Darum gehts
- Schweizer Spitäler melden mehr Herz-Kreislauf-Notfälle wegen anhaltender Hitzewelle
- USZ verzeichnete einen Anstieg von etwa 30 Prozent bei den Patientenbehandlungen
- Universitätsspital Basel behandelte 7500 hitzebedingte Fälle vom 19.6. bis 5.8.
An hochsommerlichen Tagen muss unser Herz stärker arbeiten, damit es unsere Körpertemperatur bei ungefähr 37 Grad halten kann. Während Hitzewellen kommen noch die Tropennächte dazu, wenn an einen erholsamen Schlaf kaum zu denken ist. Der Dauereinsatz kann für Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder anderen Vorbelastungen gefährlich werden. Folglich nehmen die kardiologischen Notfälle in den Schweizer Spitälern nach mehreren aneinandergereihten Hitzetagen spürbar zu.
Wie der Kardiologie-Direktor am USZ, Frank Ruschitzka, gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagt, ist seine Abteilung am Universitätsspital Zürich «voll bis unters Dach». Bereits im vergangenen Jahr wurden in den Monaten Juni und Juli rund 30 Prozent mehr Patienten behandelt als in den Jahren davor während der beiden Monate. In diesem Sommer seien es teilweise sogar noch mehr.
Der Wohnort kann ein Risikofaktor sein
Am USZ zeigt sich neben dem Alter und bestimmten Vorerkrankungen noch ein weiterer Faktor, der für die Bestimmung von Risikogruppen mitentscheidend sein kann. Laut Ruschitzka kommen viele der Patienten und Patientinnen aus stark aufgeheizten Stadtquartieren wie etwa Altstetten. Diese sogenannten Wärmeinseln zeichnen sich dadurch aus, dass sie auch in der Nacht bis zu 7 Grad wärmer sind als ihr Umland.
Luzerner Kantonsspital
Auch das Luzerner Kantonsspital verzeichnete diesen Sommer zeitweise eine hohe Auslastung. Wie das Spital auf Anfrage von Blick mitteilt, haben Notfalleintritte, die zu einer stationären Aufnahme führten, während der anhaltenden Hitze und Trockenheit spürbar zugenommen. Neben Kreislaufproblemen seien bei den Patientinnen und Patienten auch häufig Flüssigkeitsmangel oder eine Verschlechterung einer bestehenden Krankheit festgestellt worden.
Universitätsspital Basel
Das Universitätsspital Basel gibt auf Anfrage an, im Zeitraum vom 19. Juni bis zum 5. August rund 7500 Patientinnen und Patienten aufgrund mit Hitze assoziierter Beschwerden behandelt zu haben. Auch hier würden bestehende Erkrankungen eine Rolle spielen. Von einem 30-prozentigen Anstieg geht das Spital indes nicht aus. Allerdings nehme im Vergleich zu den Vorjahren die stationäre Patientenaufnahme während der Sommermonate zu. Das Notfallzentrum sei wiederum besonders dann beansprucht, wenn an heissen Tagen zusätzlich Grossveranstaltungen stattfinden. Auch werde in der Notfallbehandlung derzeit eine deutliche Zunahme von Hitzeschlägen festgestellt.
Inselspital Bern
Auf Anfrage teilt das Inselspital Bern mit, dass aktuell keine aussergewöhnliche Zunahme von Herz-Kreislauf-Notfällen festgestellt werde. Allerdings lägen dem Spital auch keine konkreten Vergleiche oder eine belastbare statistische Auswertung vor. Da Hitzeperioden zum saisonalen Krankheitsgeschehen gehören, würden diese in den bestehenden Abläufen bereits berücksichtigt.
Zuger Kantonsspital
Während die Auslastung der Notfallstation im Zuger Kantonsspital konstant hoch bis sehr hoch sei, werde die Bettenbelegung insgesamt als für die Sommermonate normal eingestuft. Auf Anfrage teilt das Spital mit, dass es aktuell häufiger zu Kreislauf- und Nierenproblemen sowie einer Verschlechterung bestehender Herz- und Lungenerkrankungen kommt. Hier seien vor allem ältere und chronisch kranke Menschen betroffen.
Kantonsspital Aarau
Auch die Chefärztin des interdisziplinären Notfallzentrums am Kantonsspital Aarau, Sonja Guglielmetti, teilt auf Anfrage mit, dass aktuell vermehrt Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Beschwerden das Spital aufsuchen würden. Dies führt sie zumindest teilweise auf die hohen Temperaturen zurück. Sie rät bei der Einnahme bestimmter Medikamente für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu besonderer Aufmerksamkeit. «Bei Medikamenten, die den Flüssigkeitshaushalt oder Blutdruck beeinflussen, kann es bei anhaltender Hitze sinnvoll sein, die Medikation und Dosierung hausärztlich überprüfen zu lassen. Eine eigenständige Anpassung der Medikamente sollte jedoch nicht erfolgen.»