Jetzt spricht SRG-Wille erstmals
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Nach Halbierungs-Debakel:Jetzt spricht SRG-Wille erstmals

Wo eine Wille ist, bleibt die SRG
Sogar ihre schärfsten Gegner ziehen vor ihr den Hut

Erfolg für Susanne Wille: Die SRG-Generaldirektorin hat die Abstimmung gegen die Halbierung der Gebühren am Ende klar gewonnen. Sie setzt auf Empathie und Dialog – und umgarnt damit auch Kritiker.
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Erleichterung ins Gesicht geschrieben: Susanne Wille hat mit dem Nein zur SRG-Initiative ihren grössten Sieg errungen.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • SRG-Chefin Susanne Wille verhindert Halbierung der Rundfunkgebühren mit souveränem Nein-Ergebnis
  • SRG muss bis 2029 jährlich 120 Mio. CHF einsparen, Gebühren sinken
  • Wille plant 900 Stellen, abzubauen, aber keine grossen Programmänderungen im Unternehmen
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Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Da steht die SRG-Generaldirektorin im Konferenzraum des Radiostudios in Bern. «Erleichtert» über das Resultat sei sie, gibt sie vor versammelten Journalistinnen und Journalisten in bestem SRF-Moderationssprech kund.

An diesem Sonntagnachmittag fehlt Susanne Wille (51) somit etwas die Wärme, die ihr im Kampf um die Halbierungsinitiative den Sieg gebracht hat. Dafür ist ihr etwas anderes ins Gesicht geschrieben: Erleichterung.

Glanzresultat trotz stürmischem Umfeld

Erst vor rund 15 Monaten trat Wille die Nachfolge von Gilles Marchand (64) an. Es war ein Wechsel mit einem einzigen Ziel: den nächsten Angriff abwehren!

Wo eine Wille ist, ist auch ein Weg – scheint es. Die SRG-Generalin hat die Halbierung des Gebührentopfs schliesslich souverän verhindert. 62 Prozent Nein – ein gutes Resultat. Trotz der kurzen Vorbereitungszeit, missglückten Auftritten und Wochen, in denen jede SRF-Panne von der Mücke zum Elefanten wurde.

Es ist ein Erfolg, der unter ihrem Vorgänger nicht garantiert gewesen wäre. Der Dozent Marchand wehrte 2018 zwar seine eigene Anti-SRG-Abstimmung ab. Damals ging es jedoch radikal um Alles oder Nichts. Und heute – nach einer Pandemie, Rechtsrutschen, Krieg in Europa – ist die Welt und auch die Schweiz eine andere.

Weniger Sturheit, dafür ein Umbau

Die Devise: weniger Sturheit, mehr Wille. Marchand verunglimpfte die Halbierungsinitiative noch als «Angriff auf die Schweiz», seine Nachfolgerin trat ihr dagegen mit Engagement entgegen: Ihr Transformationsprojekt Enavant setzt besonders beim Wasserkopf des Unternehmens an. 900 Stellen sollen damit wegfallen – Programmänderungen aber möglichst vermieden werden.

Eine Wahl hat die SRG-Chefin dabei nicht: Das Spardiktat musste sie so direkt von Medienminister Albert Rösti (58, SVP) übernehmen. Im Sommer 2024 – noch vor Willes offiziellem Antritt – entschied der Bundesrat eine Gebührensenkung von 335 auf 300 Franken bis 2029. Der Entscheid sollte als Gegenmassnahme zur drohenden Halbierung gelten. Insgesamt muss das Medienhaus auf jährlich 120 Millionen Franken verzichten.

Dieses Sparziel souverän umzusetzen – und dabei weder links noch rechts zu vergraulen –, würde nicht vielen gelingen. Wille scheint es jedoch zu schaffen. Im Unternehmen, von Weggefährten und SRG-Freunden wird sie als empathische und geradlinige Leaderin geschätzt.

«Neues Kapitel» für die SRG

Selbst ihre ärgsten Feinde respektieren Willes kompetentes, aber nahbares Auftreten und ihre Bemühungen, das aus Sicht der Gegner «aufgeblähte» Medienhaus fit zu trimmen.

«Susanne Wille hat bei der SRG ein neues Kapitel eingeläutet», sagt SVP-Nationalrat Gregor Rutz (53). Die Generaldirektorin mache einen guten Job, diskutiere offen und zielführend. «Das ist ganz anders als noch bei ihren Vorgängern, die Probleme lieber unter den Teppich kehrten.» Auch der Halbierungsbefürworter zollt Wille daher Tribut: «Sie hat schwierige Arbeit vor sich.» Trotz der aktuellen Niederlage: Daran werden vermutlich auch Rutz und seine Parteikollegen einen gewichtigen Anteil haben.

Zugleich überredete Wille die Konkurrenz zum Schulterschluss: Die SRG machte den privaten Medienhäusern Zugeständnisse, im Gegenzug verzichteten diese darauf, die Initiative der SVP öffentlich zu unterstützen. Nur die TX Group – Verlegerin der Tamedia-Zeitungen und von «20 Minuten» – wollte nicht mit an Bord.

Unternehmenstreu bis ins Private

Die Sozialkompetenz der SRG-Chefin ist dabei nur ein Puzzleteil: Die gebürtige Aargauerin ist dem Haus bereits seit über zwei Jahrzehnten treu – als Journalistin, Moderatorin, Chefin der SRF-Kulturabteilung und nun als Generaldirektorin. Sogar ihre eigene Liebesgeschichte begann dort. Ihr Ehemann ist der langjährige SRF-Moderator Franz Fischlin (63). Bereits lange vor ihrem Aufstieg an die Spitze galt sie als ein Aushängeschild des Medienkonzerns.

Es ist somit sinnbildlich, dass Wille und SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina (62) nach Bekanntwerden der Resultate ausgerechnet in dem Gebäude vor die Medien traten, das bald seine Doppelfunktion antreten wird: Wille und ihre Generaldirektion ziehen bis Ende dieses Jahres von ihrem jetzigen Hauptsitz auf der anderen Seite der Aare ins Gebäude an der Schwarztorstrasse um. Das sei günstiger und effizienter – so wie vom Bund gewünscht.

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