Gefährlicher «Verzögerungseffekt»
Hitzewellensymptome können auch noch nach Abkühlung auftreten

Die Temperaturen sind gesunken, die Hitzewelle scheint überstanden. Doch Vorsicht sollte noch immer gelten. Denn einige schwerwiegende körperliche Symptome der Hitzewelle können sich auch erst Tage oder Wochen später zeigen – wenn es bereits abgekühlt ist.
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Auch, wenn es nun etwas kühler ist, gilt Vorsicht. Denn Hitzewellensymptome können sich auch Tage später äussern.
Foto: IMAGO/Zoonar.com/Dmitrii Marchenko

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Hitzewelle endet, doch gesundheitliche Folgen treten oft verzögert auf
  • Hyponatriämie durch Wassermangel und Elektrolytungleichgewicht häufige Spitalursache
  • Tropische Nächte belasten Körper, Symptome: Müdigkeit, Schwindel, Dehydrierung
Ellen De Meester - Journaliste Blick
Ellen De Meester

Die Hitzewelle ist endlich vorbei. Nach einer Reihe erdrückend heisser Tage scheint die Erleichterung bei den nun kühleren Temperaturen besonders gross. Doch leider lassen uns die Auswirkungen der Hitzewelle noch nicht ganz los.

Denn die Hitzewelle geht mit einem gefährlichen «Verzögerungseffekt» einher: Körperliche Symptome können noch mehrere Tage nach dem Temperaturrückgang auftreten. «Die Hitze staut sich nicht im Körper an», erklärt Thomas Agoritsas, Oberarzt in der Abteilung für Allgemeine Innere Medizin des Genfer Universitätsspitals HUG gegenüber Blick. Stattdessen wirke die Hitze vielmehr als Stressfaktor, der zu anderen Risikofaktoren, darunter bereits bestehende Erkrankungen, hinzukommen könne.

Tage später zeigen sich die Symptome

Dabei dauert es oft mehrere Tage oder noch länger, bis sich diese physiologische Auswirkung der Hitze in Form von körperlichen Symptomen bemerkbar macht. «Deshalb spricht man von einem ‹verzögerten› Effekt, da die Folgen erst auftreten können, wenn die Hitze bereits abgeklungen ist», erklärt Agoritsas. 

«Je mehr Zeit seit dem Hitzeschock vergeht, desto schwieriger wird es, eine mögliche Dekompensation direkt auf die Hitze zurückzuführen», verdeutlicht der Experte. Umso wichtiger sei es daher, sich über das Phänomen zu informieren. 

Ein Ungleichgewicht zwischen Wasser und Natrium im Körper

Besonders in Form von Wassermangel wird die Hitze auch später spürbar. Fachleute beobachten bei starker Hitze eine fortschreitende Dehydrierung, insbesondere bei älteren Menschen oder Personen, die an bestimmten Erkrankungen leiden: «Man verliert auch Natrium und andere Elektrolyte, während die Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr während einer Hitzewelle oft unzureichend ist», bemerkt Agoritsas.

Wer etwa zwei Liter trinkt, ohne etwas zu essen, riskiert, dass der Körper im Verhältnis zu den vorhandenen Elektrolyten zu viel Wasser speichert. Auch wenn dies der empfohlenen täglichen Mindestmenge an Wasser entspricht, betont Agoritsas, dass es auch um die entsprechende Balance geht. «Jeder muss seine Flüssigkeitszufuhr an seine Vorerkrankungen anpassen, dabei weiterhin ausgewogen essen und die Mahlzeiten auf mehrere kleine Portionen verteilen, um ein solches Ungleichgewicht zu vermeiden.»

Denn andernfalls droht eine sogenannte Hyponatriämie – ein Ungleichgewicht zwischen dem Wasser- und Natriumgehalt im Körper und einer der häufigsten Gründe für Spitalaufenthalte während Hitzewellen. 

Herz und Nieren müssen überkompensieren

Auch Herz-Kreislauf-Probleme können noch Tage nach der Hitzewelle auftreten. «Bei grosser Hitze muss das Herz sein Herzzeitvolumen, also die Blutmenge, die das Herz pro Minute in den Kreislauf pumpt, erhöhen, um die vom Körper produzierte Wärme abzuleiten», erklärt der Oberarzt. Auch ein gesunder Körper kann darauf mit Müdigkeit reagieren. 

Bei Menschen mit Herzproblemen hingegen stellt diese Anpassung des Körpers eine zusätzliche Belastung für das Herz-Kreislauf-System dar. «Oft treten die Probleme erst nach mehrtägiger Hitzeeinwirkung auf», fährt der Experte fort.

Das Gleiche gilt für die Nieren, die ausreichend durchblutet werden müssen, um ihre Funktionen zu gewährleisten. Denn reicht das Herzvolumen nicht aus, können sie ihre Aufgabe nicht ordnungsgemäss erfüllen. 

Tropische Nächte belasten den Organismus

Generell gilt: Das Problem ist nicht die Hitze an sich, sondern die Anhäufung von Anstrengungen, zu denen der Körper tagelang ununterbrochen gezwungen war.

Hier werden auch tropische Nächte zur zusätzlichen Belastung. «Normalerweise versucht der Körper, sich nachts zu erholen und die Anstrengungen auszugleichen, wenn die Luft eigentlich abkühlen sollte», betont der Experte. «Aber bei tropischen Nächten hat der Körper keine Verschnaufpause mehr.»

Wie lässt sich der «Verzögerungseffekt» vermeiden?

Und wie äussern sich die Symptome durch den «Verzögerungseffekt»? Zunächst stellen sich oft Appetitlosigkeit oder starke Müdigkeit ein. Später folgen die gravierenderen Symptome.

Wenn der Urin sehr selten oder sehr konzentriert (dunkelbraun) wird oder der Mund trocken ist, ist dies Anzeichen für eine Dehydrierung. Auch neu auftretende Verwirrtheit, ständige Schläfrigkeit, Schwierigkeiten, die Augen offenzuhalten, oder Stürze sollten alarmieren, betont Agoritsas. «Vor allem das Auftreten mehrerer Anzeichen gleichzeitig erfordert ärztliche Hilfe: Schwindel, niedriger Blutdruck, Müdigkeit, Anzeichen von Dehydrierung oder Bewusstseinsstörungen.»

Essenziell ist auch der Verzicht auf alkoholische Getränke: «Alkohol stellt einen Risikofaktor dar, da er die Dehydrierung begünstigt und Unfälle begünstigt, insbesondere wenn man vor dem Schwimmen trinkt», warnt der Experte. Kühlung ist für die Erholung wichtig, übertreiben sollte man es dabei jedoch nicht. «Eiskalte Duschen zum Beispiel bedeuten nur einen zusätzlichen Schock für das Herz-Kreislauf-System», so Agoritsas. Lauwarme oder kühle Duschen sind für den Körper verträglicher.

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