Fünf Tote, 40 Verletzte – die Statistik zum Busunglück im Engadin vom Donnerstagabend ist erschütternd. Während viele Fragen nach wie vor offen sind, darunter der genaue Unfallhergang, stellen sich die niederländische Botschafterin Karin Mössenlechner und der CEO des niederländischen Reiseveranstalters, Arjan Koster (54), in Zernez GR den Medien.
«Ich wurde gestern gegen 17 Uhr über den Unfall informiert», erklärt Koster gegenüber Blick. Er sei im Auto unterwegs gewesen, als er über den «schrecklichen Unfall» informiert wurde. Sofort sei ein Krisenteam zusammengestellt worden, auch in Kooperation mit Eurocross.
«Hoffte, nie so ein Telefon zu bekommen»
«Das ist etwas, wo man sich nicht wünscht, dass es jemals passiert», so der Geschäftsleiter. Nach einer kurzen Nacht ist er am Freitag ebenfalls in die Schweiz geflogen – drei seiner Kollegen seien zuvor umgehend nach Graubünden gereist. «Das ist der schlimmste Albtraum, den man haben kann», betont Koster. «Jedes Busunternehmen hofft, dass so ein Telefon nie kommt. Unglücklicherweise bekam ich es gestern.»
Der Fahrer des verunfallten Busses, ein Chauffeur aus dem niederländischen Ort Montferland, sei ein- bis zweimal pro Monat im Engadin unterwegs. «Er ist ein sehr erfahrener Fahrer», erklärt Koster. «Er kennt die Gegend sehr gut.»
Fokus liegt auf Verletzten
Seit seiner Ankunft im Kanton habe er bereits ein Spital besucht, das Verletzte aufgenommen hat. Die Personen mit leichteren Verletzungen seien aber zu diesem Zeitpunkt bereits entlassen worden, weswegen er bisher auch noch mit keinen Betroffenen gesprochen hat. Eigentlich hat die Reisegruppe aus 49 Personen bestanden – vier davon haben den Ausflug in die Schweiz ausgelassen und sind in Österreich geblieben, wie Koster der Zeitung « De Telegraaf» bestätigt.
Auf die Frage, ob er sich Sorgen um möglicherweise negative Auswirkungen für das Image seines Unternehmens macht, erklärt Koster, er denke momentan nicht daran. «An das denke ich jetzt nicht. Das einzig Wichtige derzeit ist es, den Verletzten und jenen, die zurück in die Niederlande wollen, zu helfen.»
Allen Betroffenen spricht er sein Beileid aus. «Meine Gedanken sind bei den Familien, die jemanden verloren haben, den sie lieben.» Er selbst befinde sich derzeit in Unglauben – er müsse die Situation erst selbst verarbeiten.
«Es ist ein Schock für uns alle»
Auch die niederländische Botschafterin Mössenlechner erfuhr am Donnerstagabend von dem Unfall – auch sie hatte dann eine kurze Nacht. Sie hat sich bereits frühmorgens aus Bern auf den Weg ins Engadin gemacht. «Es ist ein Schock für uns alle. Es gibt sehr viel Mitgefühl und Beileidsbekundungen, auch in den Niederlanden.»
Als Botschafterin liege ihr Fokus derzeit darauf, möglichst viele Infos über die Verletzten und Opfer zu sammeln, um Angehörige kontaktieren zu können. Sie hat die Betroffenen auch in den verschiedenen Spitälern besucht. «Ich denke, es war sehr wichtig, dass wir vorbeigegangen sind, um mit ihnen zu sprechen und sie anzuhören.»
Auch die Unfallstelle besuchte sie – ein Moment, der ihr «Hühnerhaut» gegeben hat, wie sie betont. Den verunfallten Bus, der mittlerweile in Zernez steht, hat sie ebenfalls begutachtet. Zum Schluss dankt sie den Einsatzkräften und lobt die gute Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden. «Auch all die Betroffenen in den Spitälern haben mir gesagt, dass sie sehr beeindruckt waren von der Hilfe, die sie erhalten haben.»