VA Willi Fegble
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Willi Fegble über Hans Jucker:«Das begleitet dich ein Leben lang»

Übergriffs-Opfer Willi Fegble (71) spricht über seinen Peiniger Hans Jucker
«Du Sauhund – ich hasse dich!»

TV-Legende Hans Jucker wurde 1971 wegen sexueller Handlungen mit Jugendlichen zu acht Monaten bedingt verurteilt. Auch das ehemalige Heimkind Willi Fegble ist eines der Opfer.
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Willi Fegble hat mit Blick über seinen Peiniger Hans Jucker gesprochen.
Foto: Sebastian Babic

Darum gehts

  • Willi Fegble (71) hat ein Buch über seine ersten 23 Lebensjahre geschrieben
  • Ein Kapitel hat es in sich: Fegble schreibt, wie ihn TV-Legende Hans Jucker sexuell bedrängte
  • Mit Blick hat 71-Jährige nun über seine Erlebnisse gesprochen

Willi Fegble (71) hat geschwiegen – jahrelang. Aus Angst, ihm als Heimkind würde sowieso niemand glauben. Und da war dann noch der Täter: eine nationale Legende, witzig. TV-Mann und Sprücheklopfer Hans Jucker (1946–2011).

Fegble kennt Jucker persönlich. Heute – rund 56 Jahre später – findet er gegenüber Blick klare Worte für den Mann, der Fegbles hartes Leben nur noch erschwerte: «Du Sauhund, du Kinderschänder – ich hasse dich.» Und: «Schäm dich!»

Unter der Dusche bedrängt

Fegble ist heute in der Nordwestschweiz wohnhaft. Er hat zusammen mit seiner Partnerin ein Buch über seine ersten 23 Lebensjahre geschrieben. Der Titel: «Ich bin ein Unfall». Am Montag empfängt der 71-Jährige Blick in Ennetbaden AG, am Sitz des Verlags Ars remata. Dieser hat Fegbles Buch herausgebracht. Die Themen: Wie es ist, als unehelicher Sohn einer geistig zurückgeblieben Mutter sowie eines alkoholabhängigen Vaters zu sein. Gewalt zu erleben – etwa durch die eigene Stiefmutter. Oder in Heimen aufzuwachsen. Hier begegnete er auch Jucker, der als Sohn des Heimkochs immer wieder zu Besuch kam.

Im Buch berichtet Fegble, wie er als 15-Jähriger von Jucker nach dem Sport unter der Dusche sexuell bedrängt worden ist. «Jucker konnte ein und ausgehen, wie er wollte. Er war ja auch Schiedsrichter bei uns im Sport und kam in die Duschen mit.»

Fakt ist: Jucker wurde 1971 wegen sexueller Handlungen mit Jugendlichen zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt, berichtet der «Tages-Anzeiger». Die Volljährigkeit erreichte man damals erst mit 20. Betroffen waren vier junge Erwachsene unter 20 Jahren sowie ein Junge unter dem Schutzalter von 16 Jahren. Jucker selbst war damals Mitte 20.

«Hohn für die Betroffenen»

Auf das Urteil gestossen ist Fegble jedoch, als er ab 2011 das Recht bekam, Einsicht in eigene Unterlagen zu erhalten. Fegble erklärt: «Wir haben das genutzt, haben alle Ämter angeschrieben, und wir waren in allen Heimen, in denen ich war.»

Das Kapitel «Jucker» habe er erst eingebaut, nachdem er das Urteil schwarz auf weiss hatte. «Sonst hätte jemand gesagt: Stimmt doch gar nicht. Jucker war unantastbar», so Fegble und führt aus: «Obwohl offenbar viele Bescheid wussten.»

Dass Jucker acht Monate bedingt kassierte, sei «ein Hohn für die Betroffenen» gewesen, so Fegble. «Wir litten lebenslang – und er erhielt eine bedingte Strafe. Da fragt man sich, wo die Gerechtigkeit bleibt.»

«Es begleitet dich ein Leben lang»

Laut Fegble ist sein Buch im Februar erschienen. Doch erst jetzt schafft es seine Geschichte in die Öffentlichkeit. «Ich hätte nicht gedacht, dass es jemals so eine Bombe gibt», sagt Fegble.

Das Buch sei aber für ihn kein Abschluss mit dem Thema Jucker. «Es gibt keinen Abschluss. Es begleitet dich ein Leben lang», sagt Fegble. «Es gibt Situationen, in denen man es super verdrängen kann – ich bin sowieso ein Weltmeister im Verdrängen.»

Manchmal habe er in der Zeitung Bilder von Jucker gesehen. «Meine Nackenhaare stellten sich auf, Tränen liefen», sagt Fegble. Auch heute noch verstehe er nicht, «wieso man ihn über die Jahre so hochgejubelt und glorifiziert hat».

Trotzdem wolle er nicht nur auf Jucker reduziert werden, so Fegble. «Ich bin kein Opfer von Jucker. Ich will es nicht sein, also bin ich es nicht.»

«Es ist die Wahrheit»

Die letzten Stunden – nach Bekanntwerden seiner Geschichte – seien für Fegble «aufwühlend, belastend, angstvoll und befreiend gleichzeitig» gewesen. Aber es sei in Ordnung, denn: «Jetzt ist es draussen. Es ist ja die Wahrheit, es ist nichts gelogen. Es ist, wie es ist.»

Was ihn enorm erleichterte, sei die Tatsache, dass er heute so etwas auch offiziell sagen könne: «Früher wäre das nicht möglich gewesen», ist sich der 71-Jährige sicher. «Im Heim hättest du noch einen an den Grind bekommen, wenn du so etwas behauptet hättest. Man wäre als Lügenbold und was auch immer bezeichnet worden.»

Aktuell sei es bloss anders, weil gerade alles «auf einen reinprassle», so Fegble. «Jetzt gilt es, dazu zu stehen – auch mit einer gewissen Genugtuung.»

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