnis und laufende Verfahren.

Das Departement Volkswirtschaft und Inneres erklärt: «Die Entscheide des Amtes für Migration vom September 2024 und Februar 2025 stützten sich auf den damaligen Kenntnisstand und wurden auf dieser Grundlage getroffen.» In der Zwischenzeit seien neue, für die Beurteilung relevante Erkenntnisse hinzugekommen. «Diese haben bereits vor der aktuellen Medienberichterstattung und im Rahmen des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens dazu geführt, dass das weitere Vorgehen innerhalb des Departements erneut überprüft und beurteilt wurde.»

Aargauer Innendirektor: «Vorwurf nehme ich ernst»

Allgemein sei es Pflicht der Gemeinden, gegenüber dem Aargauer Migrationsamt ausländische Sozialhilfebezüger zu melden, so das Departement weiter. Heisst: Der Untersiggenthaler Gemeindemitarbeiter habe nichts falsch gemacht, als er Iwona L. dem Migrationsamt meldete. 

Etwas gesprächiger zeigt sich das Departement gegenüber SRF – und zwar SP-Regierungsrat Dieter Egli (56/SP). Momentan habe er keinen Hinweis darauf, ob und was falsch gelaufen sei. «Den Vorwurf nehme ich aber ernst», sagt er. 

Auch Nachfragen bei der Opferhilfe, der Opferberatung und dem Departement Gesundheit und Soziales werden nicht inhaltlich beantwortet. Genauso wie bei der Gemeinde Untersiggenthal selbst: Man könne die Betroffenheit in der Öffentlichkeit sehr gut nachvollziehen – dürfe aber zu den Blick-Fragen nicht Stellung nehmen. 

Patrick F. lebte zurückgezogen

Und wie ist die Stimmung im Dorf selbst? Blick ist auch am Dienstag vor Ort. Die früheren Nachbarn von Patrick F. rätseln weiterhin, was genau passiert ist und wer das dritte Opfer ist. Mehrere Personen erwähnen, dass Patrick F. zurückgezogen gelebt habe. 

So bleiben weiterhin viele Fragen offen. Etwa, in welchem Verhältnis das dritte Missbrauchsopfer zu Patrick F. stand. Und wen der mutmassliche Täter noch gefilmt hat. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, auch unerlaubte Aufnahmen «von weiteren Personen in der unmittelbaren Umgebung seines Wohnorts» gemacht zu haben.

Klar ist inzwischen, dass die Staatsanwaltschaft ihre Anklage unter anderem auf 254 sichergestellte Videodateien stützt. Dies bestätigte die Staatsanwaltschaft gegenüber «20 Minuten». Mediensprecher Adrian Schuler sagt, dass es nach Angaben der Kantonspolizei keine Hinweise auf eine Weiterverbreitung des Video- und Bildmaterials gebe.

Aber: Wie Nau berichtet, ist der Beschuldigte auch selber auf diesen Aufnahmen zu sehen. «Das ist für uns wertvolles Bildmaterial, mit dem wir den beschuldigten Mann auch konfrontieren müssen», zitiert das Portal Mediensprecher Schuler. Genau diese Auswertungen und Konfrontationen hätten das Verfahren stark verzögert. Unter anderem deshalb habe es von der Verhaftung bis zur Anklageerhebung fast drei Jahre gedauert. 

Bis zu einem rechtskräftigen Entscheid gilt die Unschuldsvermutung.

* Namen bekannt 

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