Deshalb spüren wir Krisen an der Zapfsäule
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Blick erklärt:Deshalb spüren wir Krisen an der Zapfsäule

Einkaufspreise teuer wie nie
«Autofahrer sollen jetzt noch schnell volltanken!»

Laut einer Prognose der US-Grossbank J.P. Morgan könnte Europa eine Knappheit drohen. Der Bund sieht derzeit keinen Handlungsbedarf und verspricht Stabilität. Blick hat bei Etzelpark-Tankstellenbesitzer Michael Knobel nachgefragt. Der rät zum Volltanken – ohne Panik.
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Die Preise an den Schweizer Tankstellen steigen und steigen. Im Bild die Socar-Tankstelle in Küsnacht ZH.
Foto: Nathalie Benn

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ölversorgung der Schweiz bleibt stabil, trotz Iran-Krieg und Hormus-Krise
  • Pflichtlager decken Bedarf für bis zu 4,5 Monate
  • Benzinpreis könnte bei 125 Dollar je Barrel auf über 2 Franken pro Liter steigen
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Daniel MacherRedaktor News

Wegen des Iran-Kriegs steigen die Spritpreise Tag für Tag. In gewissen Ländern werden Benzin und Diesel knapp. Der Bund verfolge die Lage derzeit genau, hiess es aus Bern. Reagieren werde man nur bei Bedarf, beschwichtigt das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) angesichts eines drohenden Ölengpasses. Noch sei die Versorgung der Schweiz mit Mineralölprodukten stabil – doch wie lange noch?

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Laut einer Studie der US-Grossbank J.P. Morgan soll sich die Schliessung der Strasse von Hormus infolge des Iran-Krieges ab dem 10. April deutlich auf Europa auswirken. Dann würden demnach die letzten vor Kriegsbeginn verschifften Rohöllieferungen eintreffen. Danach könnte der Import weitgehend zum Erliegen kommen.

Was die Prognose sagt

Die Analyse zeichnet ein gestaffeltes Bild der Krise: Asien und der Süden Afrikas seien bereits seit Anfang April praktisch von Öllieferungen abgeschnitten, Europa könnte ab dem 10. April folgen, Nordamerika ab dem 15. April. Besonders betroffen wären Regionen wie China und Indien, die stark von Rohöl aus dem Persischen Golf abhängen.

Für die Schweiz bedeuten die alarmistischen Prognosen vorerst keine leeren Zapfsäulen. Das BWL betont: Die Versorgung ist derzeit gesichert, bis Ende April voraussichtlich stabil – unter der Annahme, dass bestellte Lieferungen eintreffen. Bei Bedarf greift der Bund auf Pflichtlager zurück, die den Bedarf für drei bis viereinhalb Monate decken. Eine Freigabe der Reserven durch die Internationale Energieagentur (IEA) wird derzeit nicht mitgemacht.

Was droht der Schweiz?

Kurzfristig wären in der Schweiz wohl zuerst die Preise das Problem, nicht die Verfügbarkeit. Tankstellenbesitzer Michael Knobel (45), der mit günstigeren Preisen gegen die Konkurrenz punktet, spürt das schon: «Der Preis geht hoch und hoch. Heute um 10 Uhr war der Einkaufspreis der höchste seit Kriegsbeginn. Engpässe spüre ich aber noch keine», sagt er zu Blick.

Wenn der Weltmarkt auf einen länger anhaltenden Stillstand in der Strasse von Hormus reagiert, dürfte sich das an den Zapfsäulen und bei den Heizölpreisen noch viel stärker bemerkbar machen. Dazu kämen mögliche Verzögerungen in Lieferketten, etwa beim Güterverkehr und in der Industrie. Knobel warnt vor der 2-Franken-Marke: «Wenn der Ölpreis auf 125 Dollar je Barrel steigt, knackt der Liter Bleifrei 95 vermutlich die 2-Franken-Marke. Beim Diesel wird es bei 130 Dollar passieren – dann werden wir bei 2.50 Franken ankommen.»

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Volltanken – aber ohne Panik

Mittelfristig sei entscheidend, ob Lieferströme über alternative Routen und Lagerbestände stabil gehalten werden können. Sollte der Konflikt länger dauern, könnte die Schweiz in den Sog einer europäischen Krise geraten. Doch Knobel rät trotz allem zur Gelassenheit: «In der kommenden Woche weiter volltanken, die Situation bleibt volatil. Aber keine Panik – es gibt weiter genug Sprit. 

Anders als in Frankreich oder Deutschland ist die Schweiz mit zehn Millionen Einwohnern gut versorgt. «Die Schweizer sind finanziell flexibel. Im Worst Case gäbe es eine Triage. Zuerst, zwischen den Ländern, wer mehr bereit ist zu bezahlen, bekommt das Produkt. Dann vielleicht noch zu weiteren Massnahmen», so Knobel.

Knobels Fazit für Autofahrer: «Volltanken, Preise vergleichen, unnötige Fahrten meiden. Unterm Strich: Volltanken ja – Panik nein!»

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