Diebische Tiere, Mörderinnen und Tunnelgräber – Schaffhauser Polizeisprecher Caprez tritt ab
«Erinnere mich an einen Fuchs mit einem Fetisch für Schuhe»

17 Jahre Polizeiarbeit: Der Schaffhauser Polizeisprecher Patrick Caprez (46) blickt auf die spektakulärsten Einsätze seiner Karriere zurück – vom Vatermord bis zum berüchtigten Pink-Panther-Coup.
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Nach 17 Jahren tritt Polizeisprecher Patrick Caprez (46) ab und blickt zurück auf die aufsehenerregendsten Fälle seiner Karriere.
Foto: Sebastian Babic

Darum gehts

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Sebastian BabicReporter Blick

An einem seiner ersten Arbeitstage als Schaffhauser Polizeisprecher im Jahr 2009 wurde Patrick Caprez (46) zu einem Einsatz gerufen, der so unglaublich klang, dass er zunächst an ein Aufnahmeritual dachte. Es war frühmorgens und man rief Caprez an, er solle dringend kommen. Ein Mann habe sich mit einem Stuhlbein aus dem Gefängnis gegraben! «Ich war mir sicher, dass man mich hereinlegen will, weil ich neu war, darum ging ich zuerst in Ruhe einen Kaffee trinken», sagt er lachend.

Vor Ort angekommen traute er seinen Augen nicht: Ein Drogendealer hatte tatsächlich einen filmreifen Ausbruch hingelegt. Der Polizei-Neuling musste das direkt vor den Kameras der Journalistinnen und Journalisten erklären – eine Feuertaufe, die er nie mehr vergessen wird. Es war der Startschuss zu einer Karriere mit vielen spektakulären Fällen, einige davon tragisch, andere skurril, wie ein Fuchs mit einem Fetisch für Schuhe. 

Blick-Titelseite für die Geschichtsbücher

Doch zunächst zurück zum Tunnelgräber im Gefängnis. «Ich musste damals laut lachen, als ich die Blick-Titelseite gesehen habe», erzählt Caprez: «Ihr habt das Loch, das der Ausbrecher mit einem Stuhlbein durch die Sandsteinmauer gegraben hatte, in der Zeitung in Originalgrösse gezeigt. Das war genial!»

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Nach 17 Jahren tritt Polizeisprecher Patrick Caprez (46) ab. Er blickt zurück auf die aufsehenerregendsten Fälle seiner Karriere.
Foto: Sebastian Babic

Caprez' Einstand bei der Polizei war spektakulär, doch es gab auch interne Hürden zu nehmen. Denn er wurde zunächst mit einer Portion Skepsis bei der Schaffhauser Polizei empfangen. «Am Anfang war da vielleicht etwas Misstrauen da. Ich war als Journalist ein Exot bei der Polizei. Sobald die Kollegen aber gemerkt haben, dass man für sie alles gibt, änderte sich dies.» Er erlebte die Polizisten plötzlich nicht mehr als blosse Uniformträger, sondern als Menschen mit Familie, Humor und Persönlichkeit.

Die Gefahr lauert im Umfeld

Zu Caprez' schwersten Verbrechen gehörte der Vatermord in Beringen SH im Jahr 2011. «Das hat mich beschäftigt», erklärt er. «Man merkt einmal mehr, dass die grössten Tragödien in der Regel nicht auf offener Strasse passieren, sondern im sicheren Schoss der Familie.» Man frage sich immer, wie es so weit kommen konnte und was Menschen dazu bringe, solche Taten zu begehen. Eine 21-jährige Frau hatte ihren schlafenden Vater heimtückisch mit 17 Messerstichen getötet und ihre Mutter schwer verletzt. Ihr Bruder konnte sie schliesslich stoppen. 

Auch der Fall des Flugzeugabsturzes in Oberhallau SH von 2011 hallt bei Caprez nach. «Ich wurde benachrichtigt, dass es einen Absturz gab», rekapituliert er. «Ich dachte zunächst an eine Passagiermaschine, die abgestürzt sei.» Fast erleichtert reagierte er auf die Information, dass es sich um ein Kleinflugzeug gehandelt hatte. Doch die Geschichte dahinter war tragischer als erwartet: «Es war eine familiäre Angelegenheit.» Der Pilot hatte das Flugzeug mit Absicht in sein Elternhaus geflogen. 

Juwelendiebe erwischt

Einen Erfolg verzeichnete die Schaffhauser Polizei bei der Verbrecherbande «Pink Panther», die mit ihren professionellen Turboüberfällen weltweit gefürchtet war. Auch in Schaffhausen waren sie aktiv: «Ich war damals einer der ersten am Tatort», erzählt Caprez, «Uns wurde schnell klar, dass hier absolute Profis am Werk waren.»

Der Überfall auf ein Uhrengeschäft dauerte nur 90 Sekunden, die Beute: fast zwei Millionen Franken. Am Abend habe dann eine Familie ein fremdes Auto in einer Garage gemeldet. «Dabei kam heraus, dass die Bande das erste Fluchtauto dort geparkt hatte», erzählt Caprez. Die Räuber hatten das Auto gewechselt. «Zuvor hatten wir viel zu lange nach dem ersten Fahrzeug gefahndet.» Einer der Täter konnte schlussendlich durch eine am Tatort in Schaffhausen hinterlassene DNA-Spur zweifelsfrei überführt werden.

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Verpasster Kettensägenangriff

Eines bereut Caprez bis heute: Ausgerechnet als die versammelte Weltpresse in Schaffhausen war, lag er nach einem Unfall im Spital. Damals griff ein Mann mit einer Kettensäge bewaffnet Versicherungsmitarbeiter an. «Ich wartete damals im Spital darauf, operiert zu werden. Ich wünschte, ich hätte unserem Team damals helfen können», erzählt er.

Glücklicherweise seien Fälle wie der Vatermord oder die Kettensägen-Attacke die Ausnahme gewesen. Mehr Spass hätten ihm ohnehin die Geschichten gemacht, die niemandem schaden: «Ich erinnere mich gerne an einen diebischen Fuchs mit einem Fetisch für Schuhe zurück», schmunzelt Caprez. Lange habe niemand gewusst, wohin die Schuhe verschwunden seien. Die Polizei konnte den Vierbeiner schliesslich als Täter identifizieren. Das Tier hatte in Neunkirch SH 42 Paar Schuhe gestohlen und diese in seinen Fuchsbau gebracht.

«Die Opfer konnten die gestohlenen Schuhe danach bei uns auf dem Polizeiposten abholen», erzählt er.

Dankbar sein

Ein Blick zurück auf seine Zeit als Polizeisprecher lässt ihn ins Grübeln kommen. Die Lektionen, die er in seinen 17 Jahren bei der Polizei gelernt habe, seien vielfältig. Man sehe Unfälle, Schicksalsschläge, heftige Lebensgeschichten. «Dann merkt man erst, wie dankbar man sein kann, wenn man selbst und die Menschen, die man liebt, von solchen Dingen verschont bleiben», sagt Caprez.

In Zukunft will sich der junge Vater derweil vermehrt seiner Familie widmen und wird zukünftig Jugendliche im Berufsbildungszentrum unterrichten.

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