Darum gehts
- KI-Antworten dominieren Gesundheitsfragen bei Google
- Von 465'000 Quellen sind nur 0,48 Prozent Fachjournale
- Schweizer nutzen KI eher zur Vorbereitung auf Hausarztbesuche
Kopfschmerzen? Internet. Bauchweh? Internet. Tränende Augen? Internet. Hat man ein gesundheitliches Leiden oder fällt einem am eigenen Körper etwas Ungewöhnliches auf, werden die Symptome in der Hoffnung auf Klärung schnell mal ins Smartphone getippt.
Besonders dank künstlicher Intelligenz (KI) erhält man binnen Sekunden Antwort und mehr oder weniger nützliche Tipps. Woher die Diagnosen und Einschätzungen kommen und wie verlässlich diese sind, ist jedoch fraglich.
Wenig fundiertes Fachwissen unter Resultaten
Wie das Deutsche Gesundheitsportal schreibt, erhält man bei einer Rückfrage bei Dr. Google zu 86 Prozent eine KI-generierte Antwort. Eine Analyse von über 465'000 Quellenverweisen zeigt, woher diese Informationen stammen – und offenbart, dass wissenschaftliche Fachjournale kaum eine Rolle spielen. In gerade mal 0,48 Prozent der Fälle wird eine Fachpublikation zitiert.
Platzhirsch bei den häufigsten Quellen ist Youtube mit 20'621 Verweisen, gefolgt vom Nachrichtendienst NDR und den MSD Manuals (Online-Lexikon für medizinisches Wissen). Fachportale wie das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen schaffen es lediglich auf Platz neun.
Die Schweiz liebt Hausärzte
Die Bereitschaft, den Besuch bei einer Ärztin oder einem Arzt tatsächlich durch eine KI-Beratung zu ersetzen, ist bei der Schweizer Bevölkerung jedoch geringer als in anderen europäischen Ländern. Gemäss einer Studie sind 51 Prozent der Menschen hierzulande dazu bereit. Der europäische Durchschnitt liegt hier bei 58 Prozent.
Thomas Rosemann, Direktor des Instituts für Hausarztmedizin an der Universität Zürich, erklärte das im Sommer gegenüber der «NZZ» mit der starken Bindung an den Hausarzt oder die Hausärztin. Auch wenn ein Spezialist zu einem Eingriff rate, würden Patienten in der Schweiz häufig zuerst Rücksprache mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin halten.
Richtige Wortwahl für mehr Treffer
Wenn Schweizerinnen und Schweizer KI nutzen, dann um Symptome einzuordnen, um sich auf einen ärztlichen Besuch vorzubereiten, so Rosemann weiter. Das begrüsst der Experte. Er empfiehlt eine solche Vorgehensweise sogar. Ausserdem seien KI-Tools hierfür besser geeignet als irgendwelche Foren.
Ausserdem liefert Rosemann auch gleich einen Tipp. Man solle das Tool am besten nach «klassischen Leitlinien» fragen, welche «Guidelines Schweiz» genannt werden. Diese sind auf der Website des Berufsverbands der Schweizer Ärzte FMH abrufbar.
Die steigende Nutzung von KI für Gesundheitsfragen könne für wissenschaftliche Portale auch eine Chance sein, schreibt das Deutsche Gesundheitsportal. Wer Nachweise oder Gültigkeit von Thesen und Methoden verlässlich aufbereite, habe hier in Zukunft klare Vorteile.