Darum gehts
- Arben Aliu (40) stirbt am 14. Februar nach Herzinfarkt in Kerzers FR
- Trotz erhöhter Troponinwerte entliess Lindenhofspital ihn, Familie fordert Aufklärung
- Troponinwert über 123 festgestellt, Staatsanwaltschaft Freiburg leitet Ermittlungen ein
Nafije Aliu (19) kann es immer noch nicht fassen, dass ihr Vater Arben tot ist. «Er war doch erst 40 Jahre alt und er war doch am richtigen Ort», sagt sie zu Blick, während sie das Bild ihres viel zu früh verstorbenen Vaters anschaut.
Am 14. Februar 2026 starb Arben Aliu (†40) an den Folgen eines schweren Herzinfarkts. Sein Tod lässt die Angehörigen nicht nur in Trauer zurück – sie fordern auch Aufklärung. «Wir müssen wissen, warum Papa nicht gerettet wurde», sagt die Tochter.
Schmerzen in der Brust
Am Tag vor seinem Tod machte sich Arben Aliu am Nachmittag auf den Weg zur Arbeit. Aliu arbeitete als Tram- und Buschauffeur bei Bernmobil. Seine Tochter erzählt: «Noch bevor er die Wohnung verliess, klagte er über ein Stechen im Herzbereich und Schmerzen in der Brust.»
Seine Tochter riet ihm, zu Hause zu bleiben. Doch der pflichtbewusste Mann entschied sich, zur Arbeit zu gehen. «Er hoffte, dass die Beschwerden wieder nachlassen würden», sagt die Tochter.
Im Verlauf des Tages erkundigte sich seine Tochter telefonisch nach seinem Zustand. Auf die Frage, ob die Schmerzen verschwunden seien, antwortete der Vater: «Leider nein». Einige Stunden später telefonierte Aliu auch mit seinem eigenen Vater und schilderte ihm die anhaltenden Beschwerden. Dieser riet ihm eindringlich, so schnell wie möglich ein Spital aufzusuchen.
Ins Spital gekommen, aber ...
Daraufhin nahm der 40-Jährige telefonisch Kontakt mit dem Notfall des Lindenhofspitals in Bern auf und erkundigte sich, ob er vorbeikommen solle. Ihm wurde geraten, sich untersuchen zu lassen. Arbeitskollegen brachten ihn anschliessend in die Notfallaufnahme des Lindenhofspitals.
Dort wurde er zwischen etwa 22 Uhr und 1.50 Uhr untersucht. Nach Angaben der Familie klagte er über ein Stechen im Brustbereich mit Ausstrahlung in den linken Arm. Zudem sollen ein erhöhter Blutdruck sowie ein erhöhter Troponinwert im Blut festgestellt worden sein. «Der Troponinwert lag zeitweise über 123. Auch bei seiner Entlassung war der Wert noch über 116», sagt die Schwester des Verstorbenen, Athixhe Qamilovska (36).
Sie zeigt Blick die Entlassungspapiere des Spitals. Die Troponinwerte wurden darauf handschriftlich festgehalten. Troponin ist ein Eiweiss, das in Herzmuskelzellen vorkommt und ins Blut freigesetzt wird, wenn diese Zellen geschädigt werden. Der Troponinwert im Blut dient daher als wichtiger Indikator zur Diagnose eines Herzinfarkts oder anderer Herzschäden. Ein Wert von über 100 weist in der Regel auf eine erhebliche Schädigung des Herzmuskels hin.
Dennoch wurde Aliu kurz vor 2 Uhr am Samstagmorgen entlassen. «Ich kann es einfach nicht verstehen. Warum haben sie ihn nicht dabehalten, bei diesen Werten?», fragt die Schwester.
Arben Aliu kommt nach Hause, in Kerzers FR. Dort bricht er nicht einmal zwei Stunden später zusammen. «Wir haben sofort die Ambulanz gerufen und versucht, ihn zu reanimieren», sagt die Tochter Nafije Aliu. Die Rettungssanitäter brauchten fast 30 Minuten, bis sie vor Ort waren. Doch sie konnten dem 40-Jährigen nicht mehr helfen. Kurz vor 5 Uhr wurde Arben Aliu für tot erklärt!
Familie will Antworten
Die Ereignisse vom 13. und 14. Februar lassen die Familie nicht los. «Der hohe Troponinwert, die Aufforderung im Entlassungsbericht schnell einen Kardiologen aufzusuchen und die familiäre Vorgeschichte – warum haben sie Arben nicht dabehalten und überwacht?», fragt seine Schwester Athixhe Qamilovska. 2023 hatte auch Arbens Vater einen Herzinfarkt, wurde ebenfalls im Lindenhofspital behandelt.
Gemäss Informationen der Familie hat die Autopsie von Arben Aliu einen schweren Herzinfarkt als Todesursache ergeben. «Er hat alles richtig gemacht, hat die Symptome richtig gedeutet, und dann wurde ihm nicht geholfen», klagt Tochter Nafije Aliu an.
Ihre Tante doppelt nach: «Sein Tod war absolut sinnlos, wie konnten die das nicht erkennen?» Die Familie fordert Antworten vom Lindenhofspital. «Wäre er einfach zu Hause gestorben, könnten wir irgendwie damit leben. Aber nicht, wenn ihm die richtige Hilfe verweigert wurde», sagt Athixhe Qamilovska.
Ermittlungen laufen
Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat unterdessen ein Verfahren zum Tod von Arben Aliu gegen unbekannt eröffnet. «Die Ermittlungen zur Todesursache und den Umständen laufen derzeit, daher können momentan keine weiteren Informationen abgegeben werden», erklärt die Staatsanwaltschaft auf Anfrage von Blick.
Das Lindenhofspital selbst äussert sich nicht zu den tragischen Ereignissen: Aus Datenschutzgründen und wegen des Arztgeheimnisses.