Wegen der Hitze
Sollen Kinder ab 26 Grad im Keller unterrichtet werden?

Die Schweiz schwitzt – und an den Schulen kochen die Gemüter. Weil hitzefreie Tage fehlen, fordert der Lehrerverband nun nationale Richtlinien für den Hitzeschutz. Neben dem Einbau von Klimaanlagen wird vorgeschlagen, den Unterricht ab 26 Grad ins Freie zu verlegen.
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Vielerorts klettern die Temperaturen bereits im Mai in Rekordhöhe.
Foto: Gaetan Bally

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Lehrer-Verband fordert rechtlich verbindliches Hitzemanagement für Schulen in der Schweiz
  • Ab 30 Grad Celsius soll regulärer Unterricht komplett eingestellt werden
  • Kinder gefährdet: Grosse Körperoberfläche, geringes Schwitzen, Risiko von Dehydration
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Céline ZahnoRedaktorin Politik

Die Hitze hat die Schweiz schon im Frühling fest im Griff, vielerorts klettern die Temperaturen im Mai in Rekordhöhe. Während Arbeitsplätze oft klimatisiert sind und für Büroangestellte Richtwerte für den Hitzeschutz gelten, seien viele Schulbauten ungenügend auf einen heissen Sommer vorbereitet. 

Das schreibt der Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH) in einem neuen Positionspapier – und schlägt deswegen Alarm. «Der LCH erachtet die heutige Situation als bildungspolitisch und arbeitsrechtlich unzureichend.» Es brauche eine neue Strategie – weg von kurzfristigen Notlösungen, hin zu einem rechtlich abgestützten Hitzemanagement mit klaren Regeln. 

Vom Klassenzimmer in Wälder und Keller

Die Kernforderung des Verbands um Dagmar Rösler (54) ist ein Stufenplan: Bis 26 Grad Celsius Innentemperatur soll der Unterricht regulär stattfinden. Bei Temperaturen zwischen 26 und 30 Grad müsste der Unterricht eingeschränkt und der Hitze angepasst werden. Zum Beispiel könnte der Unterricht in den Wald oder gar in den Keller verlegt werden, so der konkrete Vorschlag. Das sei jedoch nur für einzelne Klassen und für einige Stunden umsetzbar – zudem seien Keller nicht als Schulräume ausgestaltet. Ab 30 Grad würde der reguläre Unterricht gemäss dem Plan eingestellt.

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Bisher würden Entscheide über Unterrichtsanpassungen bei Hitze häufig an einzelne Lehrpersonen oder Schulleitungen delegiert. Das könne zu ungleicher Behandlung und Unsicherheit führen – Lehrpersonen wüssten nicht, wie sie handeln dürfen.

Klimaanlagen bei extremer Hitze «unumgänglich»

Langfristig sollten solche Notlösungen aber nicht zur Norm werden. Hauptursache für die Überhitzung vieler Schulhäuser sei ihre bauliche Beschaffenheit – zum Beispiel grosse Glasflächen oder mangelhaft isolierte Gebäudehüllen. Schulhöfe mit wenig Grünfläche würden zudem zur Bildung von Hitzeinseln beitragen. Künftig müsse bei Sanierungen und Neubauten der Hitzeschutz zur Pflicht werden. 

Zudem sei der Einsatz von Klimaanlagen bei extremen Hitzewellen unumgänglich. Mit dem Einsatz von Solaranlagen könnten Kühlsysteme klimaneutral mit Eigenstrom betrieben werden. 

Die Forderung nach der Obergrenze von 26 Grad stütze sich auf fundierte medizinische, physiologische und arbeitsrechtliche Erkenntnisse, so der Dachverband. Kinder und Jugendliche würden empfindlicher auf Hitzebelastungen reagieren – im Verhältnis zu ihrer Körpermasse verfügten sie über eine grössere Körperoberfläche. Gleichzeitig würden sie deutlich weniger schwitzen als Erwachsene. Weil Kinder ein weniger ausgeprägtes Durstgefühl haben, droht ausserdem eine schnelle Dehydrierung. 

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