Darum gehts
- Staatsrätin Dittli sprach über Kritik und Vorwürfe in RTS-Interview
- Sie räumte Führungsfehler ein und verteidigte ihr Vorgehen zu Steuerrabatten
- Paychère-Bericht: Steuer-Rabatt 2009–2021 illegal, Amtsmissbrauchsverfahren läuft
In einem Interview mit der Sendung «Matinale» des Westschweizer Fernsehens RTS blickte Dittli am Freitag auf die Sitzung des Grossen Rates vom 20. Januar zurück. Bei dieser Sitzung war die Staatsrätin nach einem kritischen Bericht zu Missständen in ihrem früheren Finanzdepartement scharf befragt worden.
Die Anhörung habe sie als «extrem hart» empfunden. Sie habe sich «wie vor einem Tribunal» gefühlt, sagte Dittli und beklagte, dass ihre Antworten systematisch infrage gestellt worden seien.
Fehler im Führungsstil eingeräumt
Wie bereits im Parlament wich sie auch im Interview heiklen Fragen aus, insbesondere zu externen Mandaten, die mögliche Interessenkonflikte betreffen könnten. Zugleich räumte sie Fehler in ihrem Führungsstil ein und bedauerte, Mitarbeitende «in Leid gestürzt» zu haben.
Auf die Frage nach Scham über das geschilderte Unwohlsein antwortete sie mit Ja. Sie übernehme ihren Teil der Verantwortung, sei jedoch nicht allein für die Probleme verantwortlich. Das Finanzdepartement war ihr im März 2025 entzogen worden.
Strafverfahren gegen Dittli dauert an
In der Affäre um den Steuer-Rabatt für Reiche verteidigte Dittli ihr Vorgehen. Der Paychère-Bericht habe bestätigt, dass das Instrument zwischen 2009 und 2021 illegal angewandt worden sei. Sie habe deshalb richtig gehandelt, ihrer Intuition zu folgen und auf Abklärung zu drängen.
Parallel dazu läuft ein Strafverfahren gegen Dittli. Die Waadtländer Staatsanwaltschaft untersucht mögliche Fälle von Amtsmissbrauch im Zusammenhang mit der Aufhebung rechtskräftiger Steuerveranlagungen.
Die gebürtige Zugerin war im Frühjahr 2022 als 29-Jährige ohne Politikerfahrung überraschend in die Waadtländer Regierung gewählt worden.