Darum gehts
- Joserra Moreno (25) zog von Mallorca in die Schweiz, lebt in Zug
- Er kritisiert Mallorcas Verfall, schätzt jedoch die Schweiz für Ordnung
- Rund 2000 Schweizer Staatsbürger wohnen aktuell auf der Baleareninsel Mallorca
Viele Menschen in der Schweiz denken bei Mallorca an Sommer, Sonne und Badeferien. Ein kleines Paradies. Viele überlegen sich deshalb, auf die spanische Insel auszuwandern. Laut dem Schweizer Balearen Club, einem Verein für Auswanderer, leben aktuell rund 2000 Schweizer Staatsbürger auf Mallorca.
Joserra Morenos (25) Lebensreise verlief bisher jedoch genau andersrum. Der 25-jährige Fitnesstrainer ist auf der spanischen Ferieninsel geboren und aufgewachsen. Bis vor vier Jahren hat er mit Familie und Freunden in der kleinen Stadt Inca nordöstlich der Hauptstadt Palma gelebt. Dann ist er gegangen. Zuerst zog Joserra nach Deutschland und wanderte schliesslich in die Schweiz aus. Heute lebt er im Kanton Zug.
«Auf Mallorca habe ich keine Möglichkeiten»
Der Wegzug fiel dem 25-Jährigen nicht leicht. «Im ersten Moment habe ich mich dem Schmerz gegenüber verschlossen», sagt er zu Blick. «In den ersten Monaten hat es dann aber wehgetan. Ich habe viele Menschen vermisst.» Trotzdem bereut er seine Entscheidung nicht.
«Ich war nie gut in der Schule, aber ich hatte immer Ambitionen für meine Zukunft und will mir selbst etwas aufbauen. Für Menschen wie mich gibt es auf Mallorca und in Spanien generell fast keine Möglichkeiten für ein erfolgreiches Leben», erklärt Joserra.
Auch auf seinem Instagram-Profil erzählt der Spanier seinen fast 9000 Followern schon vom Niedergang seiner Heimatinsel. «Ich habe mich auf Mallorca nie unsicher gefühlt, aber jetzt, wenn ich abends in meiner Stadt ausgehe, habe ich ein ganz anderes Gefühl», schrieb er in einem Post. «Ich sehe hier nur noch unglaublichen Verfall.»
Sinn für Ordnung und direkte Demokratie
Im Kanton Zug ist der Spanier viel beschäftigt. Er arbeitet in verschiedenen Teilzeitjobs, ist Fitnesstrainer und teilt sein Leben in den sozialen Medien.
Joserra gefällt seine neue Heimat gut. «Ich habe mich sofort akzeptiert gefühlt. Es ist hier sehr international.» Im Kanton Zug habe es viele Touristen, und es würden viele verschiedene Sprachen gesprochen. «Mal hörst du Deutsch, dann Englisch und dann eine Sprache, die du gar nicht kennst. Das erinnert mich an Mallorca und macht mich glücklich.»
Dem Spanier gefallen die Ordnung und die direkte Demokratie an der Schweiz am besten. «In Spanien war ich immer frustriert, dass wir politisch nur wenig mitentscheiden können.» Ein Motivationsgrund für Joserra, sich in Zukunft einbürgern zu lassen.
«Ihr seid in einer sehr guten Position»
Es gibt aber auch einige spezifische Dinge, die Joserra frustrieren. «Ich verstehe nicht, warum man immer und für jeden einzelnen Parkplatz bezahlen muss. Das nervt mich ein wenig.» Auch gibt es in der Schweiz zu viel Bürokratie für seinen Geschmack.
«Sonst funktioniert hier aber fast alles besser als in Spanien.» Joserra ist der Meinung, viele Menschen in der Schweiz wüssten gar nicht, wie gut sie es haben. «Viele Schweizer regen sich zum Beispiel über die Sicherheit oder die Steuern auf. Ich sage ihnen dann immer: Vergleicht euch mit euren Nachbarn, und ihr merkt, dass ihr in einer sehr guten Position seid.»