Darum gehts
- Schulverwalter der Schule Pünt bot bewaffnete Polizisten für Personalgespräch auf
- Fünf Gemeinderäte wollten wissen, wie es dazu kam; einer wurde nun angezeigt
- Gemeinderat vermutet Racheaktion; bereits zuvor Kritik von Lehreren
Bei einem Personalgespräch rechnet man mit einigem – aber nicht mit bewaffneten Polizisten vor der Tür. Genau das soll aber an der Primarschule Pünt in Uster ZH der Fall gewesen sein, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Doch damit nicht genug: Fünf Gemeinderäte wollten wissen, wie es dazu kam – und einer erhält nun eine Strafanzeige. Er vermutet eine Racheaktion.
Im Schulhaus Pünt scheint es schon länger zu brodeln. Allein in den letzten zwei Jahren hätten 22 Mitarbeiter die Schule verlassen oder wurden krankgeschrieben. Während die Schulpflegepräsidentin und der Gesamtschulleiter diese Fluktuation als normal einstuften, äusserten mehrere Lehrpersonen gegenüber dem «Tages-Anzeiger» Kritik an den Zuständen in der Schule.
Bewaffnete Polizisten bei Personalgespräch
Das Fass zum Überlaufen brachte aber ein Personalgespräch im November 2023. Eine Mitarbeiterin erhielt vom Leiter der Schulverwaltung eine «Verwarnung ohne Rechtsfolge». Vor der halboffenen Tür sollen zwei bewaffnete Polizisten in Zivil anwesend gewesen sein – auf Wunsch des Schulverwaltungsleiters.
Die Mitarbeiterin soll nichts von diesem Einsatz gewusst haben. Zudem ist sie der Meinung, dass der Einsatz unbegründet war – im Gegensatz zur Einschätzung der Sicherheitschefin Beatrice Caviezel (GLP) und der Schulpflegepräsidentin.
Daraufhin schaltete sich auch der Gemeinderat ein. In einer Anfrage kritisieren fünf Gemeinderäte – von links bis rechts – die Zustände an der Schule. Auf einmal gebe es Personalgespräche «mit bewaffnetem Polizeischutz». Zudem seien die Abgänge und Ausfälle «eklatant». Der Schulverwaltungsleiter habe «selbstherrlich» Haus-, Rede- und Kontaktverbote verhängt. Es entstehe der Eindruck, dass er «die Fäden willkürlich in seinen Händen halten will».
Gemeinderat vermutet Racheaktion
Nun hat Gemeinderat Paul Stopper, der für die Partei Bürgernahe Politik Uster (BPU) politisiert, eine Strafanzeige erhalten. Er ist einer der fünf Gemeinderäte, die an der Anfrage beteiligt waren. Vorgeworfen würden ihm Ehrverletzung und üble Nachrede, wie er selbst sagt. Die Anzeige stammt laut ihm vom Schulverwaltungsleiter. Die anderen vier beteiligten Gemeinderäte hätten keine erhalten. Das gleiche einer Racheaktion – und werfe Fragen auf, sagt Stopper.
Die Schulpflege und der Stadtrat müssten sich nun mit der Personalie des Schulverwaltungsleiters auseinandersetzen, fordert er. Eine Administrativuntersuchung sei angebracht.
So oder so dürfte der Fall die Ustermer Politik noch länger beschäftigen. Tanja Göldi, Präsidentin der SP-Gemeinderatsfraktion, fordert etwa eine unabhängige Ombudsstelle in Uster. Eine Administrativuntersuchung sei in diesem Fall mangels konkreter Verdachtsmomente nicht sinnvoll. Ähnlich sieht es auch FDP-Fraktionspräsident Marc Thalmann. Die Strafanzeige kritisiert er. Eine Klärung der Vorgänge fordert hingegen SVP-Fraktionspräsident Ulrich Schmid.