Ausflug im Tessin wird zum Albtraum – Glarnerin und ihr Enkel stranden wegen Reisechaos der SBB
«Wir wissen nicht, wie wir zurückkommen»

Chaos bei den SBB im Tessin: Reisende aus Tenero-Contra strandeten am Mittwoch in Cadenazzo. Überfüllte Ersatzbusse sollen Dutzende Personen zurückgelassen haben, erzählt eine Betroffene. Ein Ausflug nach Luino wurde zur Geduldsprobe.
Kommentieren
1/5
Rund 1½ Stunden mussten die Reisenden laut einer Betroffenen auf einen Ersatzbus warten.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Chaos bei SBB-Ersatzverkehr: Überfüllte Busse liessen Reisende in Cadenazzo zurück
  • 70 bis 80 Menschen warteten vergeblich auf einen einzigen Bus
  • Nächster Bus erst nach 1½ Stunden, viele blieben erneut zurück
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
gina-grace-zurbrügg-ringier.jpg
Gina Grace ZurbrüggRedaktorin News

Für die Glarnerin Alice O.* (66) und ihren Enkel (10) hätte es ein ganz besonderer Tag werden sollen. Der Junge darf einmal im Jahr mit seinem Grosi auf den bekannten Wochenmarkt in Luino (I), für ihn ein Ferienhighlight. Gemeinsam mit ihrer Kollegin (66) machten sie sich frühmorgens von ihrem Feriendomizil in Tenero-Contra auf den Weg.

Schon vor der Abreise zeichnete sich ab, dass etwas nicht stimmte. In der SBB-App war früh zu sehen, dass ab Cadenazzo kein Zugverkehr möglich ist und stattdessen Ersatzbusse eingesetzt werden. Alice O. reagierte deshalb vorausschauend und fuhr eine Stunde früher mit dem Zug los.

Ab Cadenazzo mussten sie mit dem Bus weiter, doch für den bereits übervollen Zug stand laut O. nur ein Ersatzbus bereit. Rund 70 bis 80 Personen warteten auf einen einzigen Bus. Organisation? Fehlanzeige. Durchsagen? Keine. Als der Bus eintraf, war er völlig überfüllt und fuhr einfach ab. Dutzende blieben zurück, auch Alice O. samt Enkel und Kollegin.

«In 1½ Stunden kommt der nächste Bus»

In ihrer Verzweiflung griff Alice O. zum Telefon und kontaktierte die SBB. Die Antwort machte die Lage kaum besser. «In 1½ Stunden ist der nächste Ersatzbus da», liess eine Personalsprecherin am Hörer verlauten. Für die Wartenden kein Trost, denn auch der nächste Bus würde kaum ausreichen.

Nach rund eineinhalb Stunden traf ein weiterer Bus ein. «Wir mussten uns vordrängeln, sonst wären wir nicht in den Bus gekommen», erzählt Alice O. Die drei schafften es diesmal hinein, zum Glück, denn weitere Busse gab es keine, obwohl zwischenzeitlich sogar weitere Züge angekommen waren. Erneut blieben viele Menschen zurück, frustriert und mit erneut langen Wartezeiten.

Am Ziel angekommen, war die Erleichterung nur kurz. «Wir sind jetzt da und wissen nicht genau, wie wir zurückkommen», sagt Alice O. gegen Mittag zu Blick. Im Austausch mit anderen aufgebrachten Reisenden erfährt sie: «Einige überlegen bereits, auf alternative Wege auszuweichen», und manche setzen lieber aufs Wasser statt auf die Strasse. «Ein paar werden per Schiff zurückfahren.»

Ein absehbares Problem für die SBB?

Gerade mittwochs strömen traditionell Hunderte Besucher aus dem Tessin an den Markt in Luino. Dass es ausgerechnet an diesem Tag zu solch chaotischen Zuständen kommt, sorgt bei vielen für Unverständnis. Die SBB erklärt auf Rückfrage: «Die Anzahl der Ersatzbusse wird anhand der bekannten Reisendenzahlen an vergleichbaren Tagen definiert. Züge der Linie S30 werden jeweils durch einen Bus ersetzt.»

Mittwochs verkehre ein Zusatzzug zwischen Bellinzona–Cadenazzo–Luino, der am Mittwoch mit drei Bussen geplant werde. «Wir bedauern die entstandenen Unannehmlichkeiten», heisst es im SBB-Statement weiter. «Das Ersatzangebot hat sich bei früheren Sperrungen dieser Strecke bewährt und wurde deswegen auch in diesem Fall eingesetzt.»

* Name bekannt 

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen