Darum gehts
- Ex-SVP-Stadtrat teilte auf Facebook Bild von einem Notausgang beim Restaurant der Berner Eisbahn
- Beuchat bemängelt Heizlüfter, angeblich versperrten Fluchtweg und nicht beleuchtetes Notausgangsschild
- Betreiber betont Sicherheitsvorkehrungen und wehrt sich gegen Anschuldigungen
«Konsterniert – nach allem, was passiert ist, heute Nachmittag im Restaurant auf der Eisbahn Bundesplatz», beginnt ein Facebook-Post des ehemaligen SVP-Stadtrats Henri-Charles Beuchat (57). Am Mittwochnachmittag besuchte er gemeinsam mit seinem Sohn die Eisbahn in Bern, erzählt er im Gespräch mit Blick.
«Während mein Sohn im Spielbereich blieb, ging ich kurz auf das WC im Restaurant. Da fiel mir im Bereich des Notausgangs auf, dass ein Heizlüfter mitten im Fluchtweg steht und das Notausgangsschild nicht beleuchtet ist», sagt Beuchat.
«Es hat mich erstaunt, dass ein solches Risiko eingegangen wird»
Diese Beobachtung habe ihn so erstaunt, dass er sie fotografiert habe. «Als ich das Foto machte, sah ich plötzlich, dass Handschuhe auf dem Heizlüfter lagen», erzählt Beuchat. Für ihn ein unbegreifliches Detail: «Es hat mich erstaunt, dass ein solches Risiko eingegangen wird. Besonders nach dem, was geschehen ist.»
Aus Interesse habe er sich auch den weiteren Fluchtweg anschauen wollen. «Ich dachte mir, wie würde ich bei einem Notfall mit meinem Sohn flüchten können?», meint Beuchat. Hinter der Tür mit dem «Zutritt Verboten»-Schild habe er Band-Equipment vorgefunden, das den weiteren Weg laut ihm versperrt hätte. Auf Facebook habe er daher sensibilisieren wollen.
«Der Backstagebereich ist leergeräumt, gelagertes Material ist rollbar»
Betrieben wird die Eisbahn von Twenty Four Seven Catering. Gegenüber Blick bestätigt Philippe Gärtner, Leiter für Catering & Events, dass ihr Sicherheitskonzept von den Behörden abgenommen wurde.
Zur Situation hinter der Fluchttür erklärt Gärtner: «Der Backstagebereich ist nicht versperrt, sondern leer geräumt. Hier findet sich auch die komplette Technik. In diesem Bereich gibt es keine fixen Bestandteile wie Mobiliar oder dergleichen. Wenn Material dort gelagert wird, ist es zu Anlieferzeiten und sämtliches Material ist rollbar.»
Auch die Notausgänge im Restaurant und bei der Eisbahn seien konform, führt Gärtner aus. «Wir haben bei uns im Gastraum zwei offizielle Notausgänge mit Doppelflügeltüren. Diese sind korrekt beschildert. Eine Leuchte ist neu und schaltet wie vorgeschrieben bei Dunkelheit und Stromausfall ein. Eine Leuchte, beim Hauptausgang ist immer an. Zudem haben wir in der Schlittschuhvermietung einen Notausgang und für die Mitarbeitenden einen separat ausgeschilderten Notausgang.»
«Sämtliche Heizlüfter verfügen über einen Überhitzungsschutz»
Auf Facebook äussert sich der Betreiber auch unter dem Post: «Das Ablegen von Kleidungsstücken auf Heizlüftern ist untersagt und war im genannten Fall nicht korrekt. Unsere Mitarbeitenden sind entsprechend sensibilisiert, Abdeckungen jeglicher Art umgehend zu entfernen.» Auch technisch seien die Heizlüfter abgesichert: «Sämtliche Heizlüfter verfügen über einen integrierten Überhitzungsschutz mit automatischer Abschaltung.»
Zugleich weisst der Betreiber darauf hin, dass das «Zutritt Verboten»-Schild an der Tür, die zum Backstagebereich führe, für alle Gäste gelte. «Eine kurze Nachfrage zu unserem Sicherheitskonzept hätte ausgereicht, um Ihnen im Rahmen eines geführten Rundgangs unsere Fluchtwege sowie das gesamte Sicherheitskonzept transparent zu erläutern», wendet sich der Betreiber daher direkt an Beuchat.
Beim nächsten Mal würde Beuchat das offene Gespräch suchen
Die schnelle Reaktion des Betreibers hat Beuchat positiv aufgenommen, sagt er gegenüber Blick. «Jede Form der Reaktion ist positiv, auch wenn wir in den Meinungen vielleicht auseinandergehen mögen. Doch für mich ist es sehr positiv – es zeigt, dass engagierte Leute dahinter stecken», meint der Ex-SVP-Stadtrat.
Die Eisbahn und das Restaurant werde er weiter gern besuchen – «Es ist ein toller Familienort», meint Beuchat. Und sollte ihm noch einmal etwas auffallen, würde es das direkte Gespräch suchen.
Diskussion in den Kommentaren
Auf Facebook reagieren die User in den Kommentaren gespalten. In einem Kommentar wird etwa die Brandkatastrophe in der Gletscherbahn Kaprun 2 in Österreich im Jahr 2000 aufgegriffen, bei der ein defekter Heizlüfter als Ursache gilt. 155 Menschen verloren ihr Leben. Andere verweisen auf die aktuelle Brandkatastrophe in Crans-Montana.
Viele sprechen jedoch von Übersensibilisierung. So meint ein User: «Sensibilisierung zum Thema Fluchtweg Sicherheit ist gut, Über-Sensibilisierung dagegen schlecht.» Andere meinen, dass man im Restaurant an der Eisbahn sowieso an vielen Seiten herauskönne.