Darum gehts
- Zuger Firma Emix verdiente während Pandemie Hunderte Millionen mit Maskenverkäufen.
- Trotz Kritik aus Bayern: Die Zürcher Staatsanwaltschaft sagt, alles sei rechtens gewesen.
- Emix-Anwälte forderten jetzt laut Staatsanwaltschaft stark überhöhte Honorare
Sie haben Hunderte Millionen Franken verdient: Während der Pandemie haben die beiden jungen Gründer der Zuger Firma Emix Kasse gemacht. Sie haben dem Bund, Spitälern, aber auch deutschen Behörden die begehrten Masken verkauft. Emix konnte im grossen Stil liefern. Die jungen Männer gönnten sich Ferrari und Jacht.
Das Geschäftemachen sorgte auch deshalb rasch für Wirbel, doch zumindest juristisch ist daran nichts auszusetzen. Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat das Verfahren wegen Verdachts auf Wucher eingestellt. Hängen bleibt nichts.
Blick konnte nun das Dokument anschauen, in dem die Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfahrens begründet. Klar ist für die Behörde demnach: Praktisch alle Käufer hatten auch andere Optionen, die teils günstiger, teils aber auch teurer waren. Man kann Emix also nicht vorwerfen, die Firma habe eine Notlage ausgenutzt.
In der Schweiz liessen sich höhere Margen erzielen
Auch die Margen waren laut den Berechnungen eines Wirtschaftsprüfers nicht in dem Bereich, den man als Wucher bezeichnen könnte. Sie seien nicht einmal wesentlich höher gewesen als bei Maskenverkäufen zu «gewöhnlichen» Zeiten.
Was an den Berechnungen allerdings auffällt: Die Schweiz hatte etwas schlechter verhandelt. Hier war die Marge im Schnitt offenbar höher als bei den europäischen Kunden. Interessant dabei: In der Schweiz war die Marge höher als in Deutschland. Dort verhandelte man offenbar besser – oder kaufte deutlich mehr.
Freistaat Bayern kritisiert Zürcher Zahlen
Kritik am Verfahren kommt aus Deutschland. Der Freistaat Bayern ist nicht einverstanden mit den Rechnungen der Zürcher Staatsanwaltschaft. Bayern hatte auch Masken gekauft und war Privatkläger im Verfahren. Der Freistaat zweifelt die Art und Weise an, wie ein Wirtschaftsprüfer die Marge berechnete. Bayerns Bedenken drangen in Zürich aber nicht durch und wurden abgewiesen.
Kein Wunder, dass Bayern besonders energisch intervenierte: Im deutschen Bundesland gingen die Wogen hoch. Emix verkaufte auch an den Freistaat. In Deutschland vermittelte Andrea Tandler, Tochter eines früheren CSU-Ministers, die Deals. Tandlers Firma erhielt rund 50 Millionen Euro Provisionen, zehn Prozent der in Deutschland vermittelten Geschäfte. Das sorgte für viel Aufsehen, Tandler ist inzwischen wegen Steuervergehen verurteilt.
Hinweise, dass ein Amtsträger in Deutschland bestochen worden sein könnte, liessen sich laut der Zürcher Staatsanwaltschaft ebenfalls nicht erhärten, auch wenn «an den Provisionszahlungen der Emix noch eine weitere Person wirtschaftlich berechtigt war und das deutsche Bundesministerium für Gesundheit zu hohe Preise zahlte, als es bereits zu viele Masken gekauft hatte».
Anwälte übertrieben es mit Honorarrechnungen
Absahnen wollten am Ende die Emix-Anwälte, zumindest aus Sicht der Staatsanwälte. Die Verteidiger der drei Beschuldigten stellten einmal 156’000 Franken, einmal 149’000 und einmal 97’000 Franken in Rechnung.
Die fallführende Staatsanwältin sah aber «keine Gründe für eine exzessive Verteidigung». Sie taxierte die Forderungen als «stark überhöht» und kürzte die Honorare auf zweimal 50’000 und einmal 37’500 Franken.