Darum gehts
- Beim Chalandamarz in Ftan GR gab es einen Nazi-Kostüm-Skandal
- Jugendliche trugen Hakenkreuze und Hitler-Darstellungen vor Familien und Kindern
- Chalandamarz lockt jährlich Touristen an, rechtliche Folgen unklar
Am traditionsreichen Chalandamarz-Fest im Engadiner Ftan GR ist es zu einem skandalösen Auftritt gekommen. Laut einer anonymen Leserreporterin traten Mitglieder des örtlichen Jugendvereins während der Feierlichkeiten mit Masken und Symbolen auf, die an das nationalsozialistische Regime erinnerten – darunter Hakenkreuze, Uniformen und eine Hitler-Darstellung. Auch ein Donald-Trump-Kostüm und eine sogenannte ICE-Crew gehörten zum makabren Auftritt.
Die Leserreporterin zeigt sich «fassungslos» über das Geschehen und warnt vor der Verharmlosung des Nationalsozialismus: «Das hat mit Provokation oder Satire nichts mehr zu tun. Hier wird eine rote Linie überschritten», schreibt sie an Blick.
Kinder, Familien und Touristen nahmen teil
Besonders schockierend sei gewesen, dass die Jugendlichen ihre Kostüme «offen und ohne Scham» getragen hätten – mitten im Dorf, vor den Augen von Kindern und Familien. «Wenn solche Gestalten als Teil eines Volksfestes akzeptiert werden, läuft etwas grundsätzlich falsch», so die Leserreporterin weiter.
Der Chalandamarz, der jeweils am 1. März stattfindet, ist ein seit Jahrhunderten gefeierter Frühlingsbrauch. Er soll den Winter vertreiben und die Gemeinschaft stärken. Auch Touristen lockt das traditionelle Treiben jährlich an. Stattdessen könnte der Vorfall nun für Unmut im Dorf sorgen. Ob der Fall bereits strafrechtlich überprüft wird, ist nicht bekannt.
«Mittelmeer-Taxi» sorgte bereits für Aufsehen
Ein ähnlicher Vorfall sorgte erst Mitte Februar im Plaffeien FR für Aufsehen. Dort präsentierte eine Gruppe während des Fasnachtsumzugs ein selbstgebasteltes Flüchtlingsboot mit der Aufschrift «Mittelmeer-Taxi» und schwarzen Babypuppen. Begleitet wurde die Szene von verkleideten Personen in vermeintlich muslimischer Kleidung – inklusive dunkel bemalter Gesichter.
Laut mehreren Zuschauern waren auch Primarschulkinder unter den Zuschauern. Die Polizei untersucht, ob die Darstellung gegen die Anti-Rassismus-Strafnorm verstösst. Das Organisationskomitee der Fasnacht distanzierte sich von dem Sujet und erklärte, es sei im Vorfeld nicht bekannt gewesen.