Es ist der grösste Gewürz-Transfer der Schweizer Geschichte. Aromat geht über den Atlantik. Der US-Konzern McCormick schnappt sich die gelbe Dose – und hierzulande scheint bei manchen der nationale Notstand auszubrechen. Kaum ist die Vertragstinte trocken, wittern Herr und Frau Schweizer den Ausverkauf der Identität. Ein Basler Unternehmer hat sogar eine Petition lanciert, um die Rezeptur zu retten. Zig Tausende haben unterschrieben.
Das Schweizer Nationalpulver steht bis heute in vielen Gewürzschränken oder auf Beizentischen, neben Salz und Pfeffer, als wäre es der Kitt der Nation. Vier Sprachen, 26 Kantone und eine Dose, manifestierte Nostalgie, die unzählige Gräben zu überwinden vermag. Das Ursalz, auf das die Erben des Rütlischwurs schwören.
Geliebter Knorrli
Gerade weil die Emotionen so hochkochen, lohnt sich ein kurzer Realitätscheck für alle empörten Aromatverfechter. Die Schweiz ist mehr als ein Gewürz. Und Aromat ist längst nicht mehr schweizerisch. Vor dem Verkauf gehörte es einem niederländisch-britischen Konzern. Ursprünglich war es ein deutsches Unternehmen, das in die Schweiz expandierte.
Der Aufschrei wirkt deshalb, bei aller Liebe für Knorrli, komplett übertrieben. Die Empörungswelle steht exemplarisch für eine Debattenkultur, die (nicht nur hierzulande) zunehmend ins Emotionale kippt, getrieben von Populisten auf beiden Seiten. Dabei schadet rhetorische Schärfe nicht. Sie macht Diskussionen lebendig, verleiht ihnen Biss. Zu viel aber verdirbt den Brei.