Darum gehts
- Domina Lady Lara (34) aus Zürich liebt ihren ungewöhnlichen Beruf
- Kunden sind vornehmlich Männer, doch es gibt auch Frauen
- Ein Kunde zahlte ihr 12'000 Franken für ein Gespräch über Fantasien
An der Wand hängen Peitschen und Mundknebel, in der Ecke steht ein Käfig. Der Arbeitsort von Lady Lara (34) ist dunkel, alles ist schwarz oder knallig rot. Die vierfache Single-Mutter arbeitet seit vier Jahren als Domina im Raum Zürich. «Ich bin gerne gemein. Das macht mir am meisten Spass daran», sagt sie zu Blick.
Als Domina hat sie keine intime Beziehung mit ihren Kunden. «Ich bin auch nicht nackt», betont sie. «Es geht um Fantasien im Kopf, die sie mit mir ausleben wollen.»
Wer sind die Kunden
Ihre Kunden seien vorwiegend junge Männer im Alter zwischen 18 und 26 Jahren. Nur rund 10 Prozent seien ältere Männer oder Frauen. «Die Wünsche der weiblichen Kundschaft sind extrem. Sie wollen Schmerzen und geschlagen werden», erzählt sie.
Sie habe es auch mit bekannten und sehr wohlhabenden Personen zu tun. Darunter: Politiker, Anwälte und Polizisten. Die Mehrheit ihrer Kundschaft sei vergeben oder verheiratet. Die meisten kämen deshalb heimlich zu ihr. «Von 1000 Partnerinnen weiss nur eine Bescheid», erzählt Lara.
Die beliebtesten Fetische
Die Fantasien der männlichen Kundschaft sind vielfältig: «Es gibt nichts, was es nicht gibt.» Neben dem klassischen Rollenspiel zwischen ihr als Herrin und ihren Kunden als Sklaven sei «alles, was mit anal zu tun hat» beliebt. Der «Sissy-Fetisch», bei dem Männer in Frauenrollen schlüpfen, sei ebenfalls sehr verbreitet: «Die Männer verkleiden sich dabei als Frau.»
Auch vor einvernehmlichen Körperverletzungen schreckt die Domina nicht zurück. Nur so viel dazu: Es geht um Messerschnitte und um teils unangenehme bis schmerzhafte medizinische Eingriffe. Das nötige Wissen habe sie von einer Person aus dem medizinischen Bereich.
Zu einigen Sklaven hat sie eine engere Verbindung. «Manche fahren mich heim, andere putzen mein Zuhause oder gehen für mich einkaufen», sagt sie. Das gehe aber nur, wenn sie jemanden besser kenne.
«Ich werde angehimmelt»
Der Job gefalle ihr gut: «Als Domina bist du immer der Boss.» Sie entscheide selbst, wann sie arbeiten möchte. Dazu kommt: «Ich werde angehimmelt. Es ist das beste Gefühl überhaupt, wenn einem jeder zu Füssen liegt.» Sie sei dadurch selbstbewusster geworden.
Privat sei sie eher schüchtern. Trotzdem macht sie aus ihrem Beruf kein Geheimnis. Ihre älteren beiden Kinder, das älteste ist sechzehn, wissen über ihren Job Bescheid. Auch deren Schulfreunde wüssten davon. Probleme für ihre Kinder gebe es deshalb nicht. Im Gegenteil: Einige Schulfreunde würden sie laut eigenen Angaben bewundern.
Ob an ihrem Wohnort in der Ostschweiz weitere Leute über ihre Tätigkeit Bescheid wissen, weiss die Herrin nicht. «Ich wurde bisher noch nie darauf angesprochen», sagt Lady Lara. Ein Problem hätte sie damit nicht, denn der Job sei nichts Schlimmes. «Das Problem daran ist die Gesellschaft», sagt Lara und betont: «Frauen in diesem Business haben viel mehr Respekt verdient, für das, was sie machen.»
Sie fühle sich nur in dieser Branche so richtig glücklich. Bevor sie selbst zur Domina wurde, führte sie jahrelang Erotik-Studios und macht das auch heute noch nebenbei.
«Das Erotik-Business faszinierte mich bereits als Kind», sagt sie. Über Freunde der Familie kam sie früh mit der Branche in Kontakt. Die Highheels und Plateau-Stiefel der Erotik-Arbeiterinnen beeindruckten sie besonders: «Ich wollte auch immer solche Schuhe anziehen.»
«Ich dachte, er bringt mich um»
Um sich zu schützen, höre sie auf ihr Bauchgefühl und nehme keine Kunden an, die bei einer Kontaktaufnahme komisch auf sie wirken. Auch Hausbesuche mache sie selten.
Bisher habe sie sich nur einmal unwohl gefühlt. Ein Kunde besuchte sie in ihrem privaten Studio. Nachdem sie ihn gefesselt hatte, sei die Stimmung plötzlich gekippt. «Er schaute mich mit einem hasserfüllten Blick an. Ich dachte, er bringt mich um.»
Als sie etwas holen wollte, befreite er sich aus einer Fessel und wollte die Session abbrechen. Um sich notfalls verteidigen zu können, habe sie ein Messer geholt, dieses in der Hosentasche versteckt und den Mann nicht mehr aus den Augen gelassen. «Zum Glück ist alles gut ausgegangen», erinnert sie sich.
12'000 Franken für ein Treffen
Als Domina verdiene sie gutes Geld. Die bisher höchste Summe erhielt sie von einem Kunden, mit dem sie sich in einem Fast-Food-Restaurant über seine Fantasien unterhielt. «Beim ersten Mal zahlte er 600 Franken. Beim zweiten Treffen drückte er mir 12'000 Franken bar in die Hand», so Lara.
Erstaunt habe sie das nicht: «Immer wenn du denkst, du hast alles gesehen, kommt jemand und beweist dir das Gegenteil.»