Darum gehts
- Thomas K. aus Lommis TG bestellt Klimagerät für 150 Franken online
- Die angebliche US-Firma entpuppt sich als Betrug ohne echte Adresse
- Mehrere Wochen Warten, keine Lieferung: K. sperrt Karte und meldet Vorfall
Schon im Juni ächzte die Schweiz wochenlang unter Temperaturen über 30 Grad. So auch Thomas K.* (60) aus Lommis TG. Da stolpert er in der Blick-App über ein Angebot, das er nicht abschlagen kann: 150 Franken für ein Klimagerät, das ganz ohne teure und mühselige Installation läuft und mehrere Räume gleichzeitig abkühlen kann.
K. sagt: «Zuerst dachte ich, das sei zu schön, um wahr zu sein.» Doch die Website sei sauber aufgebaut gewesen. «Die technischen Erklärungen klangen vernünftig.»
Wenig Geld, grosser Effekt – von wegen!
Die Vorfreude war gross. Thomas K. sagt: «Wir kühlen unsere Wohnung klassisch. Mit Stosslüften und mehreren Ventilatoren in den Räumen», erzählt er. Irgendwann reicht das nicht mehr.
Nun könnte er für nur 150 Franken die Hitze loswerden, verspricht die Anzeige, die über Google-Ads geschaltet wurde. Also bestellt K. das Klimagerät.
Wochen vergehen. Nichts passiert. Das Thermometer steigt. Fast unmöglich, die Wohnung kühl zu halten. «Also habe ich mich bei der Firma gemeldet», sagt der Thurgauer.
Wieder vergehen Tage ohne Reaktion. K. wird misstrauisch, hakt nach. Nach mehreren Tagen die erste Antwort: «Sie schrieben, sie hätten meine Bestellnummer verloren – und bräuchten meine Angaben nochmals», sagt K. «Als sie mich nach meiner E-Mail-Adresse gefragt haben, obwohl ich ihnen von genau dieser Adresse schrieb, wusste ich, dass ich wohl abgezockt wurde.» Bereits zuvor hätten sich bei ihm Zweifel eingeschlichen, doch er wartete geduldig.
Abzocker aus Hongkong
K. geht der Sache auf den Grund. Im Impressum der Website findet er eine Adresse in den USA und eine ungewöhnliche Telefonnummer. «Da fiel der Groschen!» Die Adresse im Bundesstaat New York habe nicht existiert und die Kontaktnummer sei eine aus Hongkong gewesen. «Ich wusste, ich war Abzockern auf den Leim gegangen.»
Innerhalb weniger Minuten können unseriöse Anbieter mittlerweile dank künstlicher Intelligenz ganze Websites aufbauen, Experten erfinden und Produkte anpreisen, die nie ausgeliefert werden. Oftmals lassen die Firmen dahinter ihre Kunden warten, bis diese das Interesse und die Geduld verlieren. Ebenso oft geht es um kleinere Beträge, die eine Anzeige gegen die Anbieter mühselig machen. So auch bei K.: «Finanziell hätte es sich nie und nimmer gelohnt, dagegen vorzugehen.» Das sei aber deren Kalkül, vermutet er.
K. bleibt vorsichtig: Sofort lässt er seine Karte sperren und wendet sich an Blick: «Ich bin langjähriger Leser und habe Vertrauen in die Marke Blick.» Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er schon mehrere Male Produkte bestellt, die in der App angepriesen wurden. Dabei wurde er nicht enttäuscht – im Gegenteil. Dieses Mal sollte es anders kommen.
Bekannte Masche
Seine Kritik richtet sich nicht nur gegen die Abzocker selbst, sondern auch gegen den Techgiganten Google. Weshalb Google seine Werbekunden nicht durchleuchte, sei ihm ein Rätsel, sagt K. «Sie machen Milliardengewinne, ohne sich um die möglichen Folgen zu kümmern.»
Der Medienkonzern Ringier, zu dem Blick gehört, kämpft seit längerem gegen Fake-Werbung – mit juristischen Mitteln. Im Juni reichte der Verlag Strafanzeige ein. Das Verfahren ist hängig. Verdächtige Google-Ads werden sofort gemeldet.
Wie sieht es aber mit der Verantwortung von den Techgiganten aus? Blick fragt bei Google nach: «Wenn festgestellt wird, dass ein Werbetreibender gegen die Google-Ads-Richtlinien zu Falschdarstellung verstösst, wird das Konto in der Regel sofort gesperrt», schreibt Google auf Anfrage. «Im Jahr 2025 hat Google über 8,3 Milliarden Anzeigen blockiert oder entfernt und 24,9 Millionen Konten gesperrt.»
Doch: Trotz Hinweisen sind die Anzeigen für das Klimagerät immer noch zu sehen.
K. ärgert das: «Es kann nicht sein, dass man Milliarden damit verdient, nichts zu tun. Und Menschen ins offene Messer laufen lässt.»
* Name bekannt