Darum gehts
- Jugendliche springen am Thuner- und Brienzersee gefährlich hinter Kursschiffe
- BLS Schifffahrt meldet drei Beinahe-Unfälle in einer Woche
- Flotte: 12 Motorschiffe, 3 Dampfschiffe, 1,64 Mio. Passagiere 2025
Ganz schön gefährlich: Am Thuner- und Brienzersee springen Jugendliche immer wieder hinter ablegende Kursschiffe. Auf der Suche nach Abkühlung und Anerkennung bei den Kollegen. Die tollkühnen Sprünge posten sie dann in den sozialen Medien. Und stacheln damit andere an, ebenfalls zu springen. Jetzt lupfts der BLS Schifffahrt den Hut!
«Wir registrieren derzeit vermehrt gefährliche Situationen auf dem See», sagt Silvan Paganini (42) zu Blick. «Immer wieder kommt es zu Fast-Unfällen», weiss der Leiter Nautik und Betrieb. Für ihn ist klar: «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es einen Toten gibt!» Allein in der vergangenen Woche ist es zu drei gefährlichen Situationen gekommen. Besonders schlimm ist die Situation an der Station Neuhaus in Unterseen BE.
«Bis auf einen Meter an den Propeller ran»
«Ein Schwimmer sprang hinter einem rückwärts manövrierenden Schiff ins Wasser und geriet bis auf einen Meter an den Propeller heran», berichtet Paganini. Zudem haben sich Taucher in der Nähe eines laufenden Propellers aufgehalten. «Und ein Mann schwamm während der Anfahrt direkt vor das Schaufelrad eines Kursschiffes.» Nur weil die Crew aufmerksam war und schnell reagiert habe, sei es zu keinem Unfall gekommen.
Paganini warnt vor Leichtsinn im Thuner- und Brienzersee: «Propeller und Schaufelräder von Schiffen stellen eine erhebliche und oft unterschätzte Gefahr dar.» Schon bei langsamer Fahrt könnten drehende Propeller schwere oder gar tödliche Verletzungen verursachen. «Zudem entstehen unter Wasser starke Strömungen und Sogwirkungen, die Personen in Gefahr bringen können», sagt er.
Dampfschiffe reagieren träger
Besonders heikel seien Begegnungen mit Kursschiffen im Bereich von Anlegestellen und während Manövern. «Motorschiffe erzeugen durch vorwärts und rückwärts laufende Propeller starke Strömungen», weiss Paganini. Und: «Dampfschiffe reagieren bei geringen Geschwindigkeiten zudem träger auf Steuerbefehle und benötigen mehr Zeit, um ihre Fahrtrichtung anzupassen.» Er appelliert an die Vernunft der Wassersportler. Und ruft zur Rücksichtnahme auf. «Halten Sie Abstand zu Schiffen. Und meiden Sie Anlegestellen und Schifffahrtslinien.»
Die BLS Schifffahrt ist eine Tochtergesellschaft der BLS. Sie betreibt die Schifffahrt auf dem Thunersee und Brienzersee. Die Flotte umfasst 12 Motorschiffe und drei Dampfschiffe. Das Unternehmen hat 125 Angestellte und im vergangenen Jahr 1,64 Millionen Menschen transportiert.