Wer bei Insekten an kleine Krabbler denkt, dürfte bei diesem Tier zweimal hinschauen. Die Wetapunga, auch Riesenweta genannt, kann so schwer werden wie eine Maus. Auf Neuseelands Festland war sie praktisch verschwunden. Nach jahrelanger Zucht und gezielten Umsiedlungen gibt es nun Grund zur Hoffnung.
Ein Insekt mit aussergewöhnlichen Ausmassen
Die Wetapunga gehört zu den grössten und schwersten Insekten der Welt. Weibchen können eine Körperlänge von bis zu zehn Zentimetern erreichen. Rechnet man die Beine dazu, beträgt die Spannweite bis zu 20 Zentimeter. Ihr Gewicht kann jenem einer kleinen Maus entsprechen.
Doch die beeindruckende Grösse wurde der Art zum Verhängnis. Eingeschleppte Fressfeinde und der Verlust ihres Lebensraums setzten den Tieren zu. Auf dem neuseeländischen Festland galt die Wetapunga deshalb als praktisch ausgestorben. Überleben konnte sie vor allem an Orten, an denen sie vor solchen Bedrohungen geschützt war.
11'000 Riesenwetas in die Freiheit entlassen
Um die Art zu retten, arbeiteten das Wildtierzentrum Butterfly Creek und der Auckland Zoo während 15 Jahren an einem Zuchtprogramm. Tausende Tiere wurden aufgezogen und anschliessend an geeignete Orte gebracht.
Insgesamt gelangten nach Angaben des neuseeländischen Department of Conservation 11'000 Wetapunga im Rahmen von 45 Umsiedlungsaktionen an zehn Standorte. Dazu gehörten Inseln im Hauraki Gulf, auf denen die Insekten vor ihren natürlichen Feinden geschützt sind, sowie eingezäunte Schutzgebiete auf dem Festland.
Auch die Aufzucht stellte besondere Anforderungen. Die Jungtiere erhielten frisches Laub und Fischflocken als zusätzliche Proteinquelle. Gerade in den ersten Entwicklungsstadien ist eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen wichtig.
Vier Generationen leben bereits in Freiheit
Der Aufwand scheint sich auszuzahlen: Auf zwei Inseln im Hauraki Gulf haben sich selbsttragende Populationen entwickelt. Dort leben bereits vier Generationen der Riesenweta in freier Wildbahn.
Auch die Einstufung der Art macht Hoffnung. Laut den vorliegenden Berichten verbesserte sich ihr Schutzstatus von «national gefährdet» zu «national zunehmend». Das bedeutet allerdings nicht, dass die Art bereits ausser Gefahr ist. Entscheidend bleibt, dass die Bestände langfristig überleben und sich weiter vermehren.
Der Erfolg soll weiteren bedrohten Insekten helfen
Die Erfahrungen aus dem Wetapunga-Projekt könnten auch anderen bedrohten Arten zugutekommen. Das Wissen über Zucht, Aufzucht und Wiederansiedlung fliesst bereits in weitere Schutzprojekte ein.
Dazu gehört ein Zuchtprogramm für die Mahoenui-Riesenweta, eine weitere bedrohte Insektenart Neuseelands:
Die Rückkehr der Wetapunga zeigt damit, dass Artenschutz auch bei Tieren gelingen kann, die vielen Menschen kaum bekannt sind.
Für das Rieseninsekt ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Doch nach Jahren intensiver Arbeit gibt es wieder Anlass zur Hoffnung: Aus einem Tier, das auf dem Festland beinahe verschwunden war, könnte erneut ein fester Bestandteil der neuseeländischen Natur werden.