Darum gehts
- Der Zoo Zürich gibt bis 2030 alle nicht gefährdeten Tiere ab, vier Kamelstuten zogen in den Thurgau
- Auf dem Kamelhof Olmerswil leben die Stuten in einer 13-köpfigen Herde, Besuche bleiben möglich
- Das frühere Kamelgehege soll nach der Renovation Goldtakine aufnehmen, eine bedrohte Art aus China
Vier Kameldamen zogen am vergangenen Freitag aus dem Zoo Zürich aus. Nun erkunden sie in ihrem typischen Passgang das Gelände des Kamelhofs Olmerswil im Thurgau. Der Betrieb pflegte schon in den vergangenen Jahren eine enge Zusammenarbeit mit dem Zoo Zürich. Die Inhaber Ullrich Runge (52) und Karin Stiffler (53) freuen sich über den Zuwachs der nun 13-köpfigen Kamelherde. Ullrich Runge spricht mit Blick darüber, was die Tiere in ihrem neuen Zuhause erwartet.
«Wir haben eine sehr grosszügige Haltung in einer dynamischen Herde», sagt Runge. Die Tiere gehen auch in Olmerswil weiterhin auf Spaziergänge, tragen Reiter auf ihrem Rücken und treffen regelmässig Besucher. Auch am Sechseläuten in der Stadt Zürich werden sie voraussichtlich wie gewohnt bei der Zunft Kämbel dabei sein. «Im Grunde genommen haben sie jetzt einfach eine grössere Herde und leben zudem neu mit einem Kamelhengst zusammen.»
Bisher läuft es sehr harmonisch ab
Das könnte in Zukunft auch für Nachwuchs sorgen. «Wir sind kein Zuchtbetrieb, aber lassen der Natur ihren Lauf», betont Runge jedoch: «Kamele sind sehr intelligente Tiere, ihr Hormonspiegel ist nicht allein entscheidend für die Paarung.» Stattdessen seien Kamele auch im Herdenalltag sehr soziale Wesen. «Untereinander haben sie enge Freundschaften, aber können auch Antipathien hegen», gibt der Experte an. Auch deshalb sei es erfreulich, dass die vier Kamelstuten weiterhin zusammenbleiben können.
Eine feste Rangordnung, die durch Neuankömmlinge auf den Kopf gestellt wird, gebe es in Kamelherden kaum. «Wir beobachten die Kamele seit ihrer Ankunft und bisher läuft es sehr harmonisch ab», freut sich Runge. Bereits am zweiten Tag konnte ein Zaun, der die vier Kamelstuten bei ihrer Ankunft vom Rest der Herde trennte, entfernt werden. «Man merkt natürlich noch, dass die Tiere etwas fremd sind, aber der Austausch unter den Kamelen ist freundlich.» Zudem gebe es einige Herdenmitglieder, die versuchen würden, die neuen Kamele zu beeindrucken.
Gefährdetes Tier aus China soll in Zoo Zürich einziehen
Der Grund für den Wegzug der Kamele liegt in einer langfristigen Spezialisierung des Zoos Zürich: Bis zum Jahr 2030 sollen dort nur noch bedrohte und für die Forschung wichtige Tiere gehalten werden. Neben den Kamelen werden auch andere Publikumslieblinge wie die Königspinguine und Seehunde den Zoo verlassen. Wie der Zoodirektor Severin Dressen im Gespräch mit der «Schweizer Illustrierten» erklärte, soll damit ein grösstmöglicher Beitrag zum Artenschutz geleistet werden.
Auch das ehemalige Kamelgehege soll nach einer Renovierung von einer bedrohten Art bezogen werden. Wie Dressen gegenüber dem «Regionaljournal Zürich-Schaffhausen» von Radio SRF angab, soll dort künftig der Goldtakin leben. Dabei handelt es sich um einen Hornträger mit auffällig goldenem Fell, der im Aussehen einem Elch oder Bison ähnelt. Der Gebirgsbewohner steht in seiner Heimat China unter strengem staatlichem Schutz.