Darum gehts
- Beim Gondel-Absturz in Engelberg löste sich unerwartet eine Kabinen-Klemme
- Windböen von bis zu 100 km/h führten zum geplanten Abhängen der Gondeln
- Letzte Inspektion der betroffenen Bahn erfolgte 2024, jedoch nicht detailliert
Noch ist beim Gondel-Absturz bei Engelberg vieles unklar. Dennoch werden langsam Details bekannt: Wie Verwaltungsratspräsident Hans Wicki (62) gegenüber Blick mitteilte, geschah das Unglück just, als Titlis-Mitarbeiter die Kabinen abhängen wollten.
Der Grund für die Sicherungsaktion: Im Skigebiet herrschte starker Wind. Auf dem Gipfel wurden bis zu 100 km/h gemessen. Nun äussert sich das Bundesamt für Verkehr (BAV) als nationale Kontrollstelle zum Gondel-Unglück.
Bund überprüft «risikoorientiert»
Laut dem BAV gelte für die Schweizer Bergbahnen die europäische Norm: Bei einer Windstärke von 60 km/h müsse der Betrieb eingestellt werden. «In der Schweiz gilt zusätzlich die Vorgabe, dass ab einer Windstärke von 40 km/h der Betrieb vertieft zu beobachten ist und bei Bedarf langsamer gefahren werden muss», teilt das BAV auf Anfrage mit.
Gesetzlich seien die Seilbahnunternehmen für die Sicherheit des Betriebs zuständig, schreibt die Bundesbehörde. Das Bundesamt überwache jedoch Unternehmen mit einer Bundeskonzession «risikoorientiert und stichprobenartig». Heisst: Mindestens alle fünf Jahre werde ein sogenanntes Sicherheitsüberwachungs-Audit durchgeführt. «Hierbei wird primär geprüft, ob Organisation, Prozesse, Hilfsmittel so vorhanden sind, dass das Unternehmen die Sicherheit wie vom Gesetz vorgeschrieben gewährleisten kann», schreibt das BAV.
Betroffene Bahn nutze keine Mängel-Klemmen
Betriebskontrollen würden jedoch nur zusätzlich bei einzelnen Anlagen durchgeführt. Bei den Titlis-Bergbahnen sei dies zuletzt 2024 bei einer Anlage geschehen – «aber nicht bei derjenigen, bei welcher gestern der Unfall passiert ist».
2021 bemängelte die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) die Klemmen des Gondel-Herstellers Garaventa – sie würden nur schlecht schliessen und könnten zu Abstürzen führen. Wie Titlis-CEO Norbert Patt bekannt gab, habe sich die Klammer auch beim Kabinen-Absturz bei Engelberg unerwartet gelöst.
Wie das BAV mitteilt, handle es sich bei den Klemmen der betroffenen Bahn nicht um das gleiche Modell – sie seien moderner. «Für den von der Sust untersuchten Klemmentyp haben die Hersteller übrigens inzwischen Massnahmen umgesetzt», so die Bundesstelle.
Inwiefern am Titlis dennoch ein Versagen der Klemmkraft stattgefunden hat, wird nun die Sust prüfen müssen.