Darum gehts
- Influencer Luca Liran postet Video ohne Helm auf Motorrad in Thailand
- Kritik wegen Baby ohne Schutz, Verkehrsunfallsrisiko in Thailand extrem hoch
- Content-Creator Tim Schulz kritisiert die Aktion, darauf folgt ein Shitstorm gegen Liran
Normalerweise postet Influencer Luca Liran (34) zusammen mit seiner Partnerin Sarah Wanka (29) Videos zur Persönlichkeits- und Bewusstseinsentwicklung. Aber auch das Leben in Thailand mit ihrem zehn Monate alten Sohn Lian ist öfter ein Thema auf den Instagram-Kanälen der beiden. Ein Post von Mitte Januar erhitzt jetzt die Gemüter.
Im Video ist Liran zusammen mit seiner Frau und dem Baby auf einem Roller zu sehen, wie sie langsam durch die Strassen Thailands tuckern. Brisant: Keiner der drei hat einen Helm auf. Das Baby wird von der Mutter in einer Trage gehalten. Dieser Anblick löste nun einen Shitstorm aus.
«Wieso tragt ihr eigentlich keinen Helm?», schreibt ein Nutzer. «Du und deine Frau könnt es natürlich selbst entscheiden, aber euer Kind kann es (noch) nicht.» Andere kritisieren, dass das Baby auf einem Roller mitgenommen wird. «Allein schon mit einem Baby in der Trage auf einem Roller zu sitzen, ist mehr als verantwortungslos, der fehlende Helm ist da ja nur die Kirsche auf der Torte», heisst es. Wiederum andere urteilen scharf: «Eltern, die ihren Kindern keinen Helm aufsetzen, sollten keine Kinder bekommen.»
«Einfach nur verantwortungslos»
Auch der deutsche Gesundheits-Content-Creator Tim Schulz (32) kritisierte das Video auf seinem Kanal «Timklaertauf», wo ihm rund eine halbe Million Menschen folgen: «Diese masslose Selbstüberschätzung ist wirklich unfassbar. Genauso gut könnte man auch einfach das Baby direkt ans Steuer lassen.»
Blick konnte gestern Montag mit ihm telefonieren. «Ich war schockiert und verwundert, als ich das Video gesehen habe», erklärt der Influencer.
Daraufhin habe er sich entschieden, selber ein Video dazu zu machen. Schulz wollte aufklären, warum diese Aktion verantwortungslos sei. «Schon kleine Erschütterungen können bei einem so jungen Menschen Schäden anrichten», sagt Schulz. Es sei kaum auszumalen, wie es bei einem Unfall ausgehen könnte.
Sarah Wanka schrieb zum Post, dass das Kind auf dem Roller sicher sei. «Hier in Thailand völlig normal. Weniger Verkehr, andere Kultur und weniger Angst.»
Das lässt Schulz hingegen nicht gelten, gerade weil in Thailand das Verkehrsunfallrisiko im weltweiten Vergleich extrem hoch sei. So ist Thailand in vielen Listen unter den zehn Ländern mit den meisten Verkehrstoten aufzufinden.
«Nicht das Sicherste, was man machen kann»
Blick konnte gestern Montag auch mit Luca Liran sprechen. Er sagt: «Wir fahren mit dem Roller vielleicht alle zwei Wochen einmal kurz für wenige Minuten runter zum Strand.» Die restliche Zeit sei die Familie mit einem Auto unterwegs.
Auf die Frage, wie er selbst die Aktion bewertet, antwortet Liran: «Da gibt es keine zwei Meinungen. Es sei sicher nicht das Sicherste, was man machen kann.» Doch: Er lasse sich ungern von anderen Leuten sagen, was richtig und was falsch sei.
Mit seiner Frau habe er bereits über einen Helm für das Baby geredet. «Ich sagte, wenn du dich sicher fühlst, brauchen wir keinen Helm.»
Welle von Hasskommentaren
Liran ärgert sich, weil er seit der Veröffentlichung des Videos von Schulz viele Hasskommentare erhalten hat. Die Nutzer seien von Schulz zwar nicht direkt aufgefordert worden, negative Kommentare zu schreiben, dennoch sei er der Katalysator für die Negativität gewesen. «Schulz macht das sehr clever. Er übersieht aber dabei, was das auslöst.»
Liran selbst könne gut damit umgehen. Aus seinem Beruf als Mentor und Coach wisse er jedoch, dass dies längst nicht allen so gehe. «Leute können durch solche Nachrichten depressiv werden und darunter leiden.»
«Zum Nachdenken anregen»
Schulz ist sich bewusst, dass sich Menschen durch seine Videos dazu hinreissen lassen, auch Hasskommentare an kritisierte Influencer zu schreiben. Dies sei «auf Social Media kaum zu verhindern», so Schulz. Er hetze aber niemanden auf, sondern wolle zum Nachdenken anregen. «Meine Community ist sehr vernünftig. Aber es gibt natürlich immer wieder Leute, die über die Stränge schlagen und dann etwas Persönliches schreiben.»
Schulz sieht es aber als Erfolg, dass Liran immerhin das Helm-Thema mit seiner Frau angesprochen hat. «Er scheint sich durch mein Video immerhin Gedanken darüber gemacht zu haben, wenn er mit seiner Frau darüber spricht.» Dies sei alles, was er mit seinem Video erreichen wollte.