Es war eine Woche der Enthüllungen. Und der Ausreden.
Neue Akten zu Jeffrey Epstein bringen weitere Namen ans Licht: Politiker, Manager, Diplomaten. Männer, die beim Sexualstraftäter zu Gast waren – in seiner Villa in New York, wo es Sushi gab, Small Talk und Mädchen wie Ware. Männer, die wegsahen. Oder mitmachten. Und schweigen.
Ausgerechnet der Präsident des Weltwirtschaftsforums, das sich in Davos Ethik auf die Fahne schreibt, schmiert einem Sexualstraftäter Honig ums Maul. WEF-Chef Børge Brende nannte Epstein «mein Freund», schrieb ihm noch kurz vor dessen Verhaftung 2019 Nachrichten im kumpelhaften Ton – und behauptet heute, er habe nichts geahnt.
Abwiegeln statt Tatsache benennen
Gewalt gegen Frauen ist nicht nur in der High Society in Manhattan ein Thema, sondern auch in der bodenständigen Schweiz. Neue Zahlen des Bundes zeigen: Über 21'000 registrierte Fälle häuslicher Gewalt – Tendenz steigend. Ausländische Männer sind fast dreimal so häufig Täter wie Schweizer. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Bei häuslicher Gewalt ist die Dunkelziffer besonders hoch.
Beschuldigte stammen überdurchschnittlich oft aus stark patriarchal geprägten Herkunftsländern. Diese Wahrheit ist bitter – aber wer das Problem lösen will, muss sie benennen.
Und dann noch der Vorfall am Junioren-Fussballturnier in Pratteln. Eine junge Trainerin wird von Jugendlichen tätlich angegangen. Der Verein? Wiegelt ab, lenkt ab – statt Verantwortung zu übernehmen. Und will als Sportverein Vorbild sein?
Wo Wermuth anklagt und wo er schweigt
Diese drei Geschichten haben nichts miteinander zu tun – aber ein gemeinsames Muster: Wegschauen, wenn es unangenehm wird. In Epsteins Residenz oder der Turnhalle in Baselland. Bei Mächtigen wie bei Halbstarken. Schweigen. Verharmlosen. Weitermachen.
Danach beginnt das politische Ritual. Die Linken rufen zum Kampf gegen Femizid, werden aber still, wenn es Täter mit Migrationshintergrund betrifft. Dann zählen plötzlich die Umstände – Armut, Kindheit, Trauma.
Wenn es ins Weltbild passt, sind Politiker schnell zur Stelle: «Die Epstein-Files zeigen die ganz alltägliche Haltung von reichen, weissen Männern, die ernsthaft glauben, die Welt – und vor allem Frauen – gehörten ihnen», schreibt SP-Chef Cédric Wermuth auf Instagram. Als wären Männer mit anderer Hautfarbe immun gegen Frauenverachtung. War da nicht etwas mit US-Rapper P. Diddy?
Selektive Wahrnehmung ist politischer Alltag. Aber wie viel glaubwürdiger wäre es, die Linke würde analog zu Epstein sagen: «Die Gewaltstatistik zeigt, wie Männer aus islamisch-patriarchalen Kulturen Frauen als Besitz betrachten»?
Auch SVP schaut nur dort hin, wo es ihr passt
Wird kaum passieren. Genauso wenig wie eine Stellungnahme der SVP zu übergriffigen Trump-Fans oder prügelnden Schweizern. Stattdessen: Lauter Ruf nach Ausschaffung, wenn der Täter Ausländer ist. Auch hier zählt nur, was ins Weltbild passt und parteipolitisch nützt. Beide Seiten messen mit zweierlei Mass: Mal ist der Täter ein politischer Sündenbock, mal ein blinder Fleck.
Wer Frauen schützen will, muss die ganze Wahrheit ansprechen – auch wenn sie unbequem ist. Ob der Täter ein gescheiterter Asylbewerber ist oder ein gefeierter Manager, spielt keine Rolle.
Gewalt bleibt Gewalt. Und Schweigen bleibt Mitschuld. Ob in der 3-Zimmer-Wohnung in Spreitenbach oder im Penthouse an der Upper East Side.
Das System Epstein war kein Einzelfall. Es war ein Spiegel. Auch für uns. Wer hineinschaut, sieht nicht nur Epstein – sondern auch sich selbst.
Denn der Schutz beginnt nicht mit Parolen, sondern mit Zivilcourage. Mit Hinschauen. Und Handeln.