Darum gehts
- Der mutmassliche Feuerteufel von Solothurn ist Feuerwehrmann und Rechtsextremist
- Die Staatsanwaltschaft verdächtigt ihn der mehrfachen Brandstiftung
- Bei der Verhaftung stürzte er vom Balkon und verletzte sich schwer
Ist die Feuerserie in Solothurn jetzt endlich zu Ende? Achtmal brannte es in den Gemeinden Langendorf und Bellach in den letzten Monaten. Gebäude, Autos – nur mit Glück wurde bis heute niemand verletzt.
Mitte Januar verhaftete die Solothurner Polizei einen jungen Schweizer. Seither blieb es ruhig. Ist er der Feuerteufel? Ein Haftrichter ordnete U-Haft für zwei Monate an.
Internes Schreiben der Feuerwehr
Recherchen zeigen jetzt: Beim Verdächtigen handelt es sich um Jan G.* (24). Er ist bei der Jungen SVP aktiv, demonstrierte mit der rechtsextremen Jungen Tat und engagierte sich bei der Solothurner Feuerwehr.
In einem Rundschreiben informierte der Feuerwehr-Kommandant intern kürzlich über den mutmasslichen Brandstifter aus den eigenen Reihen: «Mit grosser Betroffenheit muss ich euch leider mitteilen, dass es sich bei der festgenommenen Person um ein Mitglied unserer Feuerwehr handelt.» Der Fall treffe ihn persönlich sehr und belaste die Organisation.
Er empörte sich über Gewalt
Paradox: Jan G. kämpfte politisch für ein sauberes und sicheres Solothurn. Auf Facebook prangerte er immer wieder die Kriminalität in seiner Stadt an, empörte sich über Sachbeschädigungen und Gewalt. Gleichzeitig soll er Häuser angezündet haben.
Auf seinen Social-Media-Profilen forderte G. mehr Polizei-Präsenz auf den Strassen und ein härteres Durchgreifen gegen Straftäter. Erst vor wenigen Monaten kommentierte er auch eine Polizeimeldung über die Verhaftung von Brandstiftern.
Sturz vom Balkon
Vor einem Monat klickten bei ihm nun selbst die Handschellen. Kurz nachdem ein Holzschopf in Bellach in Flammen aufging, nahm die Polizei den 24-Jährigen fest. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt ihn der mehrfachen Brandstiftung. Alleine in Langendorf brannte es seit Oktober siebenmal. Einmal war es eine leerstehende Wohnung mitten im Dorf, zweimal ein Gebäude auf dem Delta-Areal, später ein Toi-Toi und drei Autos. Die Polizei geht in allen Fällen von Brandstiftung aus. Für den Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Blick weiss: G. hat sich bei der Verhaftung schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft bestätigt auf Anfrage: «Als sich die Polizei vor seiner Wohnungstüre befand, verliess der Beschuldigte die Wohnung über den Balkon. Dabei stürzte er mehrere Meter in die Tiefe und zog sich erhebliche Verletzungen zu.» Der Beschuldigte sei sofort in ein Spital gebracht worden. Ob er sich noch immer dort befindet oder mittlerweile in ein Gefängnis verlegt wurde, dazu macht die Staatsanwaltschaft keine Angaben.
Er marschierte mit der Jungen Tat
Der mutmassliche Feuerteufel war seit Jahren politisch aktiv. Er trat wiederholt bei der Jungen SVP Solothurn in Erscheinung, etwa in Werbevideos oder an Stammtischen der Partei.
Gleichzeitig engagierte er sich auch deutlich weiter rechts: bei der militanten Jungen Tat, die vom Nachrichtendienst des Bundes beobachtet wird. 2022 nahm er an einer Wanderung der Gruppe in Balsthal SO teil. Kurz darauf störte er mit anderen Rechtsextremisten vermummt einen LGBTQ-Anlass im Tanzhaus Zürich. Im Juli 2025 marschierte er mit der Jungen Tat durch Winterthur. Videoaufnahmen zeigen G., wie er Parolen ruft: «Üsi Strasse, üses Land. Schwiizer leischtet Widerstand!» Kurz darauf griffen radikale Linke die Mitglieder der Jungen Tat an, es kam zu einer Massenschlägerei mit Verletzten.
Nicht die erste Brandserie
Der Fall des mutmasslichen Feuerteufels weckt böse Erinnerungen an eine weitere Brandserie im Wasseramt. Erst vor wenigen Wochen verurteilte das Solothurner Obergericht einen 36-Jährigen wegen mehrfacher Brandstiftung zu elf Jahren Haft. Der Mann hatte die Bevölkerung 2022 in Angst und Schrecken versetzt, zwei Monate lang wurde beinahe jedes Wochenende irgendwo ein Brand gelegt. Die Schadenssumme betrug mehr als fünf Millionen Franken.
Auch der verurteilte Brandstifter von damals war Teil der örtlichen Feuerwehr. Kommandant Pascal Arn, der die Einsätze gegen die erneuten Brände in der Region koordinierte, sagte kürzlich zur «Solothurner Zeitung»: «Für meine Leute lege ich die Hand ins Feuer.» Sollte sich die Situation in Langendorf als vergleichbar mit den früheren Fällen erweisen, wäre das für ihn ein «Worst-Case-Szenario». Alles deutet darauf hin, dass dieses nun eingetreten ist.
* Name geändert
Haben Sie Hinweise zu brisanten Geschichten? Schreiben Sie uns: recherche@ringier.ch
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