«Es ist respektlos»
Friedhofsparzelle in Wetzikon ZH völlig verwildert

Ein Friedhof gilt als letzter Ort der Ruhe und des Gedenkens. Für einige Angehörige ist dieser Anspruch jedoch auf dem Friedhof Wetzikon nicht erfüllt. In den vergangenen Jahren kam es bei dem Thema wiederholt zu Kritik und Diskussionen.
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Seit fast vier Jahren kämpfen Angehörige um eine angemessene Pflege dieser Ruhestätte.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Der Friedhof Wetzikon wird kritisiert: Die Bepflanzung verdecke die Namen und wirke ungepflegt
  • Die Mitarbeiter verweigern Hilfe, zugleich wird die Pflege durch Angehörige als «strafbar» bezeichnet
  • Der Friedhof sorgte schon 2024 für einen Skandal: Eine Urne ohne Inhalt wurde beigesetzt
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Gina Grace ZurbrüggRedaktorin News

Seit Jahren sorgt ein Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof Wetzikon für Ärger. Vittoria Mitterhofer (45) kämpft nach eigenen Angaben seit fast vier Jahren darum, dass die Grabstätte ihres Vaters, der 2020 verstorben ist, und ihrer Grossmutter, die 2021 verstorben ist, angemessen gepflegt wird.

«Das Gemeinschaftsgrab sieht einfach nur grausam aus», sagt Mitterhofer zu Blick. Für das Grab wurde jeweils eine einmalige Zahlung geleistet, dennoch sorgt die Pflege seit Jahren für Probleme. Die Bepflanzung sei teilweise so stark gewachsen, dass sie sogar die Namensschilder überwuchert. Die Namen seien kaum noch sichtbar.

Anliegen mehrfach vorgebracht

Die 45-Jährige beschreibt den Zustand für einen Ort des Gedenkens als «traurig» und «nicht würdig». «Wie man mit dem Grab von Toten umgeht, ist respektlos.»

Mehrfach habe sie ihr Anliegen beim Friedhofsleiter und beim Gärtner vorgebracht – ohne Erfolg. Sie habe sogar angeboten, das Grab selbst zu reinigen und die überwuchernden Pflanzen zurückzuschneiden oder auszureissen. Dies sei ihr jedoch untersagt worden, da es sich um ein Gemeinschaftsgrab handle und ein Eingriff «strafbar» sei.

«Es wuchert und wuchert»

Die Situation dauert mittlerweile seit fast vier Jahren an. «Es wuchert und wuchert, aber sie sagen nur, sie hätten keine Zeit, die Knollen zu entfernen», so Mitterhofer. Diese seien zudem absichtlich gepflanzt worden.

Eine Einigung sei nie zustande gekommen. Stattdessen habe sie sich immer wieder abgewiesen gefühlt. Auch mehrere Fragen an die Friedhofsleitung seien aus ihrer Sicht unzureichend geklärt worden, E-Mails seien teils gar nicht beantwortet worden.

Im vergangenen Jahr kam es nach dem Umbau des Friedhofs erneut zu einer Auseinandersetzung. Sie suchte erneut das Gespräch mit dem Verantwortlichen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich auch andere Angehörige am Gemeinschaftsgrab. Vittoria Mitterhofer wies erneut auf den verwitterten Zustand hin: «Dann soll man sich überlegen, wo man sich das Grab aussucht!», habe der Gärtner ihr entgegnet. «Mein Vater wollte extra ins Gemeinschaftsgrab, damit wir keinen Aufwand haben», sagt sie zu Blick.

Die Friedhofsleitung wollte keine Stellungnahme abgeben. Sie verweist an die Medienstelle der Gemeinde.

Friedhof äussert sich

Diese erklärt wiederum auf Nachfrage: «Die Bepflanzung des Gemeinschaftsgrabs auf dem Friedhof Wetzikon entspricht aktuell nicht den Qualitätsansprüchen der Stadt Wetzikon. In diesem Sinne können wir die vorgebrachte Kritik der Angehörigen nachvollziehen. Eine Neubepflanzung ist in Planung und wird bis spätestens Ende August 2026 umgesetzt werden.» Weiter heisst es: «Wir bedauern, dass sich die Angehörigen von den Verantwortlichen nicht gehört gefühlt haben.»

Bereits Anfang April 2026 habe der Stadtrat eine Analyse und Neuordnung des Bestattungs- und Friedhofswesens beschlossen und einen entsprechenden Kredit bewilligt. Damit sollen die Prozesse optimiert und die Schnittstellen – auch diejenige zu den Angehörigen der Verstorbenen – verbessert werden.

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Urne ohne Inhalt beigesetzt

Ende 2024 berichtete der «Tages-Anzeiger» bereits über einen Vorfall im Friedhof Wetzikon. Im Mai 2024 wurde dort die Urne von Erwin G*. beigesetzt – zumindest gingen die Angehörigen davon aus. Tatsächlich handelte es sich jedoch um eine Ersatzurne.

Kurz vor der Zeremonie war die eigentliche Urne aus dem abgeschlossenen Urnenschrank verschwunden. Der neu eingesetzte Friedhofsleiter organisierte daraufhin kurzfristig eine andere Urne und liess diese beisetzen, ohne die Hinterbliebenen darüber zu informieren oder ihre Zustimmung einzuholen. Später bezeichnete die Stadtverwaltung den Vorfall in einer Medienmitteilung als «bedauerlichen Einzelfall».

*Namen bekannt 

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