Wird die 10-Millionen-Initiative zum Eigentor?
Fussball-Liga warnt vor Ende der Personenfreizügigkeit

Die SVP will mit der 10-Millionen-Initiative die Zuwanderung begrenzen – notfalls mit der Kündigung der Personenfreizügigkeit. Die Swiss Football League fürchtet gravierende Folgen. Das Ende des Freizügigkeitsabkommens könnte Schweizer Klubs schwächen.
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Die 10-Millionen-Initiative der SVP bringt den Schweizer Fussball ins Schwitzen.
Foto: Zamir Loshi/freshfocus

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • SVP-Initiative will Zuwanderung begrenzen, könnte Schweizer Fussball stark erschweren
  • Swiss Football League warnt vor Problemen bei Transfers und Kaderplanung
  • Super League: Maximal 5 Nicht-EU-Spieler, Challenge League nur 3 erlaubt
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Céline ZahnoRedaktorin Politik

Was wäre der FC St. Gallen ohne Goalie Lawrence Ati Zigi (29), die Berner Young Boys ohne Mittelstürmer Chris Bedia (30) und der FC Basel ohne seinen Abwehrpatron Flavius Daniliuc (24)? Der Schweizer Fussball ist ohne Zuwanderung kaum denkbar.

Klubs rekrutieren fleissig Talente aus dem Ausland – dank Personenfreizügigkeit ist das bei EU-Spielern problemlos möglich. Bei Spielern aus Drittstaaten wird es komplizierter. Die Hürden für Transfers sind hoch – es gelten strenge Kontingente für Spezialisten, und sie brauchen eine Aufenthaltsbewilligung.

Gerade droht dem Schweizer Fussball ein Eigentor: Mit der 10-Millionen-Initiative der SVP könnte dieses Korsett noch viel enger werden, wird in Fussballer-Kreisen befürchtet. Die Initiative will die Zuwanderung drosseln und die Bevölkerungszahl bis 2050 auf maximal 10 Millionen begrenzen – im Extremfall sogar durch die Kündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU.

«Erhebliche Auswirkungen auf Profiklubs»

Vor einer solchen Kündigung warnt nun die Swiss Football League (SFL), die den Spielbetrieb der Super League und Challenge League verantwortet. «Aus Sicht der Swiss Football League hätte eine Kündigung der Personenfreizügigkeit potenziell erhebliche Auswirkungen auf die Schweizer Profiklubs», sagt CEO Claudius Schäfer (54) zu Blick.

Das heutige Abkommen erleichtere EU- und Efta-Staatsangehörigen den Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt deutlich, so Schäfer weiter. Fiele das Abkommen weg, würde die Rekrutierung von Spielern, Trainern und weiteren Fachpersonen aus dem EU-Raum zum administrativen Spiessrutenlauf. «Für die Klubs würde dies die Kaderplanung, Transferprozesse und teilweise auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit massiv erschweren.» Transfers hingen stärker von Bewilligungsverfahren und Kontingenten ab. 

Fallen EU-Bürger unter Ausländer-Einschränkung?

Ein weiterer Knackpunkt: Aktuell werden Profis aus dem EU-Raum von den Klubs wie Schweizer behandelt. In der Super League dürfen maximal fünf, in der Challenge League maximal drei Nicht-EU-Ausländer gleichzeitig auf dem Platz stehen. Sollte die Personenfreizügigkeit allerdings fallen, würden Spieler aus Deutschland, Frankreich oder Italien plötzlich unter diese Beschränkung fallen.

«Es ist davon auszugehen, dass es bei dieser reglementarischen Einschränkung eine Anpassung zu mehr Ausländern geben könnte», sagt Schäfer. Aber was wäre mit Schweizer Spielern im Ausland? Seit dem Bosman-Urteil im Jahr 1995 gelten in europäischen Ligen keine Ausländerbeschränkungen für Spieler aus dem EU-Raum. Seit den Bilateralen ist davon auch die Schweiz betroffen. Ohne Personenfreizügigkeit verlören Schweizer diesen Status wohl und wären plötzlich wieder bewilligungspflichtig – wie etwa Spieler aus Brasilien oder dem Senegal.

«Reine Angstmacherei»

Deutlich weniger Bedenken hat SVP-Nationalrat und Fussball-Enthusiast Lars Guggisberg (48). Er ist Captain des FC Nationalrat. «Die Aussagen der SFL sind sehr einseitig, übertrieben und reine Angstmacherei», sagt er zu Blick. Mit Annahme der Initiative am 14. Juni ändere sich für den Fussball vorerst gar nichts. Erst wenn die Bevölkerung die Marke von 9,5 Millionen erreiche, müsse der Bundesrat aktiv werden. «Es gibt problemlos Massnahmen, die dann ergriffen werden können, bevor die Personenfreizügigkeit neu verhandelt werden müsste», so Guggisberg. Er nennt etwa das Asylrecht oder die Beschränkung des Familiennachzugs.

Guggisberg will den Ball flach halten: «In Bezug auf den Profifussball werden die Auswirkungen einer Annahme der Initiative dramatisiert», sagt er. Beim «aktuellen Branchenprimus und Bald-Meister FC Thun» spiele zum Beispiel kaum ein Leistungsträger, der nur wegen der Personenfreizügigkeit in der Schweiz spielen darf. 

Der Berner sieht sogar eine Chance für den hiesigen Markt. «Selbst wenn dem so wäre, und ohne Personenfreizügigkeit weniger ausländische Spieler in der Schweiz spielen könnten, hätte dies sogar noch einen positiven Nebeneffekt: Die Schweizer Nachwuchsspieler würden wieder mehr gefördert.» Auch die Probleme im Breitensport führt er auf die «masslose Zuwanderung» zurück: Viele Kinder könnten nicht Fussball spielen, weil die Bevölkerung zu schnell wachse und es an Plätzen mangle.

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