Von der Wiege bis ins Grab
In Schaffhausen ruhen Verstorbene im Holz der eigenen Heimat

Wer in Schaffhausen stirbt, ruht oft in einem Sarg aus lokalem Holz. Die Stadt lässt jährlich 780 Särge aus eigenem Wald herstellen. Es ist das letzte Geschenk an die Einwohnerinnen und Einwohner. Andernorts zahlen diese dafür.
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Schaffhausen hat die Produktion von 780 Särgen ausgeschrieben.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schaffhausen nutzt lokales Holz für jährlich 780 Särge
  • Stadt besitzt über 1600 Hektar Wald
  • Die Regeln rund ums begraben sind schweizweit sehr divers
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Janic UrechRedaktor Politik

Wer in Schaffhausen stirbt, findet nicht selten seine letzte Ruhe unter Bäumen. Der idyllische Waldfriedhof ist der grösste der Stadt. Doch die Verbindung der Verstorbenen zu den lokalen Wäldern ist noch grösser, als es zunächst scheint. Die Stadt lässt jedes Jahr Hunderte Särge aus dem Holz fertigen, das direkt aus den heimischen Wäldern stammt.

Kürzlich hat die Stadt Schaffhausen einen Grossauftrag ausgeschrieben. Gesucht wird ein Lieferant für rund 780 Särge pro Jahr. Dies entspricht ungefähr der jährlichen Anzahl Todesfälle in der Stadt. Hergestellt werden sollten die bestellten Särge aus dem städtischen Rotholz. Damit schlägt die Stadt Schaffhausen zwei Fliegen mit einer Klappe. Einerseits ist für das letzte hölzerne Kleid der verstorbenen Stadtbewohnenden gesorgt, andererseits verwertet die Stadt so einen Teil des Holzes, das sie mit ihren über 1600 Hektar Waldfläche erwirtschaftet.

In Schaffhausen sind die Standard-Särge der Stadt in den Bestattungskosten für Einheimische inbegriffen. Als Grundtarif zahlt man da für eine Bestattung 300 Franken. Andere Särge werden eher selten gewählt. Für diese müssten die Angehörigen die Mehrkosten selbst tragen. Dass die Schaffhauser Särge aus regionalem Holz gefertigt werden, passe zu den zunehmenden Ansprüchen der Bevölkerung: «Neben klassischen Ausführungen spielen heute zunehmend individuelle Wünsche, Nachhaltigkeit, Regionalität und ökologische Aspekte eine Rolle», schreibt die Stadt Schaffhausen auf Anfrage von Blick. 

Schweizweiter Flickenteppich

Die Regelungen zu Bestattungen sind ein Flickenteppich kantonaler und kommunaler Reglemente und Verordnungen. Schon nur ein Blick auf die grösseren Schweizer Städte zeigt die unterschiedlichen Regelungen: In Zürich, St. Gallen und Basel werden, wie in Schaffhausen, Särge für Einheimische kostenlos zur Verfügung gestellt. In Luzern und Bern hingegen kommt die Stadt nur für die Särge von Bedürftigen auf. Zürich bietet ausserdem neben dem kostenlosen «Züri-Sarg» auch eine breite Auswahl an unterschiedlich teuren Särgen an. So gibt es beispielsweise einen Sarg aus biologisch abbaubaren Pilz- und Hanffasern mit Moosbett.

Durch das Zur-Verfügung-Stellen des eigenen Holzes werde auch garantiert, dass einheimisches Holz verwendet wird, erklärt die Stadt Schaffhausen. Denn es wäre nicht möglich gewesen, bei der Ausschreibung des Auftrags spezifisch nach Schweizer Holz zu fragen. Dies hätte ausländische Holzanbieter diskriminiert. Das Zur-Verfügung-Stellen von eigenem Holz ist jedoch zulässig. So konnte sichergestellt werden, dass nachhaltiges Schweizer Holz für die Särge verwendet wird. Die Ausschreibung für die Särge läuft noch bis Ende Oktober.

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