VA Willi Fegble
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Willi Fegble über Hans Jucker:«Das begleitet dich ein Leben lang»

Skandal um ehemaligen TV-Star – auch Aargauer Ex-Gemeinderat Beat Gomes war sein Opfer
«Ich musste Hans Jucker befriedigen»

Nach dem Skandal um TV-Legende Hans Jucker bricht ein weiteres Opfer sein Schweigen. Auch Beat Gomes wurde von Jucker zu sexuellen Handlungen gezwungen. Die Vorfälle beschäftigen ihn noch heute.
Trotz einer Verurteilung gelang es ihm, im TV Karriere zu machen.
Foto: Oscar Alessio

Darum gehts

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Martin MeulReporter News

TV-Mann und Sprücheklopfer Hans Jucker (1946–2011) war nicht nur ein Fernsehstar. 1971 wurde er wegen sexueller Handlungen mit Jugendlichen zu acht Monaten bedingt verurteilt. Diese Verurteilung wurde Anfang der Woche bekannt.

Eines seiner Opfer war Willi Fegble (71). In einem Buch beschreibt dieser die Schandtaten des TV-Mannes. Zum Beispiel, wie er als 15-Jähriger von Jucker nach dem Sport unter der Dusche sexuell bedrängt wurde. «Jucker konnte ein- und ausgehen, wie er wollte. Er war ja auch Schiedsrichter bei uns im Sport und kam in die Duschen mit.»

Willi Fegble ist mit seinen Erfahrungen nicht allein. Beat Gomes (74) hat ebenfalls schlimme Erfahrungen mit TV-Star Jucker gemacht. Auch ihn traf es nach dem Fussballtraining.

Übergriffe im Auto

Beat Gomes kommt 1966 ins Landerziehungsheim Albisbrunn, das Heim, in dem auch Willi Fegble war. «Ich kann mich aber nicht an ihn erinnern, wir waren so viele Jungs dort damals», sagt Gomes.

Ähnlich sind aber seine Geschichten bezüglich der Übergriffe. Gomes spielt in Affoltern ZH Fussball. «Manchmal fuhr Hans Jucker mich nach dem Training zurück ins Heim. Eines Tages verlangte er dabei von mir, dass ich ihn befriedige», sagt Gomes.

In der Folge kam es immer wieder zu Übergriffen. «Jucker hielt auf einem Waldweg an, dann musste ich ihn oral oder mit der Hand befriedigen», so Gomes, der heute in Brasilien lebt.

Der spätere TV-Star sei dabei aber nie gewalttätig geworden. «Er hat mich einfach überredet», so der Pensionär. Und Jucker habe bezahlt. «Einmal gab er mir 20 Franken, damals ein Vermögen», sagt Gomes.

Kein Vertrauen

Auch als Beat Gomes das Heim verlässt, geht der Missbrauch weiter. Schliesslich ist er immer noch im Fussballklub. «Jeder dort wusste davon, aber alle haben weggeschaut.»

Als Beat Gomes Jahre später seiner Mutter von Juckers Taten berichtet, will diese nichts davon wissen. «Was redest du da? Der Jucker ist ein Anständiger», habe seine Mutter gesagt. «Es war der Zeitgeist, von sexuellen Übergriffen wollte man nichts wissen.»

Deshalb habe auch die Verurteilung den späteren TV-Mann nicht gestoppt. «Wir waren für ihn ja kaputte Menschen, ohnehin schon verdorben», sagt Gomes.

Auch der junge Beat Gomes, damals heisst er mit Nachnamen Alder, wehrt sich nicht; Anzeige erstattet er keine, er schweigt. «Ich war zuerst in einem anderen Heim, auch dort gab es Missbrauch und Gewalt. Eines Tages rissen wir zu fünft aus, gingen zur Staatsanwaltschaft in Winterthur. Doch statt uns zu helfen, fuhren sie uns wieder zurück ins Heim. Dort wurden wir dann hart bestraft», erinnert sich Gomes. Er fügt an: «Wer so etwas erlebt, der verliert jegliches Vertrauen.»

«Kann ihn immer noch riechen»

Der jahrelange Missbrauch hinterlässt tiefe Spuren. «Es hat Jahre gedauert, bis ich eine einigermassen normale Sexualität erleben konnte», so Gomes. Doch die Erfahrungen mit Jucker sind bis heute präsent. «Ich kann ihn immer noch riechen», sagt er.

Der Missbrauch hat auch noch andere Konsequenzen. Beat Gomes hat zeit seines Lebens Probleme, wird kriminell. «Ich war sehr gewalttätig, kam wegen eines Raubüberfalls ins Gefängnis.»

Dort allerdings macht er dann Matura, beginnt sein Trauma aufzuarbeiten. 1978 erscheint das Buch «Und dann lief ich weg ... Aufzeichnungen eines Strafentlassenen», in dem Gomes seinen Weg zurück in die Gesellschaft beschreibt. «Ich hatte Glück, viele andere Opfer sind an den Erlebnissen zerbrochen, haben Suizid begangen oder ihr Leben an die Drogen verloren», sagt Gomes.

Er selbst schafft den Einstieg in den Journalismus, schreibt viele Jahre auch für den Blick.

«Die Täter haben keine Ahnung»

Später macht Beat Gomes auch politisch von sich reden. 2018 tritt er sein Amt als parteiloser Gemeinderat in Mellingen AG an. Seine Amtszeit ist von heftigen politischen Turbulenzen, Ressortentzügen und Kontroversen im Ratskollegium geprägt. Im April 2025 kündigte er schliesslich aus gesundheitlichen Gründen seinen vorzeitigen Rücktritt per Ende Juni 2025 an, kurz danach wandert er nach Brasilien aus.

«Als ich noch Journalist war, habe ich Jucker ein, zwei Mal auf Sportveranstaltungen getroffen», sagt Gomes. «Er hat mir immer noch zugelächelt und ich habe nichts gesagt.» Nun breche er sein Schweigen, damit andere Opfer sich bestärkt sehen und das Thema aufgearbeitet werde. «Die Täter haben keine Ahnung, was sie uns angetan haben, und die Gesellschaft schaut immer noch zu oft weg!»

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