Darum gehts
- Rote Wodka-Flasche mit Discounter-Etikett stellt Luxus-Image einer Crans-Montana-Bar infrage
- 0,7-Liter-Flasche kostet nur 11.45 Franken bei bekanntem Discounter
- Am 1. Januar starben 40 Menschen beim Brand im Le Constellation, 116 wurden verletzt
Angesichts des Ausmasses der Tragödie von Crans-Montana mit 40 Todesopfern und 116 teils schwer schwerverletzten jungen Menschen mag es sich um ein nebensächliches Detail handeln. Im Lichte der bisherigen Ermittlungsergebnisse gewinnt dieses Detail jedoch an Bedeutung, da es den Verdacht nährt, dass Profitmaximierung in Verbindung mit unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen eine mitverantwortliche Rolle bei der Katastrophe gespielt haben könnte.
Denn offenbar versuchte das Betreiberpaar, bei den alkoholischen Getränken eine möglichst hohe Marge zu erzielen. Eine Wodkaflasche mit mutmasslichem Discounter-Etikett wirft nun entsprechende Fragen auf. Auf einem Foto aus der Unglücksnacht ist die Flasche mit rotem Etikett gut sichtbar zwischen Champagnerflaschen mit brennenden Wunderkerzen platziert – mitten in einer Bar, die sich selbst als exklusiven Hotspot im Nobelskiort inszenierte.
Eine Recherche in den Google-Rezensionen zeigt: Für die Silvesternacht vor einem Jahr verlangte das Lokal 130 Franken pro Person, Getränke inklusive – ein Preis, der Qualität verspricht.
Billiger Alkohol – maximaler Gewinn?
Das Bild deutet jedoch an, dass vorne Glanz verkauft wurde, während hinten möglicherweise Billigalkohol für fette Margen floss. Beweisen lässt sich das nicht, doch die Flasche nährt den Verdacht: Sparte man an der Qualität, um Gewinne zu maximieren?
Wie ein Blick auf die Webseite des Anbieters zeigt, kostet die 0,7-Liter-Flasche mit dem russisch klingenden Namen bei einem bekannten Discounter 11.45 Franken. Für Gastronomen kann noch von einem niedrigeren Preis ausgegangen werden.
Mit «France Télévision» sprach ein ehemaliger Mitarbeiter der Bar ebenfalls über die Praktiken des Betriebs. Nicht nur Wodka soll überteuert verkauft worden sein, sondern auch Bier. «Die Zapfanlagen für helles Bier wurden vom Chef absichtlich abgeschaltet, und wir hatten die Anweisung, die Biere mit Dosen einer anderen Marke zu füllen.» Diese soll Moretti beim selben Discounter gekauft haben wie den Wodka.
Auch passen seine Aussagen zu dem Bild, dass günstiger Wodka zu teuer weiterverkauft wurde. «Ausserdem wurden wir gebeten, die leeren Flaschen von einem ziemlich teuren Wodka aufzubewahren und sie mit einer Billigflasche zu füllen.»
Ermittlungen laufen
Die Bar gehörte dem französischen Ehepaar Jacques (49) und Jessica Moretti (40) aus Korsika, die 2015 das verfallene Gebäude auf Vordermann brachten und heute mehrere Lokale betreiben. Französische Medien berichten von Jacques Morettis Vorstrafen: 2008 Anstiftung zur Prostitution in Annecy, später Sozialbetrug. Beide erklären nach dem Unglück, sie seien «am Boden zerstört» und kooperierten voll mit den Behörden.
In der Nacht auf den 1. Januar starben 40 Menschen, 116 wurden verletzt, unter ihnen viele Jugendliche. Die Walliser Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und Feuersbrunst.