Darum gehts
- Eine Kaltfront zieht am Freitag mit Böen und Gewittern über die Schweiz
- Hagel sorgt von Basel über Solothurn bis Winterthur für Zerstörung
- Eiskörner verletzten Dutzende Kinder – teils im Spital
Bereits 85 Swiss-Flüge gestrichen
Aufgrund der heftigen Unter musste die Swiss am Freitag bis zum späten Nachmittag insgesamt 85 Flüge ab respektive nach Zürich streichen. Das teilt die Airline am Abend mit. «Zahlreiche weitere Flüge verzeichnen Verspätungen von bis zu drei Stunden, in einzelnen Fällen auch darüber hinaus», heisst es weiter. Gemäss Swiss sind 11’200 Passagiere von den Einschränkungen betroffen.
Entwarnung gibts unterdessen nicht. «Weitere Flugannullierungen im Verlauf des Abends können wir derzeit nicht ausschliessen», so die Airline weiter.
Die Gewitter würden die Zahl der möglichen Starts und Landungen teilweise stark einschränken. «Hinzu kommen deutlich längere Rollzeiten am Flughafen sowie wetterbedingte Einschränkungen im Schweizer Luftraum und in angrenzenden Lufträumen, darunter Deutschland und Frankreich.»
Zahlreiche Autos von Hagel zertrümmert
Vielerorts in der Schweiz hat der Hagelschlag enorme Schäden angerichtet. Auch Autobesitzer mussten durch die enorme Kraft und Masse der Hagelkörner leiden. Komplett zertrümmerte Heck- und Frontscheiben, zersplitterte Scheinwerfer oder Rücklichter oder komplett eingedellte Karosserien. Gegenüber Blick haben Autofahrer ihre Unwetterodyssee geteilt.
Treppe kollidiert mit Helvetic-Flugzeug
Am Flughafen Zürich haben die Unwetter am Freitag für Chaos gesorgt. Zahlreiche Flüge mussten gestrichen werden.
Wie Blick weiss, wurde auch ein Flugzeug beschädigt. Betroffen ist eine Maschine von Helvetic Airways. «Aufgrund des starken Windes ist eine Treppe mit einem unserer Flugzeuge kollidiert, das sich bereits in Parkposition befunden hat», bestätigt Simon Benz, Mediensprecher von Helvetic Airways, gegenüber Blick.
Zum Zeitpunkt des Vorfalls hätten sich keine Passagiere an Bord befunden. Auch seien keine Personen zu Schaden gekommen. «Die Maschine wird derzeit in unserer Maintenance untersucht und der Schaden schnellstmöglich behoben», so Benz weiter.
Seilpark Balmberg bis auf Weiteres geschlossen
Auch im Seilpark Balmberg nahe Günsberg SO hat das Unwetter seine Spuren hinterlassen. Eine Aufnahme des Seilparks zeigt, dass ein Baum samt Kletterplattform umgestürzt ist. Wie der Betreiber auf Instagram mitteilt, bleibt der Park vorerst geschlossen. Personen wurden glücklicherweise keine verletzt.
Störungen und Schäden an Axpo-Netzinfrastruktur
Das Energieunternehmen Axpo zieht am Freitagabend Bilanz zu den Unwetterschäden. «Infolge heftiger Gewitter mit Sturmböen und Hagel kam es heute im Versorgungsgebiet der Axpo zu mehreren Störungen und Schäden an der Netzinfrastruktur», heisst es hierzu in der Medienmitteilung. Besonders betroffen: die Region Unteres Aaretal im Aargau.
So knickten Bei Birrfeld AG entlang der A1 acht Betonmasten infolge der Sturmböen ein. Einer der Masten beschädigte eine Tennishalle und ein weiterer ein Gewerbegebäude.
Bei Henggart ZH fiel zudem ein Baum in die Freileitung. Auch auf der Hochspannungsleitung zwischen Ebnat SH und Herblingen SH stürzte ein Baum in die Freileitung. Dies führte um 10.10 Uhr zu einem Versorgungsausfall von 20 Minuten, wie die Axpo mitteilt.
Weltuntergangsstimmung in Neerach ZH
Aufnahmen eines Leserreporters zeigen in Neerach ZH Weltuntergangsstimmung während der Gewitterfront. Hagel prasselt nur so vom Himmel herunter und wird durch den Wind in alle Richtungen geschleudert. Dazwischen kämpfen sich Autos verzweifelt durch die Unwetterfront.
In den Hagelmassen sind auch gar die Füsse des Blick-Lesers verschwunden.
Die Hagelkörner fielen dabei tischtennisballgross vom Himmel und haben auch die Heckscheibe und Rücklichter seines Autos zerlegt.
Dach in Laupersdorf SO von Hagel zerfetzt
Besonders hart hat der Hagel auch das Dach eines Mehrfamilienhauses in Laupersdorf SO getroffen, wie Aufnahmen eines Blick-Lesers zeigen. Dachziegel wurden komplett abgeräumt. Der Hagelschlag hat ein massives Loch in das Dach gerissen, Dämmmaterial hängt in Fetzen hervor.
Giacobbo zeigt «Ameise on the rocks»
Bekanntlich wohnt auch der Komiker Viktor Giacobbo (74) im Raum Winterthur, der vom Hagelsturm arg getroffen wurde. Auf X präsentiert er nun seine Sammlung Hagelkörner – «inkl. 1 Ameise on the rocks».
Versunkenes Auto in Niederweningen ZH
Die Unwetterfront hat im Verlauf des Tages auch enorme Regenmengen mitgebracht. In einer Unterführung bei Niederweningen ZH hat sich das Wasser besonders gestaut, wie Aufnahmen eines Blick-Lesers zeigen. Mitten in den Fluten: ein beinahe komplett versunkenes Fahrzeug.
Unwetter beschädigt Antonov AN-2 auf Flugplatz Birrfeld
Immer deutlicher werden die verheerenden Ausmasse der Gewitterfront. Auch der Flugplatz Birrfeld AG wurde von dem Unwetter überrollt. In einer Medienmitteilung schreibt die Starflight Association, dass mehrere Kleinflugzeuge, Hangars innen wie aussen sowie das bereits aufgebaute Open Air Argovia von Unwetterschäden betroffen seien. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.
Auch eine ganz besondere Maschine wurde schwer getroffen. «Die Antonov AN-2 der Starflight Association, der grösste Doppeldecker der Welt, wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Schäden sind so gravierend, dass das Flugzeug nicht wie geplant nach Kirchberg BE fliegen kann», heisst es in der Medienmitteilung.
Die Rundflüge am Flugfest Kirchberg vom 29. und 30. August müssen deshalb vorerst abgesagt werden. «Das schmerzt uns sehr – gerade jetzt, wo alles bereit gewesen wäre», sagt der Präsident der Starflight Association, Nio Heller. «Aber das Wichtigste ist: Es kam niemand zu Schaden. Flugzeuge kann man reparieren.»
Das Flugfest Kirchberg wird trotz der Widrigkeiten durchgeführt. Die Fallschirmspringer aus Grenchen kommen wie geplant nach Kirchberg und zeigen ihre Sprünge über dem Festgelände.
Der Sommer legt am Freitag eine kurze Pause ein: Eine Kaltfront zieht über die Schweiz und hat kräftige Böen, Schauer und lokal heftige Gewitter im Gepäck.
Am Freitagmorgen ruft Meteo Schweiz für die Region rund um Basel die Gewitter-Gefahrenstufe 4 aus. Auch für die Gebiete rund um den Bieler- und Neuenburgersee sowie für Teile des Kantons Waadt werden heftige Unwetter erwartet.
«In der Nacht auf Freitag erreicht der Föhn seinen Höhepunkt. Mit möglichen Böenspitzen von 80 bis zu lokalen 100 km/h gibt es in den Föhntälern ordentlich Bewegung», erklärte Meteorologe Klaus Marquardt von Meteo News am Donnerstag. «Im Flachland startet der Freitag mit Temperaturen knapp unter 20 Grad und vor allem im Westen mit vielen Wolken. Der Wind frischt spürbar auf.» Laut Marquardt liegen Windgeschwindigkeiten von 50 bis 80 km/h drin.
Der «Spuk» ist am Wochenende vorbei
Doch die Kaltfront bringt nicht nur Wind, sondern auch Regen mit sich. «Wir erwarten kräftige Regengüsse und lokal auch Gewitter», so Marquardt. Zunächst dürfte die Region Basel sowie Jura und die Südostschweiz betroffen sein. Gegen Nachmittag entleeren sich die Gewitterzellen dann auch in der Region Zürich, über der Zentralschweiz und schliesslich über der Ostschweiz. Die Temperaturen sinken deutlich und erreichen noch etwa 21 bis 22 Grad.
Pünktlich zum Wochenende beruhigt sich das Wetter, wobei laut Marquardt vor allem im Süden und in Graubünden am Anfang der Nacht aber noch mit weiteren kräftigen Regengüssen gerechnet werden muss.
Danach klart es auf, und es wird sonnig und warm. Am Samstag liegen die Temperaturen um die 25 Grad – am Sonntag erreichen sie sogar 27 Grad. «Da ist wirklich für jeden etwas dabei», sagt Marquardt.
So wird es nächste Woche
Zum Wochenstart wird es dann wieder ein wenig wechselhafter. Aus Westen schiebt sich ein Trog heran und bringt eine zunehmend feuchte und instabile Luftmasse mit sich. Heisst: Das Wetter wird wieder etwas unbeständiger. Neben sonnigen Abschnitten und Wolkenfeldern muss vor allem entlang der Alpen wieder mit ein paar Regengüssen und lokalen Gewittern gerechnet werden.
«Von Dauerregen sind wir aber weit entfernt», stellt Marquardt klar. Die Temperaturen bleiben angenehm warm und dürften gegen das nächste Wochenende sogar noch einmal auf bis zu 27 Grad steigen. Der Sommer ist also noch lange nicht vorbei.
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